Umfrage in niedersächsischen Betrieben

Ausbilder sind meist zufrieden mit den Auszubildenden

Konzentriert dabei: Eine Auszubildende bei Airbus an einem Werkstück. Foto: Marcus Brandt/dpa

Hannover - Vor allem mit den sozialen Kompetenzen und der Motivation der Auszubildenden sind Ausbilder in Niedersachsen zufrieden, wie eine Umfrage ergab.

Die Handwerksmeister in Niedersachsen sind mit ihren Auszubildenden meist zufrieden oder gar sehr zufrieden. Das ist das Ergebnis einer landesweiten Umfrage in mehr als 2100 Betrieben, die im August diesen Jahres lief. Die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) hatte die Befragung für die sechs niedersächsischen Handwerkskammern übernommen. 23 Prozent der befragten Betriebe gaben ihren Auszubildenden die beste Beurteilung – „sehr zufrieden“. Immerhin 66 Prozent sind „zufrieden“, nur elf Prozent waren unzufrieden.

In den „sehr zufriedenen“ Betrieben wird deutlich, was die Ausbilder an ihren Auszubildenden besonders schätzen: Zuverlässigkeit, Interesse und Aufgeschlossenheit“, Motivation und Teamfähigkeit sowie Disziplin und Umgangsformen.

Diese sozialen Fähigkeiten spielen für Ausbildungsbetriebe eine konstant wichtige Rolle. Bei den weniger zufriedenen Rückmeldungen werden vor allem Mängel bei den „elementaren Rechenfertigkeiten“ sowie bei dem „mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen“ angeführt.

Wichtig gute Grundbildung

Laut Handwerkskammern seien deshalb vor allem die Elternhäuser und Schulen gefordert, Wert auf eine gute Grundbildung in Rechnen und Schreiben zu legen. Das sei ein bekanntes Problem, hatte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen mit Sitz in Göttingen, Andreas Gliem, schon vor einem Jahr in einem Gespräch gesagt und dabei auch erwähnt, dass manche Ausbilder ihren Auszubildenden Nachhilfe geben und Schulmateralien bereitstellen, um Mängel auszugleichen. Auch das sei landesweit zu beobachten, so die LHN.

Wichtige Betriebspraktika

Die Verantwortlichen der niedersächsischen Handwerksbetriebe achten aber auch auf die schulische Berufsorientierung. Zwei Drittel nehmen an Berufsorientierungsmaßnahmen der Schulen teil. Gleichzeitig müssen die Berufsschulen mit Betrieben noch stärker in Kontakt gebracht werden, sagt Dr. Tobias Roeder von der LHN: „Über Betriebspraktika können mehr Einblicke in die Betriebswirklichkeit gegeben werden.“

95 Prozent der befragten Betriebe gaben an, Schülerpraktika anzubieten. Damit könne man sich Schülerinnen und Schülern präsentieren und Vorbehalte gegenüber dem Handwerk abbauen. Gefragt ist die Teilnahme an regionalen Berufsmessen. In Südniedersachsen präsentieren sich beim Göttinger Berufsinformationstag (GöBit) stets mehr als 160 Aussteller – und werden von vielen Tausenden besucht.

Schulische Leistungen sind nicht alles

Schulische Leistungen sind im Handwerk jedoch nicht allein ausbildungsentscheidend. Das beweisen die Antworten auf die Frage: „Wie wichtig sind Ihnen die Schulabschlussnoten oder der Schulabschluss?“, antworteten 35 Prozent „wichtig“, 61 Prozent „weniger wichtig“ und knapp vier Prozent „überhaupt nicht wichtig“. Das, so die LHN zeige, „dass im Handwerk grundsätzlich alle Jugendlichen eine Chance haben – auch junge Menschen mit schulischen Schwierigkeiten“.

Mehr Abiturienten im Handwerk

Bereits seit Jahren steigt auch im Handwerk der Anteil der Abiturienten kontinuierlich. Heute absolvieren 12,3 Prozent mit Abitur ihre Ausbildung im Handwerk. Sie schätzen laut Umfrage die Ausbildung als gute Basis für den beruflichen Einstieg.

Besonders viele Abiturienten sind unter den Kraftfahrzeugmechatronikern, Tischlern, Elektronikern für Energie- und Gebäudetechnik und den Gesundheitshandwerken wie Zahntechnikern und Augenoptikern zu finden. Aber: Manche Betriebsleiter zögern noch, Abiturientinnen und Abiturienten direkt auf eine Ausbildung anzusprechen: Laut Umfrage gehen nur sechs Prozent aller Befragten auf diese Schülergruppe zu.

Nach einem stetigen Rückgang verzeichnete die Statistik 2017 und 2018 einen Anstieg der Azubi-Zahlen im deutschen Handwerk: 368 000 Lehrlinge wurden gezählt – 1998 waren es rund 625 000 gewesen. (tko)

VON THOMAS KOPIETZ

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.