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Trotz besserem Angebot streikt UMG-Klinikservice

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Von: Per Schröter

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Streikteilnehmer vor dem Haupteingang der Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Ver.di hatte dazu aufgerufen, weil Gespräch gescheitert waren. Die UMG Klinikservice GmbH (KSG) hatte aber ein Angebot vorgelegt.
Streikteilnehmer vor dem Haupteingang der Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Ver.di hatte dazu aufgerufen, weil Gespräch gescheitert waren. Die UMG Klinikservice GmbH (KSG) hatte aber ein deutlich besseres Angebot vorgelegt. © Per Schröter

In der Göttinger Uni-Klinik wird wieder gestreikt. Klinikservice-Mitarbeiter fordern deutlich mehr Geld. Die Gesellschaft hat reagiert.

Göttingen – Nachdem sowohl Tarifgespräche als auch Notdienstverhandlungen mit der UMG Klinikservice GmbH (KSG) Anfang der Woche ins Leere gelaufen sind, hat die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di ihre Mitglieder am Universitätsklinikum zu einem dreitägigen Streik aufgerufen. Seit Mittwochmorgen befinden sich etwa 200 Beschäftigte im Ausstand.

„Die UMG-Tochterfirma KSG und zwei UMG-Vertreter wollten keine ernsthaften, streik-üblichen Leistungseinschränkungen wie Bettensperrungen, Stationsschließungen, Verschiebung von geplanten Operationen, Schichtstreichungen oder Einschränkungen der Öffnungszeiten zusagen“, berichtet Ver.di-Gewerkschaftssekretär Thilo Jahn.

Streik der UMG-Klinikservice-GmbH-Mitarbeiter: Knackpunkt ist die Notdienstregelung

Stattdessen habe die UMG und ihre Tochterfirma die Sicherstellung eines Notdienstniveaus gefordert, welches oft schon im Alltag ohne Streik nicht erreicht werde. „In Folge hätten weit mehr Beschäftigte zum Dienst erscheinen müssen als bei allen bisher vereinbarten Notdiensten“, so Jahn. Damit wäre der Streik aus Beschäftigtensicht faktisch unmöglich gemacht worden.

„Wir arbeiten jetzt auch mit Unterbesetzung, da stört es die Geschäftsleitung nicht“, betont Marika Lüer vom Hauswirtschaftlichen Dienst Teil-Intensivstation. „Aber wenn wir streiken wollen, steht angeblich das Patientenwohl auf dem Spiel.“

UMG-Streik: Uneinigkeit über neues Angebot

Vorausgegangen war eine Tarifverhandlungsrunde, in der die KSK am Montag ihr Angebot nach Ansicht der Gewerkschaft „nicht nennenswert“ verbessert hat. „Die berechtigten Erwartungen der Beschäftigten nach Sicherung ihres Lebensstandards würden mit dem Angebot verfehlt, ein deutlicher Reallohnverlust wäre die Folge“, sagt Thilo Jahn.

In der Belegschaft herrsche daher große Empörung, dass die UMG sich nicht nur weigere, den Tarifvertrag der Länder für die Beschäftigten in der Reinigung, der Wäscherei und dem Patiententransportdienst anzuwenden, sondern ihren GmbH-Beschäftigten weitere Reallohnabsenkungen zumuten wolle.

„Es macht viele wütend, dass sie schuften, aber wegen der Niedriglöhne - oft verbunden mit unfreiwilliger Teilzeit – beim Amt aufstocken müssen und in der Altersarmut landen“, so Jahn. Und jetzt komme noch hinzu, dass die KSG den Beschäftigten sogar faktisch ihr Streikrecht nehmen wolle.

Ver.di kündigt vor Weihnachten Streiks in Uni-Klinik an

Ver.di hatte bereits vor Weihnachten mitgeteilt, dass die Beschäftigten erneut streiken werden, wenn kein verhandlungsfähiges Angebot unterbreitet wird. Für den dreitägigen Ausstand, der noch bis zum Ende der Freitags-Spätschicht andauern soll, erklärte die Gewerkschaft, jenes Notdienstniveau zu gewährleisten, das die UMG-Tochterfirma für den zweitägigen Streik im Dezember mit Ver.di vereinbart hatte. „Wie bei jedem Streik sagen wir: Wenn sie darauf verzichten können, meiden sie bestreikte Betriebe, solange der Streik läuft“, so Thilo Jahn.

Nach Auffassung von KSG-Geschäftsführer Marcus Bühre wäre der Streik vermeidbar gewesen. Wir haben am Montag ein verbessertes Angebot vorgelegt“, sagt Bühre. Dies stelle für die Mitarbeitenden der KSG ein Plus von 20 Prozent mehr Nettolohn über drei Jahre dar. „Dieses Angebot liegt deutlich über dem bundesweit gültigen Tarif für das Gebäudereiniger-Handwerks, so dass hier von Niedriglohn keine Rede sein kann.

Klinikservice-Gesellschaft: Faires Angebot vorgelegt

„ Die KSG sehe ihr Angebot als „fair und angemessen“ an. „Ver.di hat die Gespräche dennoch scheitern lassen, die UMG ist nun von einem 3-tägigen Streik betroffen“, so Bühre. Auch wenn Ver.di eine Einigung über eine Notdienstvereinbarung habe scheitern lassen, sei die medizinische Notfallversorgung am Uni-Klinikum Göttingen auch während der Streiktage gesichert. (Per Schröter)

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