Tschernobyl-Chronik-Premiere: Jürgen Trittin wirbt auf JT-Plakat

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Regisseur mit Plakat: Peer Ripberger inszeniert „Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft“, im Jungen Theater. Auf dem Plakat: Jürgen Trittin, Bundestagsabgeordneter der Grünen.

Göttingen. Das Stück beschäftigt sich mit Vergangenem und ist doch hochaktuell: Im Jungen Theater (JT) Göttingen wird am Freitag, 22. April die Premiere des Stücks „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ aufgeführt.

Das Ausgangsmaterial bietet das gleichnamige Buch der Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, die darin literarische Monologe und Portraits einiger durch die Katastrophe von Tschernobyl betroffener Menschen veröffentlicht hat.

Das Stück lehnt an diese Erzählweise an, Auszüge aus Alexijewitschs Text wechseln sich ab mit Fragen zur Problematik der Atomenergie und ihrer Folgen. Was fehlt, sind Antworten. Er habe diese bewusst nicht geben wollen, sagt der Regisseur Peer Ripberger. Das Thema sei zu komplex, um es herunterbrechen zu können, ohne es zu verharmlosen.

Betroffenheit und Schrecken solle das Stück auslösen und die Menschen dazu auffordern, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dennoch achtet Ripberger auf einen vorsichtigen Umgang mit den Texten. „Mir geht es darum, nicht anmaßend mit fremden Schicksalen umzugehen.“

Die Literarisierung der persönlichen Geschichten dient dem Schutz der Betroffenen.

Mit dem Text Alexijewitschs arbeitet Ripberger aus verschiedenen Gründen gerne. Er sei „einer der wenigen Texte, der dieses Problem nicht anonym behandelt.“

Einen aktuellen Bezug bekommt das Stück nicht nur durch den nahenden Jahrestag der Nuklearkatastrophe am 26. April. Aufgeführt wird es schließlich im Rahmen der Klimaschutztage und im Hinblick auf heutige Streitfragen: Endlagersuche, die Umsetzung des Atomausstiegs, Reaktoren, die beschädigt sind oder in Erdbebenregionen stehen.

Das alles sind drängende Probleme, die nicht wegzureden sind. Stattdessen wolle man aufrütteln und unangenehme Fragen stellen, so Ripberger. So wie die Frage, die er sich anfangs über Tschernobyl stellte: „Es ist jetzt 30 Jahre her und was bleibt eigentlich?“ Tschernobyl ist bald 30 Jahre her, Fukushima fünf. Die Anti-Atomkraft-Bewegung ist leise geworden und es gibt mehr als 400 aktive Atomreaktoren weltweit.

Es ist, wie Swetlana Alexijewitsch feststellte: „Ich habe über die Vergangenheit geschrieben, aber sie hat sich als Zukunft erwiesen.“

• Premiere: „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“, Freitag, 22. April, 20 Uhr, Junges Theater. Karten gibt es an der Theaterkasse eine Stunde vor Vorstellungsbeginn, unter Tel. 0551/49 50 15 oder unter kasse@junges-theater.de.

www.junges-theater.de

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