Gesundheitsamt ist eingeschaltet

Verdacht auf Tuberkulose: Zwei Fälle an Göttinger Schule

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Der Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis: Die Infektionskrankheit Tuberkulose ist auch in Europa längst nicht ausgerottet.

Göttingen. Schüler, Eltern und Lehrer der Berufsbildenden Schulen II in Göttingen wurden am Mittwoch über zwei Tuberkulose-Verdachtsfälle in Göttingen informiert.

Um welche Personen es sich genau handelt, wollte das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen mit Blick auf den Schutz der Betroffenen nicht sagen. "Der Nachweis des Erregers erfolgt im Labor. Eine Bestätigung der Erkrankung liegt noch nicht vor, die Laboruntersuchungen können bis zu acht Wochen in Anspruch nehmen", heißt es aus dem Neuen Rathaus.

Die Verdachtsmeldungen auf Tuberkuloseerkrankungen waren in der vergangenen Woche beim Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen eingegangen. Aktuell koordiniert das Amt die erforderlichen Schritte und hat unter anderem die Einleitung von medizinischen Maßnahmen veranlasst.

"Um die Weiterverbreitung der Tuberkulose zu verhindern, führt das Gesundheitsamt bei Bestätigung der Verdachtsfälle eine sogenannte Umgebungsuntersuchung durch", heißt es von der Göttinger Verwaltung.

Dabei werden Personen, die Kontakt zum Erkrankten hatte, ermittelt und mit Blick auf eine mögliche Ansteckung mit einem Bluttest untersucht. Das ist allerdings erst acht Wochen nach dem letzten Kontakt mit den Erkrankten möglich – also im aktuellen Fall Mitte bis Ende April, sollten sich die Verdachtsfälle bestätigen. Die Ermittlung von Kontaktpersonen hat inzwischen begonnen. Deshalb gab es an der Schule eine Informationsveranstaltung.

Unterricht läuft weiter

Unterdessen kann der Unterricht normal weiterlaufen, da das Gesundheitsamt keine Schulräume gesperrt hat. Die betreffenden Klassenräume wurden nach Angaben der Schulleitung einer Wischdesinfektion unterzogen. „Eine von Flächen ausgehende Infektionserkrankung wird als sehr gering eingestuft. Flächen kommen nicht als relevante Infektionsquelle in Betracht“, heißt es in einer Stellungnahme der Göttinger Stadtverwaltung weiter.

Derzeit gibt es im Landkreis Göttingen keine weiteren Tuberkulose-Erkrankungen. Im vergangenen Jahr sowie 2016 wurden jeweils 14 Tuberkulose-Erkrankungen dem Gesundheitsamt gemeldet worden. Im vergangenen Jahr war eine Grundschule in Nikolausberg von einem Fall betroffen. 

Krankheit ist laut Gesetz meldepflichtig

Die Tuberkulose ist eine nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtige Erkrankung. Für eine Ansteckung mit Lungentuberkulose sind längere, dauernde Kontaktzeiten notwendig. Die Übertragung ist nicht zu vergleichen mit der Ansteckungsfähigkeit bei einer Grippe oder bei Masern, bei denen bereits einmalige und kurze Kontakte für eine Infektion ausreichend sind. Flüchtige und kurze, wenig intensive Kontakte sind bei Tuberkulose nicht gefährlich, berichtet das Gesundheitsamt. Die Kontaktpersonen gelten nicht als ansteckungsfähig.

Professor Dr. Helmut Eiffert

Bei einer offenen Lungentuberkulose scheiden die Erkrankten die Erreger vor allem beim Husten und Niesen aus. Dabei gelangen feinste erregerhaltige Tröpfchenkerne in die Luft und können anschließend von anderen Menschen eingeatmet werden, so das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen.

Von der Ansteckung bis zu einer messbaren Immun-Antwort auf Tuberkulose vergehen im Durchschnitt sechs bis acht Wochen, berichtete Prof. Dr. Helmut Eiffert, Infektiologe an der Universitätsmedizin Göttingen, nach einem Tuberkulose-Verdachtsfall im vergangenen Jahr. Erst dann kann man nachweisen, dass jemand Kontakt mit dem Erreger hatte. Nur etwa fünf bis zehn Prozent dieser Betroffenen erkranken am Ende überhaupt an einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose. Bis zur Erkrankung selbst können dann weitere zwei bis drei Jahre vergehen. Durch eine spezielle Medikamentengabe kann das Risiko der Entstehung einer Erkrankung gemindert werden.

Wenn jemand eine behandlungsbedürftige Tuberkulose hat, wird in der Regel eine Kombination aus vier Antibiotika gegeben, um möglichen Resistenzen zu begegnen. Die Therapie muss zum Teil über Monate laufen, und die Heilungschancen sind meist gut, berichtete Prof. Eiffert. Geringe Gefahr Ein Problem bei der Tuberkulose-Behandlung sind laut Eiffert die zunehmenden Resistenzen der Erreger gegen die gängigen Präparate. Deshalb muss im Einzelfall eine Resistenzbestimmung gemacht werden. Die Gefahr, in Deutschland mit Tuberkulose infiziert zu werden, ist relativ gering. Gemeldet werden etwa 5,6 neue behandlungspflichtige Fälle auf 100.000 Einwohner im Jahr.

Das ist Tuberkulose

Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Tuberkulose ist mit Medikamenten heilbar. Unbehandelt kann die Krankheit tödlich verlaufen. Weltweit, besonders in armen Regionen der Erde, sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter rund 1,5 Millionen Menschen pro Jahr. In Deutschland gibt es pro Jahr etwa 6000 Fälle.

Die Krankheit hat auch in der Region eine dunkle Geschichte: In der Tuberkulose-Kinderheilstätte Mammolshöhe in Königstein sollen in der Nachkriegszeit Medikamente an Kindern getestet worden sein – mit tödlichen Folgen. Wie man sich ansteckt, die Krankheit diagnostiziert und behandelt, lesen Sie hier.

Hier befinden sich die berufsbildenden Schulen:

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