Landgericht Göttingen verhängt schwere Strafen

Wegen vergessenem Handy: Überfall mit Schlagstock und Pfefferspray

Pfefferspray: Atmen Menschen das Gas mit Chili-, Paprika- oder Cayenne-Pfeffer-Extrakten ein, ringen sie oft um Atem und können im Extremfall sogar ersticken. (Symbolbild)
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Pfefferspray: Atmen Menschen das Gas mit Chili-, Paprika- oder Cayenne-Pfeffer-Extrakten ein, ringen sie oft um Atem und können im Extremfall sogar ersticken. (Symbolbild)

Schwere Strafen nach Überfall in Göttingen: Aufgrund einer Lappalie verletzen und berauben zwei Männer ihre Bekannten.

  • Zwei Männer begehen Überfall auf drei Bewohner einer Wohnung in Göttingen
  • Täter verletzten Opfer mit Schlagstock und Pfefferspray und rauben sie aus
  • Die Inhaberin der Wohnung war schwanger

Göttingen/Northeim – Das Landgericht Göttingen hat am Montag, 13.07.2020, einen bereits vielfach vorbestraften 33-jährigen Mann aus Einbeck wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten verurteilt.

Ein mitangeklagter 18-Jähriger aus Northeim, der ebenfalls bereits mehrfach straffällig geworden ist, erhielt eine Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten im Juni vergangenen Jahres drei Bewohner einer Wohnung in Göttingen angegriffen, verletzt und beraubt haben. Dabei kamen Pfefferspray und ein Schlagstock zum Einsatz.

Gericht in Göttingen: Verteidiger plädierte auf deutlich geringere Strafe

Das Gericht in Göttingen folgte mit seinem Urteil im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für den 33-Jährigen eine Gesamtstrafe von sechs Jahren und neun Monaten und für den 18-Jährigen eine Jugendstrafe von zwei Jahren und vier Monaten gefordert.

Der Verteidiger des 33-Jährigen plädierte dagegen auf eine deutlich geringere Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren sowie die Unterbringung in einer Erziehungsanstalt.

Der Verteidiger des 18-Jährigen beantragte, lediglich einen Arrest anzuordnen. Ferner sollte seinem Mandanten die Weisung erteilt werden, zehn Termine Einzelcoaching zu absolvieren.

Göttingen: Diesmal gehe kein Weg an der Jugendstrafe vorbei, so der Richter

Der Vorsitzende Richter Michael Kalde verwies darauf, dass beide Angeklagte eine „schwierige Entwicklungsgeschichte“ und eine teilweise langjährige Drogenkarriere haben. Der 33-Jährige habe bereits 17 Eintragungen im Strafregister und mehrfach in Haft gesessen. Eine in einem früheren Strafverfahren angeordnete Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei nach nur zweieinhalb Monaten gescheitert.

Auch der 18-Jährige habe sich bisher allen Hilfeleistungen strikt verweigert. Aus erzieherischen Gründen gehe diesmal kein Weg an der Jugendstrafe vorbei, sagte der Richter. Der 18-Jährige habe sich in keinerlei Weise darum bemüht, einen guten Eindruck zu machen, im Gegenteil: „Alles geht hier rein und da raus.“

Landgericht Göttingen: Besonders schwerwiegend sei, dass die betroffene Wohnungsinhaberin zu der Zeit schwanger war

Der Angeklagte sei nicht nur zweimal verspätet zur Verhandlung erschienen, sondern habe auch nichts von seiner vorherigen Verurteilung umgesetzt. Als besonders schwerwiegend sei auch zu werten, dass die drei Überfallenen gute Freunde des 18-Jährigen gewesen seien und die betroffene Wohnungsinhaberin zu der Zeit schwanger war. Der 18-Jährige habe dies gewusst, da er zuvor selbst dort gewohnt habe.

Als Grund für den Überfall hatten die Angeklagten angegeben, dass die Freunde dem 33-Jährigen ein Handy und Drogen gestohlen hätten. Tatsächlich habe der 33-Jährige sein Handy in deren Auto liegen lassen und sei sauer gewesen, dass diese es nicht gleich zurückgebracht hätten, sagte der Richter. Von Heidi Niemann

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