Vergütung ist Teil der Wertschätzung

UMG-Mitarbeiter fordern gleiches Geld für gleiche Arbeit

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Klare Forderung: 150 Mitarbeiter der UMG-Klinikservice GmbH und Verdi-Vertreter machten sich am Donnerstagmittag auf den Weg und übergaben Unterschriften sowie eine Petition mit Forderungen für eine gleiche Bezahlung an den UMG-Vorstand.

Göttingen. Mehrere hundert Beschäftigte an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) begehren auf – sie fordern, unterstützt von der Gewerkschaft Verdi gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Die Bediensteten kommen aus Tochterfirmen der UMG, so der UMG-Klinikservice GmbH.

150 Mitarbeiter gingen Donnerstagmittag unterstützt von Verdi-Gewerkschaftlern zum Container des UMG-Vorstandes, gaben dort eine Unterschriftensammlung und eine Petition ab. Fazit: Das Arbeitgeber-Angebot ist inakzeptabel.

Von den 700 Angestellten dort haben sich mittlerweile 250 gewerkschaftlich organisiert, weil sie „etwas ändern wollen“, wie Tanja Pfahlert sagt. Sie beklagt eine extreme Ungleichbehandlung bei der Bezahlung zwischen Mitarbeitern mit alten UMG-Verträgen und neuen GmbH-Verträgen.

Pfahlert verdient, trotz weitreichenderer Qualifikation, deutlich weniger als ungelernte Kräfte mit Altvertrag. Bei einer 28-Stunden/Woche-Stelle zahlt die Reinigung-GmbH ein Bruttogehalt von 1330 Euro im Monat. Mitarbeiter mit Alt-UMG-Vertrag in Gruppierung 2 verdienen gut 300 Euro mehr. Über das Jahr gerechnet kommt, auch verursacht durch höheres Urlaubsgeld und Betriebsrente, eine Differenz von etwa 6200 Euro, oder 38 Prozent mehr, beziehungsweise weniger für GmbH-Angestellte heraus.

Damit soll Schluss sein, sagt Patrick von Brandt, bei Verdi zuständig für den Bereich Gesundheitswesen. „Hygiene ist mehr wert – wir sind mehr wert!“, ist der Titel der Kampagne, die ganz klare Forderungen an die GmbH-Geschäftsleitung, nun auch an den UMG-Vorstand richtet und das bisherige Angebot von Anfang September als „respektlos“ gegenüber den Mitarbeitern bezeichnet. Die Kritikpunkte der Gewerkschaft:

• Die nun angebotene Regelarbeitszeit von 38,5 Wochenstunden gebe es quasi bereits. Formal arbeiten die Kollegen in einer 39 Std.-Woche, defacto aber fast alle in einer 38,5 Std/Woche, also Teilzeit, wenn sie denn überhaupt so viele Stunden haben).

• Die Umwandlung des Urlbaubsgeldes in eine Jahressonderzahlung von 750 Euro für Vollzeitkräfte (Teilzeitkräfte anteilig) ist „weit entfernt von einem echten 13. Gehalt“, so Verdi.

• Von Gehaltserhöhungen zwischen 1 bis 3,78 Prozent sowie auch durch Höhergruppierung blieben viele Mitarbeiter außen vor.

• Verdi kritisiert auch, dass es kein Angebot bezüglich der geforderten Stufenaufstiege gibt, wie sie bei alten UMG-Verträgen existieren.

• Das Angebot der GmbH würde laut Verdi im Jahr nicht mal eine Million Euro kosten. Das wären etwa 100 Euro brutto mehr pro Vollzeitkraft. „Damit sollen die 700 GmbH-Beschäftigen ruhig gestellt werden“, heißt es.

Mit sieben Millionen Euro Mehrausgabe pro Jahr – ein Prozent des UMG-Jahreshaushalts – wäre eine Gleichstellung hergestellt. „Genau das fordern wir“, sagt Patrick von Brandt.

