Tuberkulose bei Flüchtlingen im Kreis Göttingen: Ministerium weiß nichts

Notaufnahmen gefordert: Auch dort werden immer mehr Flüchtlinge behandelt, wie hier im Weender Krankenhaus. Foto: Kopietz

Göttingen. Verwirrung gibt es um Tuberkulose-Fälle bei Flüchtlingen im Landkreis Göttingen.

Während das Innenministerium in Hannover nichts von Verdachtsfällen oder Erkrankungen weiß, sind im Krankenhaus Göttingen-Weende bei Flüchtlingen Tuberkulose-Fälle bekannt geworden, wie die Klinik auf Anfrage mitteilte. Jeder Verdachtsfall und jede gesicherte Diagnose bei Tuberkulose wird an das Gesundheitsamt gemeldet, wie es die Vorschriften vorsehen. In der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gab es zwei TBC-Fälle in den vergangenen vier Wochen, wie Sprecher Stefan Weller sagte. Dort, wie auch im Weender Krankenhaus, werden Patienten bei Verdacht auf TBC vorsichtshalber isoliert.In der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gab es zwei TBC-Fälle in den vergangenen vier Wochen, wie Sprecher Stefan Weller sagte. Dort werden Patienten bei Verdacht auf TBC vorsichtshalber isoliert.

Grundsätzlich würden in der UMG stetig mehr Flüchtlinge medizinisch versorgt. Auch die Krankheitsbilder nehmen zu: So werden immer mehr Jugendliche und Erwachsene mit psychischen Symptomen behandelt.

Die medizinische Erstversorgung wird in den Notunterkünften von den Hilfsorganisationen gewährleistet. In den regulären Erstaufnahmeeinrichtungen werden die Flüchtlinge vor der Verteilung auf die Kommunen untersucht.

So umfasst die Untersuchung bei Personen neben einem Röntgenbild der Lunge eine Blutentnahme und die serologische Untersuchung des Blutes auf Masern-, Röteln- und Varizellen-Antikörper.

Somit ist der Impfstatus hinsichtlich dieser drei Krankheiten bekannt, wenn die Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt werden. Bei Personen unter 15 Jahren und Schwangeren ist keine Röntgenaufnahme der Atemwege vorgesehen, teilt das Weender Krankenhaus mit.

Dort wurden 2011 etwa 40 Flüchtlinge pro Woche untersucht, jetzt sind es etwa 450 wöchentlich.

Mehr Flüchtlinge, das heißt auch mehr Behandlungen in den Notaufnahmen: Vom 1. Mai bis 9. September wurden 40 Flüchtlinge aus dem Grenzdurchgangslager Friedland und den Außenstellen im Weender Krankenhaus stationär behandelt. Seit Anfang August waren es 23 Patienten. Ursachen sind meist Atemwegsinfektionen, Bauchschmerzen und kleinere Verletzungen.

In der UMG-Notaufnahme werden etwa 30 Flüchtlinge pro Woche behandelt.

Dort hat jetzt das niedersächsische Wissenschaftsministerium angefragt, ob die UMG neben den zuständigen Regelversorgern wie Weender Krankenhaus bei der Erstuntersuchung und Behandlung helfen könnte. Die UMG plant, an einem Tag in der Woche Erstuntersuchungen zu machen. Alternativ wäre eine Unterstützung in Friedland möglich.

Probleme bereitet der Uni-Klinik die Übernahme der Behandlungskosten. Die Zuständigkeiten dabei seien „weit gestreut“. Je nach Konstellation übernehmen die Landesaufnahmebehörden, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie hier meist Stadt und Landkreis Göttingen sowie die Landkreise Northeim und Goslar die Kosten, so Weller. Schwierig sei es, wenn Sozialleistungsträger die Kosten übernehmen: Das muss von den Behörden in jedem Fall einzeln genehmigt werden.

Fazit: Die UMG bezeichnet das Verfahren der Kostensicherung für Flüchtlinge als „uneinheitlich und bürokratisch“. Es sei mit einem hohen personellen Aufwand verbunden. Helfen könnte laut UMG die Gesundheitskarte auf Zeit für Flüchtlinge: „Sie wäre ein geeignetes Instrument für die Lösung dieser Probleme.“

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