Umstrittene Palästinenser-Schau: Draußen Protest, drinnen Lob

Protest vor der Tür: Zahlreiche Kritiker der Ausstellung waren mit Transparenten vor den Eingang der Galerie „Alte Feuerwache“ gekommen. Foto: Schlegel

Göttingen. Eine wegen Antisemitismus-Vorwürfen seit Wochen umstrittene Palästina-Ausstellung ist am Mittwochabend in einer privaten Galerie in Göttingen eröffnet worden.

Macherin und Organisatorin: Ingrid Rumpf (links) war zur Eröffnung der von ihr konzipierten Ausstellung gekommen. Prof. Dr. Irene Schneider hatte die Schau nach Göttingen geholt. Foto: bsc

Etwa 50 Menschen protestierten vor dem Gebäude gegen die Schau „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“. Die Ausstellung sei keinesfalls antisemitisch und stelle das Existenzrecht Israels nicht infrage, betonte dagegen die Islamwissenschaftlerin Irene Schneider vor rund 250 Gästen in der überfüllten Galerie. Außerdem lobte sie, dass die Ausstellung sachlich sei und auf seriösen Quellen beruhe. Schneider hatte die im Jahr 2008 vom Verein „Flüchtlingskinder im Libanon“ erstellte Ausstellung und ein Rahmenprogramm gemeinsam mit dem Juraprofessor Kai Ambos für die Präsentation in Göttingen vorbereitet.

Ursprünglich sollte sie ab Anfang November in der Universität präsentiert werden. Dann verschob die Uni die Eröffnung wegen anhaltender Kritik mehrfach.

Zuletzt teilte die Universität mit, die Ausstellung könne erst in einem halben Jahr und nach einer externen wissenschaftlichen Analyse „mit einem adäquaten Raum für Gegenpositionen“ präsentiert werden.

Unter anderen hatten studentische Initiativen eine Absage der Schau gefordert und dies mit „antisemitischen Inhalten“ begründet. So zeige die Ausstellung unter anderem, dass es im Zuge der israelischen Staatsgründung zu massenhaften Vertreibungen und ethnischen Säuberungen der arabischen Bevölkerung gekommen sei, hieß es. Dabei werde aber verschwiegen, dass eine der größten Fluchtursachen „der Angriffskrieg der arabischen Nachbarstaaten auf den jungen jüdischen Staat war“. Schneider und Ambos betonten dagegen, die Ausstellung beleuchte mit der Vertreibung der Palästinenser historische Fakten. Das habe mit Antisemitismus überhaupt nichts zu tun.

Vorwürfe

Sprecher der Demonstranten bekräftigten am Mittwoch bei ihrem Protest ihre Vorwürfe gegen die Ausstellung. Sie sei einseitig und verschweige viele Hintergründe der israelischen Staatsgründung.

Nach ihrer Kundgebung zogen die Ausstellungskritiker zur Universität, wo die deutsch-israelische Gesellschaft und andere Gruppen ein Gegenprogramm organisiert hatten. (epd/bsc)

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