Göttingen: „Tippen tötet“

Kampagne macht auf das Problem der Handynutzung am Steuer aufmerksam

Unterstützen das Projekt „Tippen tötet“: (Von links) die drei Studentinnen Denise Hildebrandt, Jordis Schneemann und Annika Hain.
+
Unterstützen das Projekt „Tippen tötet“: (Von links) die drei Studentinnen Denise Hildebrandt, Jordis Schneemann und Annika Hain.

Etwa 1600 Verstöße wegen Handynutzung sind 2016 in der Stadt und im Landkreis Göttingen registriert worden, ungefähr 2600 in 2019, so der Göttinger Polizeidirektor Thomas Rath.

Göttingen – „Unfallzahlen gibt es nicht, weil die Verursacher in der Regel nicht zugeben, wenn sie während der Fahrt ihr Handy genutzt haben“, sagt er: „Nur bei schweren Unfällen darf die Polizei die Handydaten auslesen.“ Manchmal lasse sich jedoch eine Handynutzung am Steuer vermuten, zum Beispiel wenn das Gerät nach dem Unfall im Fußraum des Autos gefunden werde.

Um dem vorzubeugen, hat die Landesverkehrswacht Niedersachsen mit der Kampagne „Tippen tötet“ nun auch in Göttingen halt gemacht. Nachdem die erste Runde der Aktion vor allem an Autofahrer auf Autobahnen gerichtet war, sollen jetzt auch Fahrrad- und Lastwagenfahrer sowie Fußgänger angesprochen werden.

Voran gehen in diesem Jahr die drei Studentinnen Denise Hildebrandt, Jordis Schneemann und Annika Hain. Sie haben sich jeweils einen Rucksack vor ihren Körper geschnallt. Die daran aufgespannten Banner zeigen das Motto „Tippen tötet – Bleib wachsam“. Damit stellen sie sich auf die Fußgängerüberwege viel befahrener Straßen in Göttingen, wenn die Fußgänger grün haben, um die Verkehrsteilnehmer auf die Gefahr der Handynutzung am Steuer aufmerksam zu machen.

„Beim Tippen steigt das Unfallrisiko um das 23-Fache“, sagt Hauptkommissar und Verkehrssicherheitsexperte Jörg Arnecke: „Das entspricht etwa einem Alkoholpegel von 1,1 Promille im Blut.“ Besonders bei Unfällen mit Bäumen werde häufig ein Zusammenhang mit der Handynutzung vermutet. Ähnlich sei es bei Unfällen mit Fußgängern, wenn diese die Straße bei einer Ampel überqueren.

Für den Start der Aktion in Göttingen hat sich Peter Hüttenmeister von der Verkehrswacht in Göttingen für die Kreuzung „Weender Tor“ (B27), Weender Landstraße, Nikolausberger Weg, Weender Straße und Berliner Straße entschieden. „Bei einer anderen Aktion habe ich hier viele Handy-Verstöße gesehen“, sagt er. „Die Kreuzung ist ein Paradebeispiel, weil der motorisierte Verkehr, der Fahrradverkehr und die Fußgänger zusammen kommen“, sagt Rath: „Zudem glauben viele Verkehrsteilnehmer hier, die Straßenverkehrordnung gilt für alle – nur nicht für mich.“

Göttingen ist die sechste Station der Sieben-Städte-Tour der Kampagne. Vorher zog sie bereits durch Hannover (wir berichteten), Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück und Braunschweig. Wolfsburg folgt noch. (Fabian Becker)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.