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Ex-Kanzler Gerhard Schröder soll kein Ehrendoktor mehr sein: Druck auf Uni Göttingen wächst

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Von: Thomas Kopietz

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Zu Gast bei der Universität Göttingen im Jahr 2012: Damals sprach Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) über die Agenda 2010.
Zu Gast bei der Universität Göttingen im Jahr 2012: Damals sprach Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) über die Agenda 2010. Jetzt fordern viele die Aberkennung seiner Ehrendoktorwürde (Archivfoto). © Thomas Kopietz

Ex-Kanzler Gerhard Schröder distanziert sich nicht vom Ukraine-Krieg. Viele fordern, ihm die Ehrendoktorwürde zu entziehen. Der Druck auf die Uni Göttingen wächst.

Göttingen – Nachdem Borussia Dortmund Gerhard Schröder (77) die Ehrenmitgliedschaft wegen seiner Haltung zum russischen Einmarsch in der Ukraine und zu dessen „Freund“ Wladimir Putin entzogen hat und in der SPD ein Parteiausschlussverfahren Thema ist, wackelt auch die Ehrendoktorwürde des Ex-Bundeskanzlers an der Georg-August-Universität Göttingen.

Schröder studierte an der Uni Göttingen von 1966 bis 1971 Rechtswissenschaften. Später als politisch verantwortlicher Ministerpräsident förderte er die Universität und kam dorthin auch gerne zu Besuch. Die Universität wirbt derweil noch mit Schröder als prominenter Alumni.

Ex-Kanzler Gerhard Schröder soll kein Ehrendoktor mehr sein: Druck auf Universität Göttingen wächst

Aktuell wächst der Druck auf die Universität, die Ehrendoktorwürde zu entziehen. „Wir beschäftigen uns zurzeit mit der Frage, wie wir mit der Ehrendoktorwürde von Gerhard Schröder umgehen sollen“, teilte Uni-Sprecher Romas Bielke auf Anfrage unserer Zeitung mit. Noch sei aber keine Entscheidung gefallen.

Derweil steigt der öffentliche Druck auf die Uni-Spitze, Schröder die Ehrendoktorwürde zu entziehen, die dem Alumni der Göttinger Uni von den naturwissenschaftlichen Fakultäten verliehen wurde – für seinen besonderen Einsatz als Ministerpräsidenten für die Göttinger Naturwissenschaften. Am Mittwoch (02.03.2022) forderten die Junge Union Göttingen und der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), die Göttinger CDU, die Jungen Liberalen und die Liberale Hochschulgruppe die Aberkennung des Ehrentitels.

Ex-Kanzler Gerhard Schröder soll Ehrendoktorwürde in Göttingen verlieren: Keine Distanz zu Ukraine-Krieg

„Ein Ehrendoktor soll immer auch ein Aushängeschild der Universität darstellen. Gerhard Schröder hat es aber bis heute nicht geschafft, sich von seinem engen Vertrauten Wladimir Putin und dessen aggressiven Kriegshandlungen zu distanzieren. Wer sich nicht klar gegen Krieg und für ein friedliches Zusammenleben der Völker bekennen kann, darf nicht prestigeträchtig gewürdigt werden“, sagt Christoph Schröder, Vorsitzender des JU Stadtverbands.

Inken Wellmann, Landesvorsitzende des RCDS Niedersachsen wirft Schröder eine „fehlende Distanz zu dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Putins“ vor und sagt: „Schröder ist der Ehrendoktorwürde einer niedersächsischen Universität unwürdig.“

„Im Rahmen seines Jurastudiums dürfte Schröder definitiv mit dem Bereich der Rechtsethik in Berührung gekommen sein“, bemerkt Valentin Kukuk vom RCDS Göttingen. „Es ist unethisch und unwürdig eines Altkanzlers, aus rein monetären Gründen an Posten festzuhalten, während auf der anderen Seite der Waagschale ein starker Verstoß gegen das Völkerrecht und die Menschenwürde liegt.“

Göttingen: Aberkennung der Ehrendoktorwürde von Ex-Kanzler Gerhard Schröder gefordert

„Gerhard Schröder hat zwar Putin aufgefordert den Krieg zu beenden, aber seine Posten bei russischen Staatskonzernen hat er bis dato nicht aufgegeben“, sagt Zoe Achterberg von den Jungen Liberalen Göttingen. Auch eine weitere Distanzierung zu Putin habe nicht stattgefunden. „Das ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Demokraten“, so Achterberg.

Till Warning, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Göttingen-Mitte weist auf die laufende Petition mit dem Titel „Gerd ist kein Ehrenmann – Weg mit dem Göttinger Ehrendoktor für Gerhard Schröder“ hin, die die sofortige Aberkennung der Ehrendoktorwürde fordert. „Die Göttinger Bürger stehen fest an der Seite der Ukraine, wie die Kundgebungen zeigen. Ein Göttinger Ehrendoktor für Deutschlands besten Putin-Freund ist untragbar.“ Schröder erhielt neben Göttingen auch Ehrendoktorwürden der Universitäten St. Petersburg, Tonji in Shanghai und Marmara in Istanbul.

Ex-Kanzler Gerhard Schröder soll Ehrendoktorwürde verlieren: Uni Göttingen hat noch keine Entscheidung

Während des Studiums in Göttingen, an das sich Schröder, wie zuvor an den Besuch der Abendschule dort und die Lieblingslokale „Just“ und „Potis“ gerne erinnerte, war er auch Vorsitzender der Göttinger Jungsozialisten (Jusos), was als Startpunkt seiner politischen Karriere in der SPD angesehen werden kann.

„Die Universitätsleitung sollte schnell zu einer Entscheidung kommen. Es könnte ein schlechtes Licht auf die Universität im Ganzen werfen, wenn man an dieser Stelle untätig bleibt“, sagte CDU-Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler. Handeln will auch Hannover 96, dort will man den Fan und das Ehrenmitglied Schröder rauswerfen, meldete die Deutsche Presseagentur am Mittwoch (02.03.202). (Thomas Kopietz)

Einige Mitarbeiter haben sich bereits von Gerhard Schröder abgewandt.

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