Tuberkulose-Fall an Göttinger Grundschule: Kinder werden getestet

Der Erreger unter dem Elektronenmikroskop: Die meldepflichtige Infektionskrankheit Tuberkulose ist auch in Europa längst nicht ausgerottet. Foto: Robert-Koch-Institut/Gudrun Holland

Göttingen. Kinder und Erwachsene, die an der Göttinger Grundschule im Stadtteil Nikolausberg Kontakt mit einem an Tuberkulose erkrankten Erwachsenen hatten, werden jetzt auf die Krankheit getestet.

Das kündigte die Stadtverwaltung am Montag an.

Der Unterrichtsbetrieb an der Janusz-Korczak-Schule mit 120 Kindern kann regulär weiterlaufen. Als Kontaktpersonen kommen Familienangehörige sowie Personen in Frage, die sich mit dem Erkrankten mehr als acht Stunden in einem Raum aufgehalten haben.

Der Fall war am Sonntag öffentlich bekannt geworden (wir berichteten). Die Schule wurde am Wochenende desinfiziert. Die Eltern sollen am Donnerstag, 19. Januar, in der Schule umfassend informiert werden. Ein Info-Schreiben ging bereits am Freitag an die Eltern. Bei der Erarbeitung der Listen mit möglichen Kontaktpersonen arbeitet die Stadt mit der Schule, der Landesschulbehörde und dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt zusammen. Informationen über die geplante Untersuchung gingen an die niedergelassenen Kinderärzte, die Universitätskinderklinik und an eine Hausarztpraxis in Nikolausberg.

Die Blutproben werden im Landesgesundheitsamt ausgewertet. Die Ergebnisse gibt es etwa zehn Tage nach der Blutabnahme. Zunächst sind die Bluttests bei den Schülern vorgesehen.

Zwei Bluttests vorgesehen

Nach dem Bekanntwerden des Tuberkulose-Falls an einer Grundschule im Göttinger Stadtteil Nikolausberg geht jetzt die Arbeit für die Experten in der Verwaltung richtig los.

Kenntnis von der Erkrankung hatte das zuständige Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen am 6. Januar bekommen. Noch am gleichen Tag wurde bei dem Betroffenen angefragt, welche Personen als Kontaktpersonen in Frage kommen. Sie könnten von einer möglichen Ansteckung betroffen sein.

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Der Bluttest kann auch bei einem Kinderarzt erfolgen, so das Gesundheitsamt. „Wichtig ist, dass die Maßnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz zum Ausschluss einer Infektion unbedingt erfolgen, auch um eine möglicherweise notwendige Behandlung rechtzeitig einleiten zu können," erklärt Dr. Eckart Mayr, Leiter des Gesundheitsamtes für Stadt und Landkreis. Die Stadtverwaltung sprach am Montag von einer „theoretischen Möglichkeit" einer Ansteckung mit Tuberkulose-Erregern. Bei der Untersuchung der Kontaktpersonen werde nach Art, Dauer und Intensität der Kontakte unterschieden, so die Verwaltung.

Elternabend

Weitere Informationen für Eltern gibt es am Donnerstag, 19. Januar, bei einer Veranstaltung um 20 Uhr in der Schule. Die Nikolausberger Schüler sollen - wie natürlich alle erwachsenen Schulangehörigen - als Kontaktpersonen zu einem Bluttest eingeladen werden. Mit dem Test, der nach etwa acht Wochen wiederholt wird, kann eine Infektion mit dem Tuberkuloseerreger nachgewiesen beziehungsweise ausgeschlossen werden. Ein positiver Test muss nach Angaben des Göttinger Gesundheitsamtes nicht bedeuten, dass man an Tuberkulose erkrankt ist beziehungsweise erkranken wird. Er zeigt lediglich, dass sich der Körper mit den Tuberkuloseerregern auseinandergesetzt und Antikörper gebildet hat. (bsc)

Lungentuberkulose meldepflichtig

Die Lungentuberkulose ist eine nach dem Infektionsschutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung.

Längere Kontaktzeit für Ansteckung

Für eine Ansteckung mit Tuberkulose sind längere, dauernde Kontaktzeiten notwendig. Die Übertragung ist nicht zu vergleichen mit der Ansteckungsfähigkeit bei einer Grippe oder bei Masern, bei denen bereits einmalige und kurze Kontakte für eine Infektion ausreichend sind. Flüchtige und kurze, wenig intensive Kontakte sind bei Tuberkulose nicht gefährlich, berichtet das Gesundheitsamt. Die Kontaktpersonen gelten nicht als ansteckungsfähig.

Infektion über feinste Tröpfchen

Bei einer offenen Lungentuberkulose scheiden die Erkrankten die Erreger vor allem beim Husten und Niesen aus. Dabei gelangen feinste erregerhaltige Tröpfchenkerne in die Luft und können anschließend von anderen Menschen eingeatmet werden, so das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen.

Sechs bis acht Wochen Inkubationszeit

Von der Ansteckung bis zu einer messbaren Immunantwort auf Tuberkulose vergehen im Durchschnitt sechs bis acht Wochen, berichtet Prof. Dr. Helmut Eiffert, Infektiologe an der Universitätsmedizin Göttingen. Erst dann kann man überhaupt nachweisen, dass jemand Kontakt mit dem Erreger hatte. Nur etwa fünf bis zehn Prozent dieser Betroffenen erkranken am Ende überhaupt an einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose. Bis zur Erkrankung selbst können dann weitere zwei bis drei Jahre vergehen. Durch eine spezielle Medikamentengabe kann das Risiko der Entstehung einer Erkrankung gemindert werden.

Behandlung der Tuberkulose

Wenn jemand eine behandlungsbedürftige Tuberkulose hat, dann in der Regel eine Kombination aus vier Antibiotika gegeben, um möglichen Resistenzen zu begegnen. Die Therapie muss zum Teil über Monate laufen. Die Heilungschancen sind meist gut, berichtet Prof. Eiffert (63).

Resistenzen 

Ein Problem bei der Tuberkulose-Behandlung sind laut Eiffert die zunehmenden Resistenzen der Erreger gegen die gängigen Präparate. Deshalb muss im Einzelfall eine Resistenzbestimmung gemacht werden.

Geringe Gefahr der Ansteckung in Deutschland

Die Gefahr, in Deutschland mit Tuberkulose infiziert zu werden, ist relativ gering. Gemeldet werden etwa 5,6 neue behandlungspflichtige Fälle auf 100.000 Einwohner im Jahr. In Stadt und Landkreis Göttingen wurden 2015 39 Neuerkrankungen registriert, im vergangenen Jahr waren 18. Je Neuerkrankung kann die Untersuchungen von bis zu 150 Kontaktpersonen oder mehr notwendig werden, hieß es am Montag aus der Göttinger Stadtverwaltung.

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