Theater im OP Göttingen

ThOP: „Zaungastgeber“ feiert Online-Premiere - Mit Mikrowellen-Essen in die Follower-Herzen?

Screenshot eines Internet-Blogs: links steht ein Mann in der Küche, rechts sitzen zwei Zuschauer
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Dieter (links) alias „Didi McPomm“ probiert sich mit Kochvideos auf YouTube aus. Mal sehen, wie sie bei den Zuschauern ankommt. (Screenshot)

„Zaungastgeber“ thematisiert das „Leben in der digitalen Gesellschaft“. Passend dazu feierte das Stück des ThOP in Göttingen nun online Premiere.

Göttingen – „Zaungastgeber“ heißt das Siegerstück beim ThOP-Nachwuchsdramatiker*innen-Wettbewerb 2019/20. Die Autorin Sue Witchworks hat es zum Thema „Leben in der digitalen Gesellschaft“ geschrieben. S

ie erzählt von einem Neuling in der digitalen Welt, der die Risiken dort nicht einberechnet. Als Folge der Corona-Pandemie, in diesem Fall passend zum Thema, ist die Inszenierung von Barbara Korte nur online zu sehen.

Eigentlich hat Dieter (Lennart Kanitz: herrlich naiv, nicht nur, was das Internet betrifft) keine Ahnung: Im Internet ist er nur selten unterwegs. Doch er hat seine Tochter Karin (Laura Apel: oft so wunderbar schlecht gelaunt), die beim Bloggen sehr aktiv ist.

Wie verrückt dreht sie ein Video nach dem anderen, um einen Job in der Reise-Branche zu bekommen und kommandiert ihren Freund Karim (Mark Tsiolis – ein Lieber) dafür herum. „Das kann doch jeder?“ fragt Dieter seine Tochter. Hat er da den geheimen Plan schon gefasst, sich als You-Tuber einen Namen zu machen?

Naiv präsentiert er sich als Didi McPomm und kocht billiges und schlechtes Mikrowellen-Essen. Schnell findet er seinen Erkennungsspruch: In der Mikrowelle muss alles „eine Runde durchdrehen“, egal ob fantasielose Spagetti mit Wurst oder die heimischen „Mecklen-Burger“.

Wenn er etwas vermeintlich Frisches zubereitet, dann kauft er Gehacktes und nutzt getrocknete Gewürze. Maggi darf bei ihm niemals fehlen. Da hagelt es nicht nur nette Emojis. Begeisterte Follower lassen auf sich warten. Wird Dieter sich ohne Blessuren behaupten?

Theaterarbeit mit Hindernissen

Schon im Herbst 2019 begannen die Proben zum Stück, im Mai 2020 hätte die Premiere über die Bühne gehen sollen. Wegen Corona war das nicht möglich. Doch das ThOP-Team – in diesem Fall mit fast unzähligen Mitwirkenden – ließ sich nicht entmutigen und suchte unermüdlich nach neuen Wegen, um das Siegerstück auf die Bühne zu bringen.

So wurden die Szenen filmisch umgesetzt – zum Teil zu Hause mit Handykameras gefilmt. Teile des Teams trafen sich aber auch im Sommer 2020, um weitere Passagen filmisch festzuhalten. Insbesondere die Szenen mit mehreren Darstellern seien eine Herausforderung gewesen, erzählt Korte. Zum Glück (im Unglück) seien schon im Stücktext einige Szenen als Video vorgesehen gewesen.

Lange Planung sei nie möglich gewesen, so Korte von der Arbeit mit Hindernissen. So waren einige der Aktiven auf dem Sprung, ihr Zuhause sollte nicht in Göttingen bleiben. Der Schnitt (Oliver Goepfert, Georg Rakovsky, Erik Bosse, Vivian Keune) habe sehr viel Zeit in Anspruch genommen: „Es hat sich gelohnt“, zeigt sich Korte zufrieden.

Zwar sei es kein Film, aber auch nicht nur abgefilmtes Theater geworden. Davon konnte sich das Publikum jetzt überzeugen: Im Internet wurde die Premiere gefeiert.

Weitere Vorstellungen: Mittwoch, 22. und Freitag, 24. September, jeweils um 20.15 Uhr. Karten können per E-Mail an karten@theater-im-op.de bestellt werden.

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