Jazzfestival

Über den Ausfall des Jazzfestivals und Planungen für 2021

Das wird es dieses Jahr nicht geben: Musiker auf der Bühne des Deutschen Theaters beim 42. Göttinger Jazzfestival 2019.
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Das wird es dieses Jahr nicht geben: Musiker auf der Bühne des Deutschen Theaters beim 42. Göttinger Jazzfestival 2019.

Das Jazzfestival sollte im November stattfinden. Doch trotz Hygienekonzept musste das Festival abgesagt werden.

Göttingen – So gut wie alle Karten verkauft, ein umfangreiches Sicherheits- und Hygienekonzept, die Künstler startklar - alles war vorbereitet für das 43. Göttinger Jazzfestival, das vom 6. bis 14. November hätte stattfinden sollen. Gerade für die Jazzszene in Göttingen ein wichtiges Event. Doch statt das Festival im Alten Rathaus, Deutschen Theater und anderen Spielstätten in diesen Tagen vor Ort zu begleiten, ist das Planungsteam um Sebastian Otto jetzt mit der Rückabwicklung der geplanten Auftritte und der gekauften Tickets beschäftigt.

Veranstalter des Jazz-Festivals Sebastian Otto

„Für uns als Team ist der erneute Lockdown ein ziemliches Fiasko“, erzählt der Festival-Geschäftsführer, der sich bereits seit 2012 um die jährliche Organisation kümmert. „Du planst viele Monate lang sehr detailliert Veranstaltungen, die dann plötzlich nicht stattfinden dürfen. Natürlich ist es sinnvoll, momentan Menschenansammlungen zu vermeiden, das sehe ich auch so. Und wenn es in diesem Monat uns trifft, dann ist es irgendwo auch Pech. Aber andererseits denke ich auch: Warum ist es jetzt wieder die Veranstaltungsbranche? Es gibt gute Hygienekonzepte, es ist alles durchdacht. Das wirkt nicht ganz fair.“

Neues Konzept

Fair scheint es auch vor dem Hintergrund nicht, dass das Team sich immer ganz klar für das Festival entschieden hat, obwohl natürlich hin und wieder Zweifel aufkamen, ob und wie es 2020 überhaupt stattfinden kann. Gut ein Jahr ist im Schnitt die Vorbereitungszeit für das mehrtägige Event - von der Akquise von Geldern und dem Schreiben von Anträgen, über die Künstlerauswahl bis hin zur Ausarbeitung von Werbematerialien und dem Vorverkauf.

Für 2020 kam nicht nur ein aufwendig erarbeitetes Sicherheits- und Hygienekonzept hinzu, sondern auch eine Abweichung vom gewohnten und bewährten Festivalkonzept: Ein Highlight und krönender Abschluss der Veranstaltung sind normalerweise die beiden Festivaltage im Deutschen Theater, an denen im großen Saal, im Keller sowie im Studio parallel Konzerte stattfinden. Der besondere Reiz für die Besucher: Sie können sich treiben lassen, zwischen den Auftritten hin und her flanieren und dabei auch neue, noch nicht so bekannte Künstler für sich entdecken.

Ein „Gewusel“, wie Sebastian Otto es nennt, das in diesem Jahr so nicht möglich gewesen wäre. Ein durchdachtes Alternativkonzept gab es dennoch: Auf der großen Bühne hätten pro DT-Abend zwei Gruppen in zwei Schichten gespielt. Zwischen den Schichten hätte das Publikum gewechselt. Konzerte lokaler Bands, die sonst auf den Nebenbühnen des DT aufgetreten wären, hätte man auf andere Tage und Veranstaltungsorte verteilt. Ein Konzept, das trotz aller Umplanungen und Einschränkungen für ein fast ausverkauftes Festival gesorgt hat. Oder auch hier gilt vielmehr: hätte.

Für Jazzfans heißt es jetzt warten bis zum November 2021. Dann soll das Jazzfestival, so der derzeitige Plan, mit einem Teil der Künstler aus 2020 stattfinden - in bewährter Qualität und mit dem gewohnten „Gewusel“ im Deutschen Theater, hofft auch der Geschäftsführer. Sollte die Corona-Situation unverändert bleiben, müsse man das Festival neu denken: „Ich glaube, das geht der gesamten Kulturszene so, dass sie sich Gedanken darüber machen muss, wie man in der kommenden Zeit veranstalten kann.“

Schon im Editorial des diesjährigen Festival-Programmhefts steht nicht umsonst: Jazz ist eine Improvisationskunst, ausgeübt von Überlebenskünstlern. (Von Anke Heidenreich)

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