Bessere Möglichkeiten für Quereinsteiger

Umweg in den Traumberuf: 39-Jähriger aus Harste arbeitet nun als Lehrer

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Hat als Seiteneinsteiger den Sprung ins Lehramt geschafft: Markus Schlupp, Lehrer für Sport und Wirtschaft, unterrichtet inzwischen an der Thomas Mann Haupt- und Realschule in Northeim. 

Harste. Auf diese Chance hatte er lange gewartet. Als der Erlass der Landesregierung, den Quereinstieg als Lehrer zu erleichtern, kam, griff Markus Schlupp aus Harste bei Göttingen zum Hörer.

Er arbeitet inzwischen an einer Northeimer Schule.

„Zwei Wochen später hab ich den Vertrag unterschrieben“, erinnert sich der 39-Jährige. Für ihn eröffnete sich im Herbst 2016 endlich ein Umweg in den Traumberuf.

Seitdem sind viele Seiteneinsteiger in Niedersachsen denselben Weg gegangen. Im vergangenen Schuljahr fingen nach Angaben des Kultusministeriums in Hannover 369 sogenannte Quereinsteiger an niedersächsischen Schulen an. Das waren 13 Prozent aller Neueinstellungen. Fünf Jahre zuvor waren lediglich 25 Lehrer aus anderen Berufen in Schulen gewechselt, was damals einem Prozent aller Anfänger entsprach.

„Das Land hat diese Möglichkeit lange verschlafen“, sagt Schlupp. Seiner Meinung nach gibt es noch viele junge Leute, die das Potenzial haben, als Lehrer zu arbeiten. Im Kampf gegen den Lehrermangel also ein probates Mittel. „Für mich ist es ein tolles Konzept“, sagt Schlupp, der mittlerweile an der Thomas Mann Haupt- und Realschule in Northeim Wirtschaft und Sport unterrichtet. Die beiden Fächer also, die er an der Uni Göttingen studiert hatte, nur eben nicht auf Lehramt. Danach arbeitete Schlupp zunächst als Koordinator für die Ganztagsbetreuung von Kindern.

Unumstritten ist dieser Quereinstieg in die Schule ohne Lehramtsstudium aber nicht. Die Qualität des Lehrpersonals müsse dringend bewahrt werden, fordert der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL). „Es wäre fatal, wenn der Eindruck entsteht, dass das einfach jeder machen kann“, meint der VNL-Vorsitzende Torsten Neumann. Die Rückmeldungen, die er aus den Schulen erhalte, seien aber durchwachsen.

Das Argument fehlender Qualität will Neulehrer Schlupp nicht gelten lassen. „Auch bei denen, die auf Lehramt studiert haben, gibt es Absolventen, die eher nicht in die Schule gehören“, meint er. Eine Abwertung des Berufs kann er nicht erkennen. Durch andere Eindrücke und Lebenserfahrung wirkten viele Neueinsteiger auf ihn sogar gefestigter. „Sie haben ja eine sehr bewusste Entscheidung getroffen.“

Kritik an Seminaren

Quereinsteiger Schlupp teilt aber die Kritik, dass es an den Ausbildungsseminaren noch Nachholbedarf gibt. Über die Eignung eines Kandidaten gebe das Seminar nur eine Empfehlung, die Entscheidung treffe aber die Schulleitung. Das Vorgehen muss seiner Meinung nach der normalen Lehrerausbildung angepasst werden, bei der ein Kandidat entweder besteht oder nicht. Dann wäre auch die Qualitätsdebatte erledigt, meint Schlupp, der zumindest in seinem Kollegium keine Vorbehalte von anderen Lehrern spürt.

Auch wenn der Urlaub in Schweden schön war, freut er sich schon, wenn er nach dem Ferienende wieder zurück an die Schule in seinen Traumberuf kann. 

So geht es ins Lehrerzimmer

Niedersachsens Schulen brauchen zusätzliche Lehrer. Deshalb steht Quereinsteigern der Weg in die Lehramtsausbildung offen.

Die Bewerber müssen ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben. Beim Weg ins Lehrerzimmer wird der sogenannte „Vorbereitungsdienst“ vom Land favorisiert: Dieser ist grundsätzlich nur für bestimmte Fächer und Studienabschlüsse möglich. Weitere Infos gