Universitätsmedizin Göttingen

UMG-Vorstandssprecher Brück zum Neubau und zur Zukunft der Uni-Klinik 

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Prof. Wolfgang Brück ist der Nachfolger von Heyo Kroemer.

Prof. Wolfgang Brück, Vorstandssprecher der Göttinger Universitätsmdeizin, setzt auf Teamgeist und den Neubau.

Prof. Wolfgang Brück steigt in große Fußstapfen, aber er kennt diese und den, der sie hinterlassen hat: Heyo Kroemer, nun Vorstandschef der Berliner Charité. Brück arbeitet seit vielen Jahren für die Göttinger Uni-Klinik, die er seit August als Vorstandssprecher maßgeblich steuert – dabei setzte er auf Teamgeist und Zusammenarbeit auf vielen Ebenen.

Herr Brück, Sie sind kein Unbekannter an der UMG, springen als Nachfolger von Heyo Kroemer ins angewärmte Wasser..

Ich weiß, was auf mich zukommt. Ich kenne viele der Akteure, kann die Charaktere einschätzen, die bei Professoren manchmal speziell sind. Das ist ein Vorteil bei einem Amtsantritt. Ebenso kenne ich die Themen der UMG und dabei das überragende Thema, den Neubau. Er nimmt aktuell einen Großteil der Arbeitszeit ein.

Wie steht es um den Start – das Baufeld wartet?

Wir haben Unternehmen, die als Generalunternehmer Angebote abgegeben haben. Die Bau-Dachgesellschaft in Hannover prüft zur Zeit alle Unterlagen, daher sind wir oft zu Gesprächen in Hannover. 

Wir hoffen, dass wir nach Durchlaufen der erforderlichen parlamentarischen Prozesse bald in die nächste Phase der konkreten Bauplanung eintreten können und dann einen Termin zum Baubeginn verkünden können.

Was werden Sie grundsätzlich anders machen als Ihr Vorgänger?

Herr Kroemer war der beste Außenminister für die UMG, den es jemals gab. Ich werde die Gewichtung mehr in zwei Richtungen setzen: gleichmäßig nach innen und nach außen. Meine Hauptspielorte werden Göttingen und Hannover sein. Kroemer war zusätzlich bundespolitisch in Berlin stark engagiert, auch als Präsident des Medizinischen Fakultätentages.

Wohin führt die Strategie der UMG?

In der Strategie 2030 werden wir die Schwerpunkte weiterentwickeln und gezielt neu ausrichten: Säulen werden die sehr starke Kardiologie und Neurologie sein, dazu das mit der MHH sich entwickelnde Krebs-Spitzenzentrum. Aber: Analysen zeigen, dass von 35 Uni-Kliniken 30 den Schwerpunkt Kardiologie und Neurologie haben.

Ziel wäre deshalb, dass wir an der UMG in den drei Schwerpunkten Gemeinsamkeiten finden, wie Organ-Organ-Interaktionen, die man zusammenführen kann, um 2025 ein Verbundprojekt vorzustellen und einzuwerben. Ein gutes Beispiel ist hier das „Heart-and-Brain-Center“, in dem Kardiologen und Neurologen ab 2022 vollständig disziplinübergreifend Spitzenforschung für die Patienten betreiben werden. Damit hätten wir ein Alleinstellungsmerkmal von hoher Qualität.

Das könnte bei einer möglichen nächsten Exzellenz-Initiative für Unis helfen..

Das wäre ein schlüssiges Konzept, natürlich im Verbund mit der Uni, den Max-Planck- und anderen Instituten am Göttingen Campus.

Wie ist die UMG-Situation in Spitzenpositionen?

Wir werden in Kürze drei große Berufungen abschließen, die Nachfolge in den Kliniken für Gynäkologie, Strahlentherapie und Nephrologie. Dann haben wir den Generationswechsel abgeschlossen und etwa fünf Jahre Kontinuität in den Klinikleitungen, können also sorgsam an der künftigen Forschungskonzeption arbeiten. Es gibt nun viele junge, dynamische Klinikdirektorinnen und -direktoren an der UMG. Das Besondere: Es ist eine echtes Team, es gibt keine Grabenkämpfe. Das ist auch ein Verdienst des bisherigen Vorstandes.

Ist die UMG als Arbeitgeber, auch für Spitzenkräfte, noch interessant?

Bei den Professuren und Direktionen sind wir gut aufgestellt. Den wissenschaftlichen Nachwuchs rekrutieren wir meist selbst. Im Vergleich zu anderen Kliniken stehen wir gut da. Natürlich gibt es immer wieder Probleme, in der Anästhesie fehlten uns eine Zeit lang Ärzte, im Moment aber nicht mehr. In der Spezialpflege war es auch eng.

Wir mussten aber bislang noch keine Stationen dauerhaft schließen. Das ist das Verdienst von Pflegedirektorin Helle Dokken. Deshalb müssen wir unsere Schulen in der Bildungsakademie stark halten. Im MTA-Bereich steht an der UMG ein Generationswechsel an – hier brauchen wir neue Konzepte.

