Berufsbildungszentrum Göttingen

Training für die Maurer-Meisterprüfung: 200 Steine in 300 Minuten setzen

Sie bereiten sich auf den Prüfungstag vor: Die künftigen Meister des Maurerhandwerks müssen eine Wand mit Verzierungen errichten. Zu den Prüflingen gehört Hendrik Traupe aus Höckelheim. Die Gruppe wird von Marcus Hüls (rechts) betreut. Foto: Schlegel

Göttingen/Höckelheim. Elf Maurer aus Südniedersachsen machen sich derzeit für die Meisterprüfung in Göttingen fit. Dazu absolvieren sie eine Trainingswoche im Berufsbildungszentrum Bauberufe in der Uni-Stadt.

Auf dem Sprung zum Meistertitel ist auch Hendrik Traupe aus Höckelheim. Der 20-Jährige bestand vor anderthalb Jahren seine Gesellenprüfung und absolviert jetzt schon die Meisterprüfung. „Ich bin gerade im Lernen drin, und da bot sich der Lehrgang an“, sagt der junge Handwerker. Nach erfolgreicher Prüfung will er zunächst in einem anderen Betrieb als Meister arbeiten und sich später selbstständig machen.

„Die schwierigste Teilprüfung für die künftigen Meister ist die Situationsaufgabe“, sagt Marcus Hüls, Lehrwerkmeister im Berufsbildungszentrum Göttingen der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Zentraler Bestandteil ist das Mauern einer Wand mit Verzierungen. Dabei entsteht ein spezieller Mauerverband mit Zierschichten. Wie die Verzierungen genau aussehen müssen, das erfahren die Prüflinge erst kurz vorher.

300 Minuten Zeit hat jeder Prüfling, um die etwa 200 Mauersteine zu verarbeiten. Dabei darf neben den Steinen nur der selbst angerührte Mörtel eingesetzt werden. „Die Zeit ist knapp bemessen“, sagt Hüls. Deshalb ist das vorherige Training für den großen Tag so wichtig.

„Man muss bei der Aufgabe wirklich Gas geben, um es zu schaffen“, bestätigt Hendruck Traupe. „Ohne Übung ist man wirklich chancenlos.“ Deshalb ist die Ausbildungswoche in Göttingen für ihn absolut sinnvoll.

Neben der Schnelligkeit wird auch das exakte Arbeiten überprüft. Deshalb sind ständig Zollstock und Wasserwaage im Einsatz. Hilfsmittel gibt es nur wenige: Bei den Maurern ist auch weiterhin echte Handarbeit gefragt.

Die übrigen Teile der Prüfung erfolgen im Frühsommer.

Nach Angaben von Ausbilder Marcus Hüls ist die Meisterprüfung „keine Sache von gestern“: Um einen Baubetrieb führen zu dürfen, muss nach wie vor die Meisterprüfung nachgewiesen werden. Außerdem dürfen Meister Lehrlinge ausbilden.

Meisterprüfung wie Uni-Bachelor-Abschluss

Was ist viele nicht wissen: Die abgeschlossene Meisterprüfung entspricht von der Qualifikation her einem Bachelor-Abschluss an einer Hochschule. Die meisten angehenden Führungskräfte für die Baubranche finanzieren die Meisterschule über das sogenannte „Meister-BaFöG“, das als Darlehen gewährt wird. Neben Lehrwerk-Meister Marcus Hüls sind an die Ausbildung des Führungsnachwuchses für die Baubranche auch externe Spezialisten beteiligt. So übernehmen selbstständige Architekten, Baustatitiker, Ingenieure sowie weiterer Maurermeister einzelne Lehrgangsabschnitte. „Damit bekommen die Meisterschüler eine solide Grundlage für ihre spätere Arbeit“, sagt Hüls. In der Regel dauert die Meisterschule mit allen Modulen etwa neun Monate. Darin enthalten sind auch betriebswirtschaftliche Grundlagen sowie die Ausbilder-Eignungsprüfung. Der nächste Ausbildungskurs startet im November. (bsc)

Kontakt und Informationen: Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen, Susanne Raupach, Kruppstraße 18, 31135 Hildesheim, Tel. 0 51 21/162-216.

www.hwk-hildesheim.de

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