Prozess am Landgericht

Tod von Radfahrerin: Zeugen wunderten sich über Verhalten der Angeklagten

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Dort wird gegen die 47-Jährige verhandelt.
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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Dort wird gegen die 47-Jährige verhandelt. (Symbolbild)

Im Prozess um den Tod einer Radfahrerin aus Bad Lauterberg haben mehrere Zeugen geschildert, dass die angeklagte Autofahrerin sehr ungewöhnlich auf den Unfall reagiert hatte.

Göttingen/Bad Lauterberg – Die 47-Jährige habe „irgendwie teilnahmslos“ gewirkt, sagte ein Rettungssanitäter. „Sie wirkte nicht traurig“, meinte auch ein Nachbar. Sie habe sogar ein Grinsen im Gesicht gehabt und mit den Fingern das V-Zeichen gezeigt, als sie hinterher zu ihrer Wohnung ging.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 47-Jährigen vor, im Januar 2018 in Bad Lauterberg beim Einparken „sehenden Auges“ eine 58-jährige Nachbarin mit dem Auto erfasst und danach mehrfach überrollt zu haben. Die 58-Jährige wurde so schwer verletzt, dass sie noch am Unfallort reanimiert und dann mit dem Rettungshubschrauber ins Göttinger Uni-Klinikum gebracht werden musste. Infolge ihrer Verletzungen war sie dauerhaft schwerstbehindert.

Sie kam in ein Pflegeheim, wo sie zwei Jahre später verstarb. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat die Pkw-Fahrerin den Tod ihrer Nachbarin billigend in Kauf genommen. Sie hat die 47-Jährige deshalb wegen Totschlags angeklagt.

Ein heute 26 Jahre alter Nachbar wollte damals gerade zum Einkaufen, als er sah, dass eine Frau mit einem Fahrrad unter dem Auto der Nachbarin lag. Nur die Beine und eine Hand hätten herausgeragt, berichtete er. Die Frau unter dem Auto habe erst noch versucht, etwas zu sagen, und dann nur noch gewimmert.

Währenddessen habe die Angeklagte mit durchdrehenden Reifen wiederholt Gas gegeben. Er habe dann an die Scheibe geklopft, um ihr klarzumachen, dass unter ihrem Wagen eine Frau liegt. Diese habe darauf jedoch gar nicht reagiert. Er habe dann versucht, die Beifahrertür zu öffnen, um das Auto zum Stillstand zu bringen. Diese sei aber verschlossen gewesen.

Zwischenzeitlich hatten die Nachbarn den Rettungsdienst alarmiert, der wenige Minuten vor Ort später eintraf.

Bei seiner Ankunft habe die Angeklagte noch im Auto gesessen, berichtete der Unfallsanitäter. Die Angeklagte erklärte, dass sie nach dem Unfall stundenlang in der Kälte gesessen und es Stunden gedauert habe, bis sie notärztlich behandelt worden sei. Sie habe damals „total unter Schock“ gestanden. Dem Notarzt zufolge war der Einsatz des Rettungsdienstes indes nach rund einer Dreiviertelstunde beendet. „Sie haben nicht stundenlang an der Straße gesessen“, sagte er zu der Angeklagten. Der Prozess wird in der nächsten Woche fortgesetzt. (Heidi Niemann)

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