Herbergen ohne Jugendliche

Trotz Öffnung fürchten Jugendherbergen um ihre Existenz - auch in Göttingen

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DJH Jugendherberge in Göttingen: Miriam Müller vom Landesverband Hannover des Deutschen Jugendherbergswerk und René Petat, Regionalleiter für die Jugendherbergen Göttingen und Hann. Münden.

Keine Schulklassen, kaum Reisegruppen und keine bedarfsgerechten Hilfen: Die Jugendherbergen und Schullandheime in den fünf norddeutschen Bundesländern schlagen Alarm.

In einem gemeinsamen Hilferuf fordern sie mehr finanzielle Unterstützung in der Corona-Krise. Wir haben uns die Situation in der DJH Jugendherberge Göttingen angeschaut.

Erst seit dem 25. Mai sind dort überhaupt wieder Buchungen möglich – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Momentan dürfen nur Familien oder Erwachsene die Unterkunft nutzen. Reine Schul- oder Jugendgruppen seien voraussichtlich erst ab September wieder erlaubt, wie René Petat, Regionalleiter für die Jugendherbergen Göttingen und Hann. Münden, und Miriam Müller vom Landesverband Hannover des Deutschen Jugendherbergswerk, erläutern.

Dabei gehören die Sommermonate Juni bis August sonst zur belegungsstärksten Zeit, betont Stefan Wehrheim, DJH-Geschäftsführer im Landesverband Nordmark. Er kritisiert, dass viele Einrichtungen durch alle vorhandenen Rettungsschirme der Bundesregierung durchfielen. „Die Maßnahmen gehen für unseren Sektor nahezu komplett am Bedarf vorbei.“ Dabei hätten die gemeinnützigen Organisationen der Bundespolitik ein fertiges Konzept vorgelegt.

Aktuell dürfen in Niedersachsen 80 Prozent der Betten belegt werden. Für die DJH Jugendherberge in Göttingen bedeutet das: Etwa 100 Gäste wären erlaubt. Allerdings gelten weitere Einschränkungen. Personen aus maximal zwei Haushalten dürfen in einem Zimmer untergebracht werden. Überall im Haus stehen Desinfektionsmittel bereit, Klebestreifen weisen auf die Abstandsregeln hin und alle Gäste müssen sich direkt in eine Liste eintragen, wie der Göttinger Regionalleiter Petat erklärt. Und auch die Verpflegung gestaltet sich anders als sonst: Ein Buffet darf nicht angeboten werden, stattdessen wird das Essen für jede Familie separat ausgegeben.

Trotz der Öffnung sieht Miriam Müller weiterhin eine „existenzbedrohende Situation“ für die Jugendherbergen. Petat hofft auf eine baldige Perspektive für seine Häuser in der Uni-Stadt und in Hann. Münden. Ein Rettungsschirm, der den Bedürfnissen seiner Branche gerecht würde, sei nicht in Sicht. Und die seit der Schließung am 19. März bereits verloren gegangenen Übernachtungsgäste könnten ohnehin nicht kompensiert werden. Immerhin sei die Herberge in Göttingen für den September schon fast ausgebucht.

Mittlerweile haben alle 23 DJH-Jugendherbergen im Landesverband auf Anfrage wieder geöffnet. „Wir müssen sehr flexibel auf die Situation reagieren“, sagt Müller mit Blick auf die Verunsicherung bei potenziellen Gästen. Unter der Rufnummer 0511 / 99 99 84 84 hat der DJH-Landesverband Hannover eine Buchungszentrale geschaltet, die täglich von 9 bis 17 Uhr erreichbar ist. Hier würden alle Fragen zu Corona und der möglichen Belegung beantwortet, so Müller.

Unsicherheit bei manchen Gästen hat auch Petat festgestellt. Viele wüssten nicht, ob die Jugendherbergen geöffnet sind und unter welchen Voraussetzungen, da sich die Bedingungen oft ändern und in den Bundesländern unterschiedlich sind. Die Servicezentrale biete den Leuten Unterstützung bei ihren Fragen und versorge sie mit den nötigen Informationen.  mit epd

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