Tour der Leiden für die Retter

Göttinger hat Chancen auf Titel bei Wettbewerb um härtesten Feuerwehrmann der Welt

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Harter Wettkampf: Alexander Meyer (27) von der Berufsfeuerwehr Göttingen bei einer der Übungen bei einem internationalen Wettkampf.

Hannover/Göttingen. Der wichtigste Härtetest der Rettungsbranche ist eine einzige schweißtreibende Quälerei. Das weiß auch der Göttinger Michael Weiß.

Der 27-Jährige ist einer von gut 500 Brandbekämpfern aus aller Welt, die diese Woche unter sich den Härtesten der Harten ermitteln. Nach monatelangem Training plagen sie sich gerade auf der Interschutz-Messe in Hannover mit schweren Gewichten ab, sprinten Treppen hoch, kriechen, rennen, hämmern - und das alles in schwerer Brandschutzbekleidung. Es ist eine Art Ironman-Wettkampf für die Feuerwehr; dem Sieger winkt am Wochenende der Titel des „Toughest Firefighter Alive“ (TFA), des härtesten Feuerwehrmannes der Welt.

Weiß legt sich beim Staffelwettbewerb ordentlich ins Zeug. Mit zwei schweren Feuerwehrschläuchen unter Arm sprintet er los. Die ersten Meter geht es schnell. Doch dann fordert das Gewicht der Schläuche, die er hinter sich her schleppt, Tribut. Erkennbar ringt Weiß unter der schweren Feuerwehrmontur nach Luft. „Weiter, weiter, weiter“, feuern die Zuschauer an. Auf der Messe herrscht babylonische Sprachenvielfalt, dennoch sprechen die Besucher irgendwie die gleiche Sprache. Es ist eine Art Familientreffen der Retter, die mit Leib und Seele dabei sind. Unter ihnen sind neben Skandinaviern, Osteuropäern, Indern und Arabern auch Südafrikaner.

Bei der aus den USA stammenden Kombination aus Leistungswettkampf, Sportveranstaltung und Showprogramm geht es um Kraft, Koordination und Kondition; etwa beim Bergen und Abtransportieren einer 80 Kilogramm schweren Menschen-Attrappe. Oder dem Schleppen schwerer Kanister ins zweite Obergeschoss eines Gebäudes. Angefeuert von Hunderten Besuchern der Fachmesse für Brand- und Katastrophenschutz müssen die Teilnehmer bei dem Hindernisparcours über Steilwände klettern, mit Gewichten durch enge Tunnel kriechen und den 65 Meter hohen Hermesturm in voller Schutzmontur hinaufstürmen.

Übungen aus dem Alltag 

„Es sind Übungen, wie sie auch bei uns im Feuerwehr-Alltag oft genug vorkommen“, sagt Joachim Posanz von der Berufsfeuerwehr Göttingen. Er war der erste Deutsche, der den Titel gewann. „Das war 2010 in Südkorea“, sagt der drahtige Champion, der seinen Titel danach auch in Sydney verteidigen konnte.

Auch an diesem Samstag könnte der Titel der Berufsfeuerwehr Göttingen erhalten bleiben. Denn bis zum Start der Tagesetappe gestern Mittag lag sein Freund Alexander Meyer einsam an der Spitze. Doch der ist noch etwas skeptisch: Immerhin ist da noch der amtierende Europameister Lukas Novak von der Berufsfeuerwehr Prag, und der gilt als heißer Titelanwärter. (dpa)

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