Szenische Lesung zum Kultursommer-Ausklang

TV-Ermittler boten tiefe Einblicke in eine jüdische Großfamilie

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Humor in allen Farben: Claudia Michelsen und Sylvester Groth überzeugten im Deutschen Theater mit ihrer szenischen Lesung aus „Glücklich die Glücklichen“ von Yasmina Reza.

Göttingen. Zum Ausklang des Göttinger Kultursommers überzeugten Claudia Michelsen und Sylvester Groth, bekannt als Ermittler-Team der TV-Serie Polizeiruf 110, mit einer szenischen Lesung aus „Glücklich die Glücklichen“ von Yasmina Reza.

Sie spielte zwei kleine Jungen, eine genervte Frau im immerwährenden Ehekrieg, eine ebenso genervte Großmutter bei der Kleideranprobe und eine verzweifelte Mutter mit einem persönlichkeitsgestörten Sohn, um nur einige zu nennen. So gestaltete die Schauspielerin Claudia Michelsen zusammen mit ihrem Kollegen Sylvester Groth die szenische Lesung des Episodenromans „Glücklich die Glücklichen“ im fast ausverkauften Deutschen Theater in Göttingen.

Der oder die eine trug gekonnt eine Szene aus dem Ehe- und Familienroman der Französin Yasmina Reza vor. Der oder die andere musste dazu punktgenau die wörtliche Rede der Szene einwerfen, die manchmal nur aus einem Wort bestand, wie „Johannisbeersaft!“. Dazu reagierten die Darsteller gestisch und mimisch auf den Vortrag des anderen. Das war ganz hohe Schauspielkunst, zumal die Lesung schlicht an einem Tisch, ohne Bühnenbild und ohne Requisiten, stattfand.

Am Ende der fast anderthalb Stunden hatten die begeisterten Besucher tiefe Einblicke in eine jüdische Großfamilie in Paris gewonnen. Man litt mit der Mutter, deren Sohn im Wahn lebte, die kanadische Sängerin Céline Dion zu sein, mit deren Akzent sprach und ängstlich seine Stimme schonte. Man hörte nachsichtig der Sprechstundenhilfe zu, die sicher war, die Zuneigung eines seine Mutter begleitenden Mannes gewonnen zu haben. Man fühlte mit den drei Männern, die nur gemeinsam in der Küche Nudeln essen wollten und dabei immer von den Söhnen des einen gestört wurden. Und viele erkannten wohl auch sich selbst in der katastrophalen Einkaufsszene im Supermarkt.

Trotz der teilweise ernsten Probleme sind die Texte Yasmina Rezas gespickt mit Humor in allen Farben, bis hin zu Rabenschwarz. So schwappten immerzu Wellen von Lächeln, Kichern und mehr oder weniger schallendes Lachen durch das Theater.

Claudia Michelsen und Sylvester Groth nahmen Hand in Hand ihren wohl verdienten, lang anhaltenden Beifall entgegen.

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