Gespräch mit der Schulleitung 

Theodor-Heuss-Gymnasium: Was sich in 20 Jahren an einer Europaschule verändert hat

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Europaschule: Das Schild am Eingang des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Göttingen dokumentiert den Status. 

Das Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) ist Europa-Schule. Die Beschäftigung mit Europa  hat sich in den vergangenen 21 Jahren seit Tragen des Titels aber verändert, sagt die Schulleitung. 

Vielleicht hat auch die Veränderung dazu beigetragen, dass sich Jugendliche in Europa ganz normal als grenzenlose Europäer fühlen. 

Für die Mittelstufen-Koordinatorin Jaqueline Ahrend hat sich in zwölf Jahren am THG einiges verändert: Die Internationalität habe an Selbstverständlichkeit gewonnen – auch der Umgang mit Menschen aus anderen Ländern. „Das muss mehr gelebt werden, und es wird hier mehr gelebt.“

Der stellvertretende Schulleiter, Mathias Behn, hat bemerkt: Es verändert sich immer etwas, auch, dass zum Beispiel im Französisch-Austausch zunehmend mehr Englisch gesprochen wird.“

Jaqueline Ahrend findet das gar nicht schlimm: „Wir sind ja eine Europa-Schule. Aber natürlich erwarte ich auch Impulse für das Erlernen der Sprache durch einen Austausch.

Schüleraustausche

Für Schulleiterin Ulrike Koller ist in Bezug auf den Schüleraustausch wichtig: „Der Hauptaspekt dabei ist heute das gegenseitige Kennenlernen.“ Den historischen Wurzeln des Schüleraustauschs mit England und Frankreich misst Mathias Behn heute keine große Bedeutung mehr bei. 

„Manches hat sich als Motiv der Partnerschaft überlebt, so das Pathos der Versöhnung. Franzosen und Deutsche, die 2000 geboren sind, müssen sich nicht versöhnen. Sie haben eine andere Basis.“

Schwerpunkt EU-Profil

In der Europaschule THG gibt es das EU-Profil, einen Schwerpunkt, den Schülerinnen und Schüler wählen können, die sich vertiefend mit europäischen Themen beschäftigen möchten. Europa und die EU sind aber auch in anderen Fächern immer wieder ein Thema, auch ohne festen Plan.

Kein Event-Denken

Man ergötze sich laut Behn aber nicht am Event-Denken und im Aktivismus, wie bei „Europa-Wochen“, sondern versuche, viele Aktivitäten im Raum Schule sichtbar zu machen. Für Ulrike Koller sind die Europa-Kontakte „sehr selbstverständlich“ geworden. 

THG-Schulleiterin Dr. Ulrike Koller 

Eine Europa-Schule könne sich nicht wie vor 30 Jahren darauf beschränken, vor allem Kontakte mit europäischen Ländern zu haben. „Es gilt, gemeinsam mit diesen Nachbarn in die Welt zu gehen, Kontakte auch nach Übersee zu pflegen.

Menschlicher Kontakt

Für Koller, die in ihr letztes Jahr als Schulleiterin geht, ist für ihre Schule deshalb besonders wichtig, „den Kontakt auf menschlicher Ebene zu halten. 

Denn im Fernsehen sehen unsere Schüler, welche Probleme es in Polen und in der Beziehung zwischen Deutschen und Polen gibt. Gemeinsam zu erkennen wie gut Gemeinsamkeiten sind, die es nach wie vor gibt, das ist sehr wichtig.“

Kein Pathos

Symbole, Pathos aber spielen im Alltag der Europaschule keine Rolle: „Wir hissen hier nicht jeden Tag die Europafahne, oder spielen 'Freude schöner Götterfunken', aber wir leben die Kontakte zu Polen, zu den Westeuropäern und mittlerweile darüber hinaus in die USA, nach Australien, nach Südamerika.

Hin zur Weltschule

Und weil der europäische Gedanke hier gelebt wird, hat die Schule mittlerweile eine Wirkung, die über Europa hinaus trägt – das THG bekommt Anfragen von Schulen aus Lateinamerika, Indien oder China, die an einem Austausch interessiert sind. 

Von der Europa- zur Weltschule, ein Weg, auf dem nicht nur das THG in Göttingen unterwegs ist. Auch andere Schulen pflegen Austausche, wie das Hainberg-Gymnasium zum Beispiel nach Tansania.

Inhalte und Haltung

Das Europa-Label und das Europa-Profil am THG soll es weiterhin geben. Es sei wichtig, aber letztlich nur ein Rahmen, den es gelte auszufüllen, „mit Inhalten, vor allem aber Haltung“, wie Mathias Behn sagt.

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