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UMG-Neubau: Zugriff auf 425 Millionen Euro - aber Mitarbeiter zweifeln an Baustarttermin

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Von: Thomas Kopietz

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Am Bauzaun des Baufeldes für den Uni-Klinik-Neubau in Göttingen hängt ein Transparent. Es zeigt, wie Teil 1 des Neubaus aussehen soll. Im HIntergrund das Bettenhaus 1, das abgerissen werden muss. Links das Multi-Hauptgebäude.
Baustelle: Das Baufeld an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), wo ein neues Bettenhaus und Operationszentrum entstehen soll. Foto: Thomas Kopietz © Thomas Kopietz

Für die Baustufe 1 des Uni-Klinik-Neubaus kann die Universitätsmedizin Göttingen nun über rund 425 Millionen Euro verfügen.

Göttingen – Es war am Freitagmittag auf dem Gelände der Göttinger Uni-Klinik der zigste Termin, bei dem es darum ging, die Fortschritte des gewaltigen Neubauprojekts zu präsentieren. Diesmal hatte Wissenschaftsminister Björn Thümler vor dem Bauzaun der seit Jahren eingerichteten Baugrube aber etwas Handfestes dabei: Er drückte den UMG-Vorständen Wolfgang Brück und Lorenz Trümper, vor allem aber dem Geschäftsführer der UMG-Baugesellschaft Christian Kilz, eine Urkunde über einen Förderbescheid in die Hand – nicht aber ohne das obligatorische Foto machen zu lassen. Es ist ja Wahlkampf-Endspurt.

Und es geht um sehr viel Geld: exakt 425,5 Millionen Euro. Genehmigt worden war diese Summe für die Baustufe 1 des Neubaus – die beinhaltet das Operationszentrum, das Herz-, Neuro- und Notfallzentrum – bereits vor Wochen. Am Freitag aber hielten die UMG-Vertreter den „Finanzhilfebescheid“ des Landes physisch in den Händen.

„Wir können nun auf die Summe zugreifen“, sagte Vorstandssprecher Wolfgang Brück, der das wie seine Vorstandskollegen als Zeichen wertet. Nun würden die Türen für den Klinikneubau und die erste Baustufe weit aufgestoßen“. Eine langfristig gesicherte Versorgung der Patienten und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen würden nun greifbar.

UMG-Neubau: Mitarbeiter wurden schon oft enttäuscht

Eben diesen Zugriff und die Signalwirkung, transportiert über einen Akt der Übergabe eines Finanzhilfebescheides, empfinden viele Klinikum-Mitarbeitende so gar nicht, wie die Personalratsvorsitzende Erdmuthe Bach-Reinert beschreibt: „Das Thema ist bei vielen Mitarbeitenden in den Hintergrund getreten. Es hat in der langen Zeit schon so oft Signale gegeben wie: Jetzt geht es los. Aktuell aber dominieren andere Sorgen und Probleme die Gedanken der UMG-Mitarbeiter.“

Von denen würden viele, die schon 2005 von ersten Planungen erfahren hatten, den sichtbaren Baustart gar nicht mehr als aktive Mitarbeiter erleben, weil sie vorher in Rente gingen. Die Belastungen aufgrund der erheblichen Baumängel müssten sie bis dahin weiter mittragen, schilderte die Personalratsvorsitzende Bach-Reinert.

UMG-Neubau: Start für Phase 1 Anfang 2025

Womit wir beim stetig weiter ausgedehnten Zeitrahmen wären: Denn den Baubeginn taxiert Bau-Chef Christian Kilz auf „Anfang 2025“, bis dahin muss die Bauplanung unter Dach und Fach sein. Fertigstellung wäre dann laut Kilz voraussichtlich im Jahr 2029. Ursprünglich sollte es einmal 2012 losgehen.

Angesprochen auf dieses keinesfalls als Ruhmesblatt für die Politik geltende Langzeitprojekt zog Minister Björn Thümler schmunzelnd einen Vergleich aus dem Ärmel: „In meinem Landkreis hat man eine Bundesstraße 70 Jahre lang geplant.“ Der Minister weiß, dass dies kein Maßstab sein kann und ein unpassender Vergleich ist: Bei der Uni-Klinik geht es schließlich um den Erhalt der Krankenversorgung und Spitzenforschung für viele Menschen weit über die Region hinaus.

Thümler betonte, dass die UMG als Stiftung deutlich bessere Bedingungen für ein solches Projekt habe, als der Sanierungsfall Nummer 2, die Medizinische Hochschule in Hannover. Dass diese eine Landeseinrichtung ist, sei „eine Katastrophe“.

UMG-Neubau: Sichtbarer Baustart bleibt weiter unsichtbar

Dass der sichtbare Baustart weiterhin auf Jahre nicht sichtbar sein wird, relativierte der Geschäftsführer der landeseigenen Dachgesellschaft Bauvorhaben Hochschulmedizin (DBHN), Burhard Landré: Es gehe wirklich ständig voran. Natürlich sei von Außenstehenden nicht wahrzunehmen, dass täglich 70 und mehr Menschen an dem Projekt Neubau Uni-Medizin Göttingen arbeiteten.

Er betonte, wie Minister Thümler auch, dass über die 425 Millionen Euro weitere, während der Baustufe 1 anfallende, Kosten vom Land zugesagt werden. Zudem gibt es auch eine weitere Schatulle, aus der die zu erwartenden Mehrkosten des gesamten Projektes, das über ein Sondervermögen des Landes bezahlt wird, getragen werden.

UMG-Neubau: Klimaverträglichkeit wird eingeplant

Gedacht werden muss auch an ein klimaverträgliches Bauen. Allein 2021 muss die UMG gut 14 Millionen Euro mehr für Energie bezahlen. Der Neubau soll energieeffizienter werden, wie Thümler sagt: „Wir werden hier kein Gebäude mit dem Standard der 70er- oder 90--Jahre bauen.“ Das werde in den Planungen berücksichtigt.

Aber: Viele dieser Maßnahmen ließen sich bisher noch nicht im Finanzplan abbilden. Das werde zu Zusatzkosten „in Millionenhöhe“ führen, wie Kilz sagt und anfügt: „Hier müssen wir nach Lösungen suchen.“ Die Politik wird also weiter gefordert sein in Sachen UMG-Neubau – gleich in welcher Konstellation.

Nach Ende des Termins am Freitag fuhr ein Bagger über das sonst einsame Baufeld. Es wirkte – ungewollt – wie ein Zeichen. (Thomas Kopietz)

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