Mediziner klagte gegen Versetzung innerhalb der Uni-Klinik

Skandal um Transplantationen: Chirurg hat kein Recht auf Rückkehr

Uni-Klinikum Göttingen: Nach dem Transplantationsskandal wurde die Abteilung umgekrempelt. Foto: dpa

Göttingen. Ein Oberarzt des Göttinger Universitätsklinikums, der nach der Aufdeckung des Transplantationsskandals in eine andere Abteilung versetzt worden war, kann nicht auf seinen früheren Arbeitsplatz zurückkehren.

Das Arbeitsgericht Göttingen hat am Mittwoch entschieden, dass er keinen Anspruch auf eine Rückkehr hat. Das Gericht wies seine Klage auf Weiterbeschäftigung in der Transplantationschirurgie ab.

Der 56-jährige Mediziner war seit 1996 als leitender Oberarzt in der Transplantationschirurgie tätig, zuletzt war er stellvertretender Leiter des Lebertransplantationsprogramms. Sein damaliger Chef muss sich seit Sommer vergangenen Jahres vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte nach Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten in der Göttinger Transplantationschirurgie auch gegen den Oberarzt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, das zurzeit ruht.

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) nahm den Transplantationsskandal zum Anlass, den gesamten Bereich umzustrukturieren. Im Juli 2012 entzog sie dem Oberarzt sämtliche Aufgaben in der Abteilung und setzte ihn in die Allgemeinchirurgie um. Der Mediziner aber wollte die Versetzung nicht hinnehmen und zog vor das Arbeitsgericht.

Bei einem ersten Gütetermin einigten sich die Parteien auf einen Vergleich, den der Oberarzt jedoch widerrief. Das Arbeitsgericht musste daraufhin eine weitere Verhandlung ansetzen, die nun zum Nachteil des Mediziners ausging.

Ziel berufliche Rehabilitation

Dessen Rechtsanwalt begründete den Widerruf damit, dass der Vergleich dem eigentlichen Anliegen seines Mandanten nicht Rechnung trage. Diesem gehe es vorrangig um volle berufliche Rehabilitation.

Es gebe keine Belege dafür, dass der Oberarzt in die Manipulationen verstrickt gewesen sei. Deshalb sei es eine unzulässige Diskriminierung, dass sein Mandant nicht mehr auf seinem Spezialgebiet der Leber- und Nierentransplantation tätig sein dürfe. Zudem sei sein Ruf in erheblicher Weise geschädigt worden. Die UMG müsse daher eine Ehrerklärung für ihn abgeben.

Die Rechtsvertreterin der UMG lehnte dies kategorisch ab. Durch den Transplantationsskandal sei der Ruf der Universitätsmedizin erheblich geschädigt worden. Um den Ruf wieder verbessern zu können, habe man entschieden, dass keiner der verantwortlichen Ärzte mehr in dem Bereich tätig sein sollte.

Nach Ansicht des Arbeitsgerichts war die Umsetzung vom Direktionsrecht des Arbeitgebers gedeckt. Der Arbeitsvertrag des Oberarztes sehe keine Festlegung auf eine bestimmte Tätigkeit vor. Auch wenn der Chirurg selbst keine Vertragspflichtverletzung begangen habe, sei er aufgrund seiner verantwortlichen Stellung für die Vorkommnisse verantwortlich. (pid)

Von Heidi Niemann

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