Erfolgreiche Revision der Staatsanwaltschaft

Überfall auf Rentnerin in Göttingen wird neu aufgerollt: 25-Jähriger muss erneut vor Gericht

Gerichtsgebäude in Göttingen: Landgericht und Amtsgericht Göttingen am Maschmühlenweg.
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Gerichtsgebäude in Göttingen: Landgericht und Amtsgericht Göttingen am Maschmühlenweg.

Weil er im September 2019 eine 83-Jährige überfallen haben soll, muss ein 25-Jähriger nun erneut vor Gericht. Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil gegen den Mann aufgehoben.

Göttingen – Weil der Bundesgerichtshof (BGH) das erstinstanzliche Urteil aufgehoben hat, muss sich ein 25-jähriger Mann seit Mittwoch, 30. Juni, erneut wegen eines folgenschweren Raubüberfalls auf eine 83-jährige Frau vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Im ersten Verfahren hatte das Landgericht den Angeklagten im Februar 2020 zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt – mit Erfolg: Nach Ansicht des 6. Strafsenats haben die Richter der 2. großen Strafkammer wesentliche Umstände des Falles außer Betracht gelassen.

Der BGH hob das Urteil auf und verwies den Fall zur Verhandlung an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurück.

Erneuter Prozess nach Raubüberfall in Göttingen: Feststellungen zum Tatgeschehen nicht beanstandet

In dem zweiten Prozessanlauf muss nun die 1. große Strafkammer insbesondere darüber befinden, wie die Tat strafrechtlich zu bewerten ist und wie hoch die Strafe ausfallen soll. An den Feststellungen zum äußeren Tatgeschehen hatte der BGH nichts zu beanstanden.

Demzufolge hatte der bereits einschlägig vorbestrafte Angeklagte Anfang September 2019 an einer Sparkassenfiliale in der Göttinger Innenstadt nach einer älteren Person Ausschau gehalten. Dort fiel ihm die 83-jährige Rentnerin auf, die an diesem Tag 1500 Euro abhob.

Erneuter Prozess nach Raubüberfall in Göttingen: 25-Jähriger ließ Rentnerin blutend zurück

Als die Rentnerin die Sparkasse verließ und in einen Bus stieg, entschloss sich der 25-Jährige, sie zu überfallen. Er stieg in den Bus und folgte ihr bis zu ihrem Wohnhaus, das er hinter ihr betrat. Als die Frau die Treppe hinaufgehen wollte, griff er nach dem Riemen ihrer Handtasche, die sie über der linken Schulter trug. Er zog kräftig an der Tasche, die Frau hielt sie aber mit beiden Händen fest.

Der Mann riss weiter, daraufhin verlor die 83-Jährige das Gleichgewicht, stürzte die Stufen hinunter und auf die linke Gesichts- und Körperhälfte. Der Angeklagte ließ die blutende und um Hilfe rufende Frau am Boden liegen und flüchtete.

Erneuter Prozess nach Raubüberfall in Göttingen: 83-Jährige hat noch immer mit Folgen zu kämpfen

Die 83-Jährige erlitt auch einen Nasen- und einen Jochbeinbruch, musste sich zwei Operationen unterziehen. Da ihre Gesichtsnerven gereizt wurden, sind Teile der linken Gesichtshälfte taub, das linke Auge tränt ständig, die Nase läuft ununterbrochen.

Sie hat Schmerzen in der Schulter, die teilweise bis in die Finger ausstrahlen. Sie leidet unter Albträumen und ist nicht in der Lage, allein Geld bei der Bank zu holen.

Erneuter Prozess nach Raubüberfall in Göttingen: Oft durch Körperverletzungsdelikte aufgefallen

In dem ersten Prozess hatte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten gefordert. In seinem Plädoyer wies er darauf hin, dass der Angeklagte drei Jahre zuvor eine Tat nach dem gleichen Muster begangen habe.

Der 25-Jährige habe ein „unglaublich erschreckendes Verhältnis“ zur körperlichen Integrität anderer Personen und sei oft durch Körperverletzungsdelikte aufgefallen.

Erneuter Prozess nach Raubüberfall in Göttingen: Seit September 2019 in U-Haft

Das Landgericht bewertete die Tat nicht als schweren, sondern nur als einfachen Raub und begründete das auch damit, dass es bei früheren Handtaschenrauben nur zu leichten Verletzungen des Opfers gekommen sei und sich dem Angeklagten derart schwerwiegende Folgen nicht von vornherein hätten aufdringen müssen.

Diese Beweiswürdigung halte einer rechtlichen Überprüfung nicht stand, rügte der BGH. So sei dem Angeklagten nach Überzeugung der Kammer bewusst gewesen, dass die 83-Jährige auf der Treppe stürzen und sich verletzen konnte.

Auch monierte der Senat, dass dem hafterfahrenen Angeklagten die erlittene Untersuchungshaft nicht strafmildernd zugutegehalten werden dürfe. Der 25-Jährige sitzt seit seiner Festnahme im September 2019 in U-Haft. (Heidi Niemann)

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