Tödliche Schüsse: 63-Jähriger soll für vier Jahre und drei Monate in Haft

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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier soll am Freitag das Urteil verkündet werden.

Göttingen/Schwiegershausen. Ein 63-jähriger Sportschütze aus Schwiegershausen, der im November seinen 57-jährigen Nachbarn erschossen haben soll, soll für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Das hat am Mittwoch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Göttingen gefordert. Der 63-Jährige aus dem Kreis Osterode muss sich dort seit Ende April wegen Totschlags verantworten. Diesen Tatvorwurf ließ die Staatsanwältin zum Prozessende fallen.

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Die Beweisaufnahme habe keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass der Angeklagte seinen Nachbarn habe töten wollen, sagte die Staatsanwältin. Es sei auch keinerlei Tötungsmotiv erkennbar. Daher sei er nur wegen fahrlässiger Tötung zu verurteilen. Die Verteidigung forderte eine deutlich niedrigere Freiheitsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Die Staatsanwältin warf dem 63-jährigen vor, durch leichtfertiges und grob fahrlässiges Handeln den Tod seines Freundes verursacht zu haben. Als dieser abends zu Besuch kam, habe der Angeklagte seine Pistole offen auf dem Schreibtisch liegen gehabt. Im späteren Verlauf des Abends sei es dann zum Streit gekommen, weil der inzwischen stark angetrunkene Nachbar trotz Aufforderung die Wohnung nicht habe verlassen wollen.

Um den Streit nicht eskalieren zu lassen, habe die Lebensgefährtin des Angeklagten die Terrassentür geöffnet und versucht, den Nachbarn hinauszuschieben. Der 63-Jährige, der aufgrund eines Schlaganfalls erheblich beeinträchtigt war, habe dann trotz seiner Gleichgewichtsprobleme in fataler maßloser Selbstüberschätzung die Pistole ergriffen.

Der Angeklagte war nach eigenen Angaben ins Straucheln geraten und hatte versucht, sich an seinem Nachbarn festzuhalten. Dabei löste sich ein weiterer Schuss, der den Nachbarn im Oberarm und im Brustbereich traf. Der 57-Jährige schleppte sich noch auf die Terrasse, wo er wenig später verstarb.

Nebenklage

Die Anwälte der Ehefrau sowie der Tochter des Opfers, die ebenso wie der Sohn und eine Schwester als Nebenkläger auftreten, forderten eine Verurteilung wegen vorsätzlichen Totschlags. Der Rechtsbeistand des Sohnes schloss sich der Sichtweise der Staatsanwaltschaft an. Eine vorsätzliche Tötung sei nicht erwiesen. Der vierte Nebenklagevertreter war am Mittwoch verhindert und wird daher am Freitag plädieren. Danach wird das Urteil erwartet. (pid)

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