Besondere Hilfe

Therapiezentrum in Göttingen: Für ein Leben ohne die Sucht

Das Therapiezentrum Open in Göttingen
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Das Therapiezentrum Open: Es ist in der Göttinger Weststadt zu finden. Dort werden Suchtkranke aus der Region stationär aufgenommen.

Für Suchtkranke aus Südniedersachsen und Nordhessen gibt es in Göttingen eine Reha-Klinik. In der Corona-Krise haben die Patienten besondere Schwierigkeiten.

  • Hilfe für Suchtkranke gibt es vom Therapiezentrum Open in Göttingen.
  • Die Patienten werden dort stationär aufgenommen.
  • Etwa 50 Prozent der Patienten beenden ihre Therapie erfolgreich.

Göttingen – In der Corona-Krise haben die Patienten besondere Schwierigkeiten – dazu Fragen und Antworten.

Welche Suchtkrankheiten werden in der Göttinger Klinik behandelt?
Die Klinik in der Weststadt kümmert sich überwiegend um Drogenkranke. In der Regel geht es um illegale Drogen, also Amphetamine, Kokain, Crystal Meth und Canabis – häufig in Kombination mit Alkohol. Manchmal spielt auch eine zusätzliche Spielsucht eine Rolle.
Wie lange bleiben die Patienten in der Klinik?
Die bis zu 45 Patienten, die von 26 Mitarbeitern betreut werden, sollen zuvor in einer Akut-Klinik entgiftet worden sein. In der Reha-Klinik werden die Patienten stationär aufgenommen und bleiben bis zu einem halben Jahr. Nach abgeschlossener Therapie kann eine mehrmonatige stationäre Anschlussbehandlung (Adaption) folgen, bei der es unter anderem um die Themen Arbeits- und Wohungssuche geht. Alle Patienten sind auf dem Gelände in der Weststadt in Doppel- und Einzelzimmern untergebracht.
Weshalb gibt es in der Corona-Krise besondere Probleme?
„Viele Arbeitgeber scheuen sich in der aktuellen Krise, neue Mitarbeiter einzustellen, weil sie Angst vor Corona-Übertragungen haben. Das ist gerade in der Altenpflege ein Problem“, sagt Therapeut und Psychologe Stefan Kröger. Die Gastronomie, die sonst gern eingestellt hat, hat jetzt starke Einbußen. „Es ist schwerer geworden, Leute unterzubringen“, sagt Kröger zur Situation.
Wie sieht es mit Wohnungsangeboten aus?
Für die ehemaligen Patienten war es schon immer schwierig, eine passende und bezahlbare Bleibe zu finden. Aber die Situation ist durch Corona noch schwieriger geworden. Viele vermieten nur, wenn ein fester Arbeitsvertrag vorliegt. „Glücklicherweise finden wir oft am Ende doch eine Lösung – manchmal auch außerhalb von Göttingen“, sagt Kröger.
Stefan Kröger (57) ist Psychotherapeut
Wer bezahlt den Aufenthalt?
In der Regel zahlt die Rentenversicherung, weil sie für Rehabilitationsleistungen zuständig ist. Gerade bei jungen Patienten ist das für die Rentenkasse interessant, weil viele von ihnen danach wieder in Arbeit sind und Rentenbeiträge zahlen. Vereinzelt zahlen auch die Krankenkassen.
Welche Therapien werden angeboten?
Dazu gehört Einzel-Psychotherapie, bei der die jeweilige Kranken- und Lebensgeschichte aufgearbeitet wird. Dabei werden mit den Klienten Ziele für die zukünftige Lebensführung erarbeitet. Außerdem gibt es Gruppen- und Sportangebote. Auch die Arbeitstherapie gehört zum festen Angebot. Pflicht für alle ist die Rückfallprophylaxe, damit ein erneutes Abgleiten in die Sucht verhindert wird.
Welche Patienten gibt es noch?
In die Einrichtung kommen auch einige Patienten, die zuvor im Gefängnis saßen. Das Gesetz sieht vor, dass unter Umständen eine Therapie statt einer Haftstrafe möglich ist. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit der Justizvollzugsanstalt in Rosdorf sowie dem Maßregelvollzugszentrum in Moringen eng.
Wie sieht es mit der Erfolgsquote aus?
Etwa 50 Prozent beenden erfolgreich die Therapie. Andere müssen entlassen werden, weil sie beispielsweise Drogen oder Alkohol konsumieren. Jeder wird regelmäßig auf Drogen beziehungsweise Alkohol kontrolliert. Ein Teil wird nach der Therapie rückfällig – gerade in den ersten Monaten nach dem stationären Aufenthalt. Wer es zwei Jahre geschafft hat, abstinent zu bleiben, hat nur noch eine geringe Rückfallwahrscheinlichkeit (sechs Prozent). Manche brauchen auch mehrere Anläufe, bis sie es geschafft haben. (Bernd Schlegel)

Kontakt: Therapiezentrum Open

Kontakt: Therapiezentrum Open, Integratives Therapiezentrum für Suchtrehabilitation, Robert-Bosch-Breite 1c, 37079 Göttingen, Tel. 0551/9004980. Weitere Infos gibt es hier.

Hintergrund: Der Deutsche Orden betreibt die Einrichtung

Das Göttinger Therapiezentrum Open wird vom Deutschen Orden betrieben. Er ist eine christlicher Verband, als Körperschaft öffentlichen Rechts organisiert und Teil der katholischen Kirche. Der Deutsche Orden wurde bereits im Mittelalter zum Schutz von Pilgern gegründet. In den Einrichtungen, wie dem Göttinger Therapiezentrum, wird nicht missioniert. Das Angebot steht allen offen.

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