Land Niedersachsen geht in Berufung 

Transplantationsskandal in Göttingen: Millionen-Entschädigung für ehemaligen Arzt am Uni-Klinikum 

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Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Hier arbeitete der Transplantationschirurg bis zur Anklage.

Der Rechtsstreit um die Höhe der Haftentschädigung für einen im Göttinger Transplantationsskandal angeklagten und freigesprochenen Chirurgen geht weiter.

Die Generalstaatsanwaltschaft Braunschweig hat als Prozessvertreterin des Landes Niedersachsen gegen ein Urteil des Landgerichts Braunschweig Berufung eingelegt – demnach wäre dem Ex-Oberarzt für die erlittene Untersuchungshaft eine Entschädigung von 1,1 Millionen Euro zu zahlen.

Die Generalstaatsanwaltschaft wolle insbesondere die von der Zivilkammer vorgenommene Beweiswürdigung durch das Oberlandesgericht Braunschweig überprüfen lassen, sagte eine Sprecherin.

Verdacht der Manipulation von Patientadaten im Jahr 2011

Der heute 52 Jahre alte Arzt arbeitete als Transplantationschirurg am Uni-Klinikum. Ende 2011 wurde das Arbeitsverhältnis aufgehoben, wegen des Verdachts der Manipulation von Patientendaten, die Einfluss auf die Organspendevergabe hatten.

Er musste sich dann vor dem Landgericht Göttingen wegen versuchten Totschlages in elf Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen verantworten – und wurde freigesprochen. Die Manipulation medizinischer Daten sei moralisch verwerflich, zum damaligen Zeitpunkt aber nicht strafbar gewesen.

Land zahlte 8500 Euro

Nachdem der Bundesgerichtshof den Freispruch bestätigt hatte und das Urteil rechtskräftig geworden war, zahlte das Land dem Arzt für die erlittene Untersuchungshaft eine Entschädigung von 8500 Euro.

Der Chirurg verlangte eine deutlich höhere Entschädigung, weil er aufgrund der Inhaftierung eine ihm zugesagte Stelle als Chefarzt in Jordanien mit einem Monatsgehalt von 50.000 US-Dollar nicht habe antreten können. 

Eine schriftliche Vereinbarung darüber legte der Mediziner nicht vor. Das Landgericht Braunschweig gab seiner Klage weitgehend statt. Der Kammer reichte es aus, dass ein leitender Arzt der jordanischen Klinik die Angaben des Klägers bestätigt hatte.

Der ärztliche Leiter der Klinik in Jordanien hatte ausgesagt, dass der Vertrag nach dem Arbeitsantritt des Chirurgen habe fixiert werden sollen. Vertragliche Details kenne er nicht, dafür seien der Klinikleiter und der Geschäftsführer zuständig gewesen. 

Die Klinik habe damals ein Transplantationszentrum aufbauen wollen, das der Chirurg leiten sollte. Nach Angaben des leitenden Arztes wurde dieses Transplantationszentrum aber nie realisiert. Der frühere Göttinger Oberarzt sei mittlerweile seit rund zwei Jahren an der jordanischen Klinik tätig – nicht als Chef-, sondern als Beleg-Arzt.

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