Truckerstammtisch der Göttinger Autobahnpolizei

„Das ist Wildwest, was auf den Autobahnen läuft“

Bei der Arbeit: - Matthias Rink und Martina Rülke von der Autobahnpolizei Göttingen sprechen die einzelnen Lkw-Fahrer an und laden sie zum Truckerstammtisch ein. Foto: Niemann

Göttingen. Die Autobahnpolizei veranstaltet seit 2001 für auf dem Rasthof pausierende Lastwagenfahrer einen "Truckerstammtisch". Dabei geht es um Themen und Probleme.

Um kurz vor 18 Uhr zwängen sich Matthias Rink und Martina Rülke an der Raststätte Göttingen-West an der Autobahn 7 zwischen den eng geparkten Lastwagen hindurch. Die beiden Autobahnpolizisten gehen von Fahrzeug zu Fahrzeug, schauen zuerst auf das Nummernschild, dann zum Führerhaus.

Unterwegs auf dem Rasthof

Ein Fahrer hat bereits die Gardine zugezogen. Der Fahrer im Lastwagen daneben hantiert noch herum und kurbelt das Fenster herunter, als die Polizisten sich nähern. „Sprechen Sie deutsch?“, fragt Martina Rülke und reicht ihm einen Zettel. „Wir möchten Sie zum Truckerstammtisch einladen!“ Der Brummifahrer ist erst unschlüssig, ob er einen Teil seiner Ruhepause dafür opfern soll. Dann geht er in die Raststätte. Dort findet der 200. Truckerstammtisch statt.

Probleme besprechen

Seit Juli 2001 lädt die Göttinger Autobahnpolizei jeweils am ersten Mittwoch im Monat Lastwagen-Fahrer sowie Mitarbeiter von Speditionen und anderen Einrichtungen ein, um mit ihnen über Probleme des Schwerlast- und Fernverkehrs zu diskutieren. Die Idee zu dieser Einrichtung stammt von der Autobahnpolizei Münster: Der Göttinger Truckerstammtisch war der erste in Niedersachsen, inzwischen gibt es zwei weitere an der A 1 von den Autobahnpolizeien in Winsen und Osnabrück.

Viele wollen schlafen

Meist ist es gar nicht so einfach, die Trucker zur Teilnahme zu animieren. Auch an diesem Abend winken viele ab. Der Grund ist immer der gleiche: „Ich muss schlafen.“

Als Matthias Rink seine Runde auf dem Parkplatz beendet hat und seine Begrüßungsrede hält, freut er sich: Mehr als 20 Teilnehmer sind gekommen, das Ansprechen hat sich gelohnt. Bei den zwanglosen Treffen von Polizei und Lkw-Fahrern gehe es vor allem darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und gegenseitiges Verständnis aufzubauen.

Thema Rettungsgasse

Bei jedem Treffen gibt es ein Schwerpunktthema, diesmal informiert Henning Bartels vom Bildungswerk Verkehrsgewerbe Niedersachsen (BVN) über die neuen gesetzlichen Regelungen zur Rettungsgasse. Schon nach kurzer Zeit melden sich die ersten Brummifahrer zu Wort. Sie finden es gut, dass seit Kurzem erhebliche Bußgelder fällig werden, wenn Verkehrsteilnehmer die Rettungsgasse blockieren. Allerdings müssten Polizei und Justiz Verstöße sehr viel konsequenter verfolgen, meinen sie.

Ärger über Fahrer aus Osteuropa

Vor allem Lastwagen-Fahrer aus Osteuropa kümmerten sich häufig weder um Überholverbote noch um Sicherheitsabstände, kritisiert Frank Böttcher. Er ist jedes Jahr mehr als 120.000 Kilometer auf den Autobahnen unterwegs. Manches, was sich dort abspiele, sei regelrecht kriminell, meint er.

Gefahr: Parken auf Standstreifen

Am schlimmsten findet er, dass an manchen Autobahnabschnitten wegen fehlender Abstellplätze die Lastwagen auf den Standstreifen parken. „Das ist hoch gefährlich.“

Auch andere Lkw-Fahrer klagen über Rowdytum auf den Straßen und wünschen sich mehr Polizeipräsenz: „Man sieht zu wenig Streifenwagen auf der Autobahn“, kritisieren sie. „Das ist Wildwest, was hier läuft“, meint ein Trucker.

Wunsch: Mehr Kontrollen

„Ich fahre seit 30 Jahren, aber ich bin mir noch nie so unsicher auf der Autobahn vorgekommen wie jetzt.“ Die Polizei nimmt die Kritik ernst. „Wir würden gerne mehr kontrollieren “, sagt Matthias Rink. „Wir fahren auch ständig die Autobahn hoch und runter.“ Allerdings seien die personellen Ressourcen begrenzt, sodass man nicht alle Verstöße verfolgen könne.

Lob für die Polizei

Am Ende bekommt die Polizei noch ein dickes Lob, weil die Beamten sich vor einiger Zeit nach einer Diebstahlsserie nachts auf einem Parkplatz auf die Lauer gelegt und mehrere Planenschlitzer ertappt haben: „Danke, Applaus!“ (pid)

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