Mark Zurmühle erfüllt sich einen Wunsch – Samstag ist Premiere von Faust

Traum vom Theater in Lokhalle: Premiere am Samstag

Ehrfürchtiger Blick nach oben: Mark Zurmühle (links), scheidender Intendant erfüllt sich in seiner letzten Saison am Deutschen Theater noch einen Traum: Er inszeniert ein Stück in der Lokhalle. Dramaturg Lutz Kessler ist nicht minder beeindruckt. Foto: Kopietz
+
Ehrfürchtiger Blick nach oben: Mark Zurmühle (links), scheidender Intendant erfüllt sich in seiner letzten Saison am Deutschen Theater noch einen Traum: Er inszeniert ein Stück in der Lokhalle. Dramaturg Lutz Kessler ist nicht minder beeindruckt.

Göttingen. Viel Aufhebens macht Mark Zurmühle nicht darum, dass er nun in seine letzte Spielzeit als Intendant am Deutschen Theater startet. Einen Traum aber hat er sich nun doch erfüllt.

Zurmühle macht Theater in der Göttinger Lokhalle, wo er es schon immer einmal tun wollte. Und so ganz kühl geht er an dieses Abenteuer, Goethes Faust 1 und 2 zu spielen, denn auch nicht heran.

„Ja, es ist ein Traum hier in der Lokhalle Theater zu machen, ich wollte das schon vor 20 Jahren tun, als die Halle fast noch überwuchert war.“ Zurmühle steht nach der Probe in der riesigen Halle, blickt nach oben zu den monströsen Seilwinden, die von den rostigen Stahlträgern hängen. „Wir wollten sie benutzen, dürfen sie aber leider nicht bewegen“, schmunzelt Zurmühle.

Wiederentdeckung

Glücklich ist er trotzdem. Und das, obwohl Faust auf dem Programm steht. Denn eigentlich ist Zurmühle alles andere als Faust-Freund. Er mochte das Stück nicht, habe es aber wieder entdeckt.

„Es gibt immer wieder neue Deutungs- und Interpretationsmöglichkeiten, wir verstehen manche Dinge erst bei der Probe, verändern, lassen Ideen, Empfindungen einfließen“, schildert Dramaturg Lutz Keßler. Spannend sei das. Aber auch stressig, denn es ist wenig Zeit. Die Halle steht erst seit einigen Tagen zu Verfügung, und die Probearbeit hier ist etwas ganz anderes als auf der Probebühne.

Nicht alles ist zunächst inspirierend, spannend, manches auch nur problematisch, wie Musiker Albrecht Ziepert schildert: „Die Akustik bereitet uns Kopfzerbrechen.“ Sie ist in den drei Hallen, wo gespielt wird, total unterschiedlich. „Wir hängen die Lautsprecher täglich um, aber es wird.“

Aktueller denn je

Mark Zurmühle hört gelassen zu: „Wenn wir täglich ein bisschen vorankommen, ist das gut.“ Samstag ist es eh zu spät, dann wird gespielt, so oder so, mit kleinen Makeln oder nicht. Die Aufführung jedenfalls wird eine außergewöhnliche Faust-Version in einer Umgebung, die einfach passt, wie Mark Zurmühle sagt. Eine Industriedenkmal, wo früher sogar entseelte, genebelte Zwangsarbeiter schuften müssen. Menschen, wie sie Goethe in Faust 2 beschreibt. Zeit und Möglichkeiten zum Nachdenken haben sie nicht mehr: Ein Phänomen, das heute weit mehr als die aus der Arbeiterklasse der frühen Industrialisierung teilen. „Der Faust ist aktueller denn je“, sagt Lutz Keßler.

Mark Zurmühle weiß das. Wieder schaut er nach oben zu den Flaschenzügen. Mit dem Faust wird er einen lange nachhallenden Paukenschlag setzen – in der Lokhalle, die einen Traum verwirklichen hilft. Und so wird er beim Abbau, wenn alles vorbei ist, wohl doch einen melancholischen Moment genießen.

Premiere: Samstag, 28. September, 19 Uhr, Lokhalle Göttingen.

Weitere Aufführungen: 1, 4., 7., 8., 10., 11., 14., 16., 17., 18. und 20. Oktober, jeweils 19 Uhr, Lokhalle.

Karten: Tel. 0551/496911.

www.dt-goettingen.de

Von Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.