Trauer und Trost zu Weihnachten

Das traurige Weihnachtsfest: Wenn nahe Menschen plötzlich und für immer gegangen sind

Das Schlimmste: Eine Familie hat ein Kind verlorgen. Der Grabstein und Spielzeug künden von der Trauer, die zum Weihnachtsfest für viele kaum zu ertragen ist. Reden hilft auch dann. Foto: dpa

Göttingen. Ein lieber Mensch – vielleicht das eigene Kind ist gestorben. Das  Weihnachtsfest bringt für die Hinterbliebenen emotionalen und psychischen Stress mit sich.

Aber: Weihnachten kann auch Trost nach Momenten der Tragik spenden.

Niemand sehen und hören – wenn ein nahestehender Mensch gegangen ist, wollen manche an Weihnachten, dem Fest, zu dem immer alle in der Familie zusammen waren, allein sein – mit sich und mit der Trauer.

Das ist ein durchaus normales Verhalten und Empfinden, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. Der Theologe sagt auch, dass es gerade an Weihnachten wichtig ist, „sich der eigenen Tauer und den Tränen zu stellen, sie nicht wegzudrücken“, weil man die scheinbare Weihnachtsidylle nicht zerstören will.

Trauer darf und muss sein. Und dabei geht jeder seinen Weg. Ablenkung im Gespräch oder Rückzug, Alleinsein mit einer Kerze und einem Foto – beides ist möglich uns sinnvoll und heilsam.

Oliver Wirthmann rät dazu, Anghörige und Eltern zwar herzlich zur Feier des Heiligen Abends einzuladen. Aber Familienmitglieder sollten die Witwer, Witwen und Trauernden Eltern nicht dazu drängen – oder gar zu einer Feier im großen Familienkreis nötigen.

Psychologen wissen, dass Reden über Tod und Sterben hilfreich ist – auch als Prävention dafür, dass der Fall eintritt. Aber eben das tun viele Deutsche nicht. Das Thema Tod bleibt auch in der Familie tabu, vorausgesetzt es passiert nichts. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dimap im Oktober 2016 sprechen die Befragten auch im engsten Familienkreis nur selten über das Thema Tod. So meinen 35 Prozent, dafür hätte es bisher keinen Anlass gegeben.

Aber: Der Anblick von Kranken und einem Krankenhaus weckt in vielen Menschen die Erinnerung an die eigene Sterblichkeit, was 44 Prozent der Befragten bestätigen.

„Wichtig ist es beim Thema Tod, nicht in eine Schweigespirale zu kommen, sondern im Kreis der Familie, mit dem Partner und vielleicht auch mit einem Bestatter als kompetentem Ansprechpartnern im Gespräch zu bleiben“, sagt Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Bestatter. Denn mittlerweile sprechen laut Umfrageergebnis mehr Menschen mit dem Bestatter über den Tod als mit einem Pfarrer oder Pastor.

Auch ein Besuch auf dem Friedhof kann in den weihnachtlichen Tagen ein wertvoller Impuls sein, der Erinnerungen an frühere gefeierte Weihnachten weckt und in Dankbarkeit auch auf das Lebenswerk der eigenen Verstorbenen blicken lässt.

Viele Menschen empfinden Trauer übrigens als eine Erfahrung dunkler Nacht, die gerade in den kurzen Tagen mit wenig Sonnenlicht besonders spürbar wird. So hilft vielleicht auch der Gedanke, dass der Stern der Weihnacht gerade in dunkler Nacht erstrahlt und Trauernden auch in diesem Jahr Trost und Halt geben kann.

Die Kernbotschaft des Weihnachtsfestes vermittelt auch, dass die Geburt des Neuen, wie auch die einer liebevollen Erinnerung an einen Verstorbenen, stets auch mit dem Prozess eines tränenreichen Abschieds verbunden ist, wie Oliver Wirthmann sagt. (tko/epd)

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