Göttinger Band als Team

„Tom Schreibers Blume“ als Beispiel für gelungene Musikförderung

+
Tom Schreibers Blume vor dem Göttinger „Exil“: von links Marian Schreiber, Jannes Schreiber (oben links), Henrik Tom Dieck (oben rechts), Jonathan „Jonny“ Blümcke.

Göttingen. Die Geschichte der jungen Band Tom Schreibers Blume zeigt, wie wichtig eine öffentliche Musikförderung ist – und was daraus entstehen kann.

Sie sitzten beim Bier zusammen und diskutieren über das Cover-Foto und das Booklet, wie es aussehen könnte und sollte. Die Fotos hat Bassist Henrik Tom Dieck gemacht, in einer Göttinger Kneipe. Es sind kunstvolle Fotos. „Er kann das einfach“, sagt Marian Schreiber, der wiederum bald richtig was zu tun bekommen wird. Er kümmert sich nämlich um die Buchungen und die PR-Arbeit.

Die musikalischen Kreativlinge Schlagzeuger Jonathan „Jonny“ Blümcke und Jannes Schreiber beschäftigen sich weniger mit diesem Organisationskram, den eine Band ohne Management so braucht. Jannes hat eigentlich immer zu tun: Die Texte für die Musikstücke sind Produkt seiner Gedanken. Die Band ist ein Produkt der Teamarbeit.

Dass Tom Schreibers Blume am Samstag im Göttinger Klub „Exil“ (Beginn:20 Uhr) als Vorgruppe von „Kyles Tolone“ und mit „Georgia Inn“ ihre Erstlings-CD vorstellen, haben die vier sympathischen Musiker nicht nur sich selbst zu verdanken. Denn, sie sind auch ein Beispiel, wie öffentlich finanzierte Kulturförderung jungen Musikern helfen kann. „Ohne die Musa und ohne Michael Schluff wären wir nicht so weit“, sagt Marian Schreiber. „Michi“, hat so viel für uns getan. Der in der Musa und im Rockbüro engagierte Schluff, der leider in diesem Jahr viel zu früh verstorben ist, hatte der Band Auftritte und die Nutzung von Übungsräumen ermöglicht.

Finale Local-Heroes

„Tom Schreibers Blume“ haben aber noch ein weiteres Instrument der Musikförderung genutzt: den Landeswettbewerb Local Heroes. Die Göttinger Jungs spielten sich bis ins Finale, wo sie 2017 in Hannover mit großer Fan-Unterstützung auf Platz zwei landeten. Heraus sprangen als Gewinn auch Tonstudio-Zeiten. Eine Buchung hätten sie sich dort nie leisten können. Denn viel Geld verdienen die Vier mit der Musik nicht. Und wenn, dann geht es für Equipment und Instrumente wieder drauf.

Henrik, Jonny, Jannes und Marian aber sind mittlerweile regionale Größen, spielten in den bekannten Göttinger Klubs Nörgelbuff und Exil, auf großen Veranstaltungen wie der „Nacht der Kultur“ und sogar beim KWP-Open-Air. Das brachte und bringt die Musiker weiter. „Der KWP-Gig war schon toll“, schwärmt Jannes Schreiber, der auch erzählt, dass es generell an Auftrittsmöglichkeiten für Bands mangelt. Auf der Bühne entwickle man sich, erzählen die Vier. „Und auf die Bühne will man als Musiker.“

Deshalb wollen sie auch über die Region hinaus bekanntwerden. Marian plant für 2019 eine Tournee durch Deutschland. Viel Arbeit, neben Studium, Übungsraum und anderen Verpflichtungen. Ein Traum wäre es, wie er sagt, mal beim Open-Flair-Festival in Eschwege, dem Mega- Musikereignis der Region Südniedersachsen/Nordhessen aufzutreten.

Bei der Vermarktung hilft nun das erste Album. Vielleicht öffnet es die Türen zu Veranstaltern und Bühnen und kann so den Weg zum Vollprofitum ebnen. Davon, mit und von der Musik leben zu können, sind sie noch weit entfernt, wie Jonny sagt.

Zu hören ist die „Tom Schreibers Blume“ am Samstagabend im „Exil“, mit einer Band, die sich ebenfalls stetig entwickelt und ihre Album-Tournee beendet: Kyles Tolone, auch aus Göttingen.

CD: „Such Dir doch nen Titel aus“

Der Titel des ersten Albums von „Tom Schreibers Blume“ ist schon mal außergewöhnlich: „Such Dir Doch nen Titel aus“. Einfallsreich. Und so heißt auch ein schöner Song des Albums. Einer, der auch live prima rüberkommt. Die Texte stammen fast ausschließlich aus der Feder von Jannes Schreiber. Und der wiederum verarbeitet fast nur Erlebtes plus eigene Gedanken. Sprachlich einfach, eindringlich sind die Texte. „Und ich halt´mich an einem Bücherregal fest, damit, auch wenn ich fall´, ich wenigstens voller Geschichten bin“, heißt es in „Bücherregal“. 

Das intensivste Stück aber ist „Tagessatz“. Es erzählt von einer Frau, die den „Tagessatz“, die Obdachlosenzeitung verkauft. „Wenn man alles verloren hat, gibt es nicht nur noch was zu gewinnen.“ Stark. Wie auch der Schlusssatz: „Sie war mein Tagessatz.“ Es lohnt sich also, genau hinzuhören. Live übrigens reißen die Jungs mit, verbreiten pure Spielfreude. Die bleibt natürlich auf der übrigens beachtlich produzierten Platte ein wenig zurück. Dafür hat der Hörer dabei mehr Ruhe und Sinn fürs Nachdenken, als vor der Bühne.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.