45 Monate Haft

Überfall in Göttingen: 38-Jähriger wegen Raubes verurteilt

+
Das Göttinger Iduna-Zentrum: Hier soll ein 38-Jähriger einen Bewohner überfallen und beraubt haben. 

Ein Raubüberfall im Göttinger Iduna-Zentrum hat jetzt ein strafrechtliches Nachspiel gefunden.

Das Landgericht Göttingen verurteilte einen 38-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Juli 2019 in dem Wohnkomplex an die Tür eines Bewohners geklopft hatte. Als dieser öffnete, habe er ihm ins Gesicht geschlagen. Das Opfer verlor zwei Zähne. Dann habe der 38-Jährige Kameras, Handys sowie Bargeld in eine Tasche gepackt und die Wohnung verlassen. Damit habe er sich des Raubes und der Körperverletzung schuldig gemacht.

Das Gericht ordnete zudem seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der 38-Jährige habe mit der Beute Drogen finanzieren wollen, sagte der Vorsitzende Richter Martin Speyer. Der Angeklagte sei seit vielen Jahren drogenabhängig. Eine Woche vor der Tat sei er aus der Haft entlassen worden. Da er noch keine Verschreibung für eine Ersatzdroge gehabt habe und nicht sofort substituiert worden sei, habe er unter einem erheblichen Suchtdruck gestanden. Seine Steuerungsfähigkeit sei zur Tatzeit erheblich beeinträchtigt gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Haft gefordert und darauf verwiesen, dass der Angeklagte erheblich vorbestraft sei. Die Tat habe erhebliche Folgen gehabt, der Geschädigte habe sich danach nicht mehr aus dem Haus getraut. Der Angeklagte hatte die Tat vehement bestritten. Seine Verteidiger plädierten auf Freispruch, da die Täterschaft nicht nachgewiesen sei. Es stehe Aussage gegen Aussage. Außerdem stelle sich die Frage, warum der Wohnungsinhaber erst eineinhalb Tage später Strafanzeige erstattet habe.

Die Tat war zunächst unbemerkt geblieben. Am Abend des folgenden Tages hatte der Betroffene seinem Betreuer von dem Überfall erzählt. Der verständigte die Polizei. Als die eintraf, wurde einer der Beamten hellhörig. Er war am Abend zuvor auf den Angeklagten getroffen: Der 38-Jährige war in eine Auseinandersetzung mit einem Taxifahrer verwickelt gewesen. In einer Tasche des 38-Jährigen fanden die Polizisten unter anderem Kameras und einen Sozialversicherungsausweis, der auf eine andere Person ausgestellt war. Der Angeklagte erklärte, dass der Ausweisinhaber ein Kumpel sei. Als der Beamte am nächsten Abend den mutmaßlich überfallenen Wohnungsinhaber im Iduna-Zentrum befragte, erinnerte er sich, dass er dessen Namen auf eben diesem Sozialversicherungsausweis gelesen hatte.

Bei den Ermittlungen stießen die Beamte auf ein weiteres Indiz: In der Wohnung des Geschädigten lag eine Spritze, an der sich DNA-Spuren des 38-Jährigen befanden. Was genau sich abgespielt hat, ließ sich in dem Prozess nicht klären. So sei auch unklar, ob sich die beiden Männer vorher gekannt hätten, sagte der Richter.

VON HEIDI NIEMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.