Auftragspolster

Trotz Corona-Krise: Bauhandwerk in Südniedersachsen boomt weiter

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Das Bauhandwerk hat gut zu tun: Neubau an der Wörthstraße in der Göttinger Ebertal-Siedlung.

Das südniedersächsische Bauhandwerk mit seinen rund 6000 Mitarbeitern boomt – trotz Corona. Banken dagegen spüren eine erste Zurückhaltung beim Abschluss neuer Baufinanzierungen.

„Das Bauhandwerk erwirtschaftet derzeit die Steuern, mit denen der Staat die Rettungsschirme und Nothilfen finanziert“, meint Göttingens Kreishandwerksmeister Christian Frölich. Die Kollegen auf den Bauweiter arbeiteten unverändert unter Hochdruck.

„Wir stehen eher vor logistischen Herausforderungen“, meint Frölich, der auch Obermeister der Bau-Innung Südniedersachsen ist. So verlange die Einhaltung von Sicherheitsabständen Absprachen, da auf einer Baustelle in der Regel mehrere Gewerke gleichzeitig arbeiteten. Firmenchefs versuchten ihre Beschäftigten so einzusetzen, dass bei einem Coronafall nicht die komplette Belegschaft in Quarantäne müsse. Bei den Atemschutzmasken habe es bisher keine Engpässe gegeben, da Baufirmen oft größere Bestände vorhielten. Nachfrage sei allerdings da. Die Kreishandwerkerschaft habe kürzlich 10000 Masken innerhalb eines Tages verkauft.

„Dass wir derzeit gut zu tun haben, liegt nicht zuletzt an unserem großen Auftragspolster“, betont Frölich. Es helfe über die Zurückstellung einzelner Aufträge hinweg. Aufgeschoben würden derzeit vor allem Sanierungsarbeiten, bei denen Handwerker in Kontakt mit Wohnungseigentümern kämen. So hat etwa die Städtische Wohnungsbau Göttingen, die derzeit das Wohnquartier Ebertal in einem Millionen Euro schweren Großprojekt von Grund auf erneuert, entsprechende Arbeiten an Gebäuden entlang der Straße Am Steinsgraben vorerst eingestellt, teilt Geschäftsführerin Claudia Leuner-Haverich mit. Der Neubau eines ersten Mehrfamilienhauses an der Wörthstraße laufe aber weiter.

„Das südniedersächsische Bauhandwerk macht 70 Prozent seines Umsatzes mit privaten Bauvorhaben“, führt Frölich aus. Es sei offen, wie sich die durch Corona in einigen Branchen verursachte Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit mittelfristig auswirke. Von Zurückhaltung beim Abschluss von neuen Baufinanzierungen spricht Peter Mühlhaus, Marketingchef der Volksbank Kassel Göttingen. Seine Kollegen seien derzeit vor allem mit Vorgängen aus der Zeit vor Corona beschäftigt. Viele Anrufe erhalte die Volksbank von privaten Bauherren, bei denen das Geld knapp werde. Kreishandwerksmeister Frölich rechnet damit, dass demnächst verstärkt Immobilien auf den Markt kommen.

Einen Preisverfall bei „guten Immobilien“ erwartet Rainer Hald, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Göttingen trotz der Krise „mittel- bis langfristig“ nicht. Aufgrund der Inflation konzentrierten sich die Bürger bei der Geldanlage verstärkt auf Sachwerte wie Aktien, Gold oder eben Immobilien. Das gelte aufgrund des mangelnden Angebots an Gebäuden und Bauplätzen insbesondere für Göttingen, sofern die Lage stimme.

Mit einem „starken Rückgäng“ rechnet Kreishandwerksmeister Frölich in den kommenden Monaten bei gewerblichen Investitionen. Nicht wenige Unternehmen müssten sich derzeit mit gestörten internationalen Lieferketten und wegbrechenden Absatzmärkten befassen.

VON MICHAEL CASPAR

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