Veganer Käse aus Cashewnüssen

Udo Flachs Nóbrega will neue Käserei in Göttingen bauen

Pläne: Udo Flachs Nóbrega träumt davon, eine ganze Käsetheke mit veganen Produkten zu bestücken.
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Pläne: Udo Flachs Nóbrega träumt davon, eine ganze Käsetheke mit veganen Produkten zu bestücken.

Kräftig investieren will Udo Flachs Nóbrega (51) in seine vegane Käserei Cashewrella. Aufgrund der starken Nachfrage plant er in Göttingen einen Neubau mit Gewölbekellern.

Rosdorf – Die benötigten Mittel – eine Million Euro für den ersten Bauabschnitt – soll eine Crowdfunding-Kampagne zusammenbringen. Sie läuft Ende September an.

„Das Interesse an veganem Käse ist riesig“, berichtet der Unternehmer, der sich im Mai 2019 selbstständig gemacht hat und heute zwei Mitarbeiter sowie zwei Aushilfen beschäftigt. Seine Geschäftsräume in der Göttinger Innenstadt wurden bald zu klein, Pakete für Online-Kunden stapelten sich dort bis zur Decke. Im Februar 2020 unterschrieb er einen Mietvertrag für eine größere Immobilie, ein ehemaliges Café an der Tiefenbrunner Straße 1 in Rosdorf-Mengershausen. Einen Monat später ließ die Pandemie den Umsatz massiv einbrechen. Mit dem Rücken an der Wand startete Flachs Nóbrega eine Marketing-Initiative, warb Bio- und Unverpackt-Läden als Kunden, überzeugte Biogroßhändler und konnte – nach dem Lockdown – die Gastronomie gewinnen. „Heute sind die Online-Bestellungen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum zehnmal größer als vor einem Jahr“, berichtet er.

Erweitert hat der Unternehmer in der Krise sein Sortiment. Begonnen hat er 2019 mit veganem Frischkäse und Mozzarella. Später kam die Camembert-Alternative Vamembert dazu. Im Mai 2020 brachte er einen veganen Gorgonzola – die Königsdisziplin der Käsemacher – auf den Markt: Der PlesseBlue reift in einem Gewölbekeller in Eddigehausen zu Füßen der Burg Plesse. Derzeit arbeitet Flachs Nóbrega an einem Verfahren, um veganen Gouda und andere Hartkäse in großen Laibern zu produzieren.

Grundlage aller Sorten sind Cashewnüsse, die den für die Käseherstellung notwendigen Mix an Eiweißen, Fetten und Zucker enthalten. Flachs Nóbrega bezieht die Nüsse über den Fairtrade-Importeur Fairfood Freiburg. Produziert werden sie von einer Kooperative im westafrikanischen Burkina Faso, die 150 Familien Arbeit gibt. Die Kulturen für die Fermentation des Nussmehls bezieht der Unternehmer von Käseherstellern. Monatelang feilt er an den Rezepturen, experimentiert mit verschiedenen Herstellungsverfahren. „Oft führen Zufälle oder Fehler zum Durchbruch“, verrät er.

Neue Wege zu gehen, macht dem leidenschaflichen Hobbykoch Freude. Vor mehr als 20 Jahren wurde er Vegetarier und stellte er den kompletten Speiseplan seiner vierköpfigen Familie um. Später wollten sie aus ethischen Gründen auch keine Produkte auf Milch- und Ei-Basis mehr essen. Wieder war Flachs Nóbregas Kreativität gefragt, besonders bei der Suche nach Alternativen zum Käse, den er leidenschaftlich gerne isst.

Seine veganen Käsekreationen kamen zuhause, bei Freunden und Arbeitskollegen so gut an, dass er einen großen Schritt wagte und beruflich völlig neu durchstartete. Jahrelang hatte der studierte Wirtschaftsinformatiker in leitender Funktion im IT-Bereich gearbeitet, anfangs bei Siemens, später in Krankenhäusern, zuletzt in der Universitätsmedizin Göttingen. Weitere Infos gibt es hier. (Michael Caspar)

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