41-Jährige wegen Raubes mit Todesfolge vor Gericht

Tödlicher Überfall in Göttingen: Prozess startet nach vier Jahren

Gerichtsgebäude in Göttingen im Sommer: Landgericht und Amtsgericht am Maschmühlenweg.
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Gerichtsgebäude in Göttingen im Sommer: Landgericht und Amtsgericht am Maschmühlenweg.

Vor knapp vier Jahren wurde ein Senior in Göttingen überfallen. Er starb später. Erst jetzt kommt der Fall vor Gericht. Angeklagt ist ein 41-Jähriger.

Göttingen – Knapp vier Jahre nach einem brutalen Raubüberfall mit tödlichen Folgen kommt der Fall jetzt vor Gericht. Ein 41-jähriger rumänischer Staatsangehöriger muss sich ab Ende August wegen Raubes mit Todesfolge vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Der Angeklagte soll mit einem bislang unbekannten Mittäter im September 2018 einen 87-jährigen Rentner in dessen Wohnung in Göttingen überfallen und ausgeraubt haben.

Der Rentner wurde dabei so schwer verletzt, dass er zehn Tage später in einem Krankenhaus an den Folgen verstarb.

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Anklage im Dezember 2019, also bereits vor mehr als zweieinhalb Jahren, erhoben. Demnach soll der 41-Jährige am Tattag gegen 13 Uhr mit einem Komplizen an der Wohnungstür des 87-Jährigen im ersten Obergeschoss eines Mehrparteienhauses im Narzissenweg geklingelt haben. Er habe sich dann als Verkäufer eines Straßenmagazins ausgegeben, worauf ihm der Rentner Zutritt zur Wohnung gewährt habe. Dort soll der Angeklagte dem 87-Jährigen eine Decke über den Kopf gestülpt und ihn auf das Sofa geschubst haben. Der Mittäter habe das Opfer mit einer Schnur an den Handgelenken gefesselt und die Schnur um das Tischbein geknotet.

Der 87-Jährige sei dann noch mit einer Paketschnur um die Fußgelenke gefesselt und unter dem Couchtisch zum Liegen gebracht worden. Der Mittäter habe die Schränke und sonstigen Behältnisse in der Wohnung nach Wertsachen durchsucht. Die beiden Männer hätten unter anderem eine Geldbörse mit der ec-Karte des Opfers sowie zahlreiche Goldmünzen und Uhren an sich genommen und dann die Wohnung verlassen.

Der Rentner erlitt bei dem Überfall unter anderem eine Fraktur des linken Armes sowie zahlreiche Hämatome. Er wurde nach der Tat in ein Göttinger Krankenhaus gebracht. Dort stellte sich heraus, dass der Oberarmbruch operiert werden musste. Im Verlauf der Behandlung kam es unter anderem zu einem Lungenödem, einer Herzrhythmusstörung und einer Lungenentzündung. Anderthalb Wochen nach dem Überfall verstarb der 87-Jährige. Eine rechtsmedizinische Untersuchung habe ergeben, dass es einen kausalen Zusammenhang zu dem Tatgeschehen gebe, teilte die Polizei damals mit.

Die Polizei hatte nach dem tödlichen Überfall eine zehnköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet und zahlreiche Nachbarn und Anwohner befragt.

Um Hinweise auf die Täter zu bekommen, hatten die Beamten auch Flyer verteilt und Plakate mit dem Bild des verstorbenen Rentners aufgehängt. Trotz der intensiven Ermittlungen tappten die Fahnder lange Zeit im Dunkeln, bis sich schließlich ein Tatverdacht gegen den 41-jährigen Rumänen erhärtete.

Dieser hatte sich vor drei Jahren schon einmal gemeinsam mit drei aus Rumänien und dem Kosovo stammenden Mitangeklagten wegen zahlreicher Wohnungseinbrüche und Fahrraddiebstähle vor dem Landgericht Göttingen verantworten müssen. Das Verfahren gegen ihn wurde allerdings später abgetrennt.

Inzwischen ist es nach Angaben eines Justizsprechers eingestellt worden, weil der tödliche Raubüberfall auf den Rentner deutlich schwere ins Gewicht falle als die sonstigen Einbruchs- und Diebstahlsdelikte.

Einer seiner damaligen Mitangeklagten hatte in dem vorherigen Prozess eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren erhalten. Diese wurde später auf eine Gesamtstrafe von neun Jahren erhöht, weil dieser auch noch mehrmals eine Tochter seiner Lebensgefährtin vergewaltigt haben soll. Die anderen beiden mutmaßlichen Mitglieder des Einbrecherquartetts wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. (Heidi Niemann)

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