Konkret bedeutet das: Bezahlung nach Tarifvertrag und Zuschläge – eine echte Jahressonderzahlung und eine Betriebsrente. Denn, den meisten Mitarbeitern drohe zur Zeit die Altersarmut. Eine private Zusatzversicherung ist bei den Löhnen nicht drin, wie von Brandt ausführt. Tatjana Pfahlert, die von der Klinikservice GmbH auf dem zentralen Uni-Campus eingesetzt wird, möchte aber in jedem Fall ihren Arbeitsplatz behalten: Die Arbeit macht ihr Spaß. „Ich habe sehr nette Kollegen und es passt in meine Zeitplanung als Mutter.“

Leider verdient Pfahlert (zu) wenig, wie viele Kollegen mit GmbH-Verträgen, was auch innerbetrieblich zunehmend zum Problem wird, wie Betriebsratsvorsitzender Daniel Wölfer sagt. „Motivierend ist das System nicht.“

Universitätsmedizin Göttingen: Mitarbeiter der UMG-Klinikservice GmbH übergeben Unterschriften und eine Petition an den UMG-Vorstand.

Nun setzen die Mitarbeiter und Verdi also auf Unterstützung durch den UMG-Vorstand. Die Petition ist ein Appell und der Hinweis darauf, dass GmbH-Angestellte „manchmal gar einen Zweitjob brauchen, um finanziell über die Runden zu kommen“, wie Wölfer betont. 

Interview: UMG-Hygiene-Chefin Simone Scheithauer über unterschiedliche Bezahlung

Im Streit um eine gleiche Bezahlung für gleiche Tätigkeiten an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) im Bereich der UMG-Klinikservice GmbH sprachen wir mit Prof. Dr. Simone Scheithauer, sie leitet die Zentralabteilung Krankenhaushygiene, die organisatorisch direkt unter der Vorstandsebene angesiedelt ist, was die Bedeutung unterstreicht.

Welche Rolle spielt die Reinigung im komplexen Gesamtkonzept der Krankenhaushygiene? 

Prof. Dr. Simone Scheithauer: Die Reinigung gehört nicht zur Krankenhaushygiene. Verantwortungsvolle und gut geschulte Mitarbeiter des Hauswirtschaftlichen Dienstes spielen jedoch eine relevante Rolle zur Sicherstellung hygienischer, zum Teil gesetzlicher Auflagen im Krankenhaus.

Sind Mitarbeiter der Klinikservice GmbH, die deutlich weniger verdienen als Kollegen mit Altverträgen, ein Risiko im Bestreben nach hoher Qualität in der Krankenhaushygiene? 

Scheithauer: Die Qualität einer Arbeitsleistung – egal in welchem Bereich – hängt nicht automatisch von der Vergütung ab. Gleichwohl wird die Vergütung als Teil der Wertschätzung wahrgenommen. Eine Gefahr, wenn man es so nennen will, sehe ich eher in einer nicht realistischen Kalkulation des Arbeitspensums.

Sind generell Gehaltsgefälle für ähnliche oder gleiche Tätigkeiten ein Problem für Führungskräfte in Abteilungen – wünschen Sie sich andere homogenere oder schlicht gerechtere Regelungen?

Scheithauer: Das ist in der Tat eine Herausforderung. In der Tat bestehen oft – historisch gewachsene- inhomogene Vergütungsstrukturen für Beschäftigte mit identischen Ausbildungen respektive Aufgaben. Ich persönlich würde auf der anderen Seite eine höhere Flexibilität, also die Möglichkeit zur leistungsbezogenen Vergütung in besonderen Bereichen und Situationen begrüßen.

Gibt es mehr Probleme mit der Arbeitsqualität von outgesourcten Mitarbeitern im Vergleich zu UMG-eigenen? 

Scheithauer: Wir befinden uns an der Universitätsmedizin Göttingen in der komfortablen Situation, dass wir im Alltag bislang keinen Unterschied wahrnehmen und mit den Tochtergesellschaften sehr gut zusammen arbeiten. Ein Problem kann aus meiner Sicht eine komplette Fremdvergabe in sensiblen Bereichen darstellen. Dies ist leider in Bezug auf das Reinigungspersonal an vielen Kliniken bereits heute Standard.

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