Wie können die aussehen?

Ein Beispiel ist der Ausbau des Gesundheitscampus Göttingen. Die Zusammenarbeit mit der HAWK soll intensiviert werden, auch unter den Professorinnen und Professoren. Die Nachwuchsausbildung wird eine ganz andere Qualität erreichen.

Wir haben in der Pflege, in der Physiotherapie und anderen Gesundheitsfachberufen Probleme mit der hohen Altersstruktur, somit auch mit der Gewinnung von Nachwuchs. Wichtig: Wir müssen unsere eigenen Leute ausbilden. Fachkräfte aus dem Ausland können nur Ergänzung sein.

Um junge Leute zu binden, braucht es aber bessere Arbeitsbedingungen..

Dazu gehört auch mehr Flexibilität: Stichworte sind altersgerechtes Arbeiten. Es gibt viele Personen mit einem riesigen Erfahrungsschatz, aber sie machen noch dieselbe Arbeit – manchmal noch intensiver – wie vor 40 Jahren. Es gilt, Wege zu finden, diese Leute zu entlasten, aber gleichzeitig ihre Erfahrung zu nutzen. Und jungen Mitarbeitern müssen Perspektiven für eine längerfristige Beschäftigung aufgezeigt werden. Wir müssen diese Jüngeren halten. Gespräche mit dem Personalrat über neue Konzepte laufen.

Wie sehen Sie die Krankenversorgung in der Fläche?

Wir brauchen die Krankenhäuser in der Region und die Abdeckung in der Fläche, wie in Münden, in Einbeck, in Duderstadt. Wir sind als UMG der Maximalversorger und müssen schauen: Was brauchen wir, um die Menschen zu versorgen. Hier in Südniedersachsen gibt es einen Konsens, dass wir das zusammen regeln wollen. Die Gesundheitsregion Südniedersachsen gehört auch dazu.

Aber Krankenhäuser – gerade in Göttingen – konkurrieren doch stark?

In Göttingen gibt es einen natürlichen Wettbewerb der Krankenhäuser, vor allem in bestimmten Fachdisziplinen, die sich monetär rechnen. So ein Wettbewerb ist auch von Personen abhängig. Das ist aber normal. Das Gesundheitssystem ist aber nicht darauf ausgelegt, Gewinn zu machen, eine Klinik kann nicht nur auf Produktivität getrimmt werden. Es sollte auskömmlich finanziert werden.

2019 werden voraussichtlich neun von zehn Uni-Kliniken in Deutschland defizitär sein. Die Uni-Kliniken müssten zusätzliche Bundesmittel bekommen. Ein altes Thema, ein dickes Brett. Unser Problem an der UMG ist: Wir müssen viele Millionen Euro jährlich in sinnlose Bauunterhaltung stecken, anstatt es für Weiterentwicklung zu verwenden. Haben wir den Neubau, haben wir ganz andere Möglichkeiten.

Sie gelten als kollegialer Typ und Chef, ist das auch Ihr Führungsstil?

Das kann man nicht so verallgemeinern, mit dem Führungsstil. Ich habe mich entwickelt und in meinem Institut immer versucht, alles kollegial zu regeln. Überhaupt können wir als UMG alles nur gemeinsam regeln und lösen, im Fakultätsrat, im Stiftungsausschuss Universitätsmedizin – auch mit der Bau-Dachgesellschaft in Hannover, wenn ich an den Neubau denke. Das Land ist unsere Mutter, mit der müssen wir eng zusammenarbeiten.

Sie waren Direktor und MS-Forscher. Vermissen Sie diese Arbeit?

Ich habe noch eine kleine Arbeitsgruppe. Aber die Entscheidung war wohl überlegt, und sie ist mir am Ende leicht gefallen. Meine Fußspuren habe ich hinterlassen und vielleicht ist es gut, nach 20 Jahren etwas anderes zu machen. Vor zehn Jahren hätte ich das aber noch nicht getan.

Ein Vergleich aus dem Fußball: Die Entscheidung vom früheren Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft Philipp Lahm, im Zenit zu gehen, war wohl besser als die von anderen, immer weiter zu machen.

Zur Person

Prof. Dr. Wolfgang Brück (58) studierte in seiner Heimatstadt Mainz Humanmedizin. Den Facharzt für Neuropathologie machte Brück bis 1994 an der Uni-Medizin Göttingen. Von 1998 bis 2002 arbeitete er an der Berliner Charité. 2002 kehrte Brück an die UMG zurück, als Direktor des Institutes für Neuropathologie mit dem Forschungsschwerpunkt Multiple Sklerose.

Er war lange Vertreter von Heyo Kroemer als Vorstand Forschung(Lehre sowie Dekan und Sprecher der Professoren im Fakultätsrat, zeitweise Vertreter des Vorstandes Krankenversorgung. Brück ist verheiratet und Fußballfan – natürlich von Mainz 05.

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