So lassen sich Infektionen reduzieren

Weender Krankenhaus Göttingen: Dr. Jana Seele erhält Förderpreis für Forschung im geriatrischen Bereich

Dr. Jana Seele (vorne) zusammen mit Prof. Dr. Roland Nau (Chefarzt Geriatrisches Zentrum im EKW) und Prof. Dr. Marija Djukic (Ltd. Oberärztin Geriatrisches Zentrum EKW).
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Dr. Jana Seele (vorne) mit Prof. Dr. Roland Nau (Chefarzt Geriatrisches Zentrum im EKW) und Prof. Dr. Marija Djukic (Ltd. Oberärztin Geriatrisches Zentrum EKW).

Der mit 3000 Euro dotierte Förderpreis der Rolf-und-Hubertine-Schiffbauer-Stiftung geht in diesem Jahr an Dr. Jana Seele.

Göttingen – Die Postdoktorandin am Geriatrischen Zentrum des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende (EKW) und am Institut für Neuropathologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat mit einem interdisziplinären Team aus Biologen, Chemikern, Statistikern und Medizinern eine Studie durchgeführt, um Infektionen mit Toxin-bildenden „Clostridioides difficile  (TCD), einer Bakterienart, bei geriatrischen Patienten zu reduzieren.

Das Immunsystem im Alter verändert sich und kann schlechter mit Infektionen umgehen. Infektionen durch Clostridioides difficile stellen derzeit bei der Behandlung von über 65-jährigen Personen eine der größten krankenhaushygienischen Herausforderungen dar. Durchfall, und bei schweren Verläufen Darmverschluss, pseudomembranöse Colitis (PMC), toxisches Megakolon, Darmperforationen und Sepsis können die Folgen sein.

Dr. Jana Seele: Mit Maßnahmenbündeln gegen TCD-Infektionen

In seiner Studie hat das Team um Dr. Jana Seele von Mai 2017 bis Februar 2020 zunächst im geriatrischen Zentrum des EKW mit Einzelmaßnahmen und anschließend in den drei geriatrischen Kliniken des EKW, des Evangelischen Krankenhauses Gesundbrunnen Hofgeismar und der DRK-Kliniken Nordhessen, Standort Kaufungen, mit Maßnahmenbündeln versucht, diese TCD-Infektionen zu reduzieren.

Dazu zählten die Flächendesinfektion der gesamten Station mit einem Desinfektionsmittel, das Bakterien und Pilze abtötet, probiotischer Trinkjoghurts zur Stärkung der Darmflora der Patienten und die Verbesserung der persönlichen Hygiene infizierter TCD-Patienten im Vergleich zur Standard-Krankenhaushygiene. „Letzterer Patientengruppe haben wir zusätzlich angeboten, die Bettwäsche täglich zu wechseln und die Kleidung zu reinigen, um die Verbreitung der Bakterien und insbesondere der bakteriellen Sporen zu reduzieren“, sagt Dr. Jana Seele.

Maßnahmenbündel hatten Erfolg: Häufigkeit der Infektionen sank um rund 40 Prozent

Das Maßnahmenbündel führte zu einer positiven Veränderung: Die Anzahl und Häufigkeit der Infektionen in allendrei geriatrischen Zentren sank um rund 40 Prozent – während die Einzelmaßnahmen ineffektiv erschienen.

„Das Preisgeld setzen wir dafür ein, um das Projekt weiterzuführen“, sagt Seele. Mit Blick in die Zukunft wünscht sich die Preisträgerin, dass noch mehr Wert auf Hygiene und Ernährung im Krankenhaus gelegt wird. „Das geht bereits mit relativen einfachen Maßnahmen. Indem zum Beispiel probiotische Joghurts anstatt ultrahocherhitzte Standardjoghurtsangeboten werden. Oder indem noch häufiger die Bettwäsche gewechselt wird.“

Der Förderpreis der Rolf-und-Hubertine-Schiffbauer-Stiftung zur Förderung der interdisziplinären Altersforschung wurde im Rahmen des Online-Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) verliehen. (Paul Bröker)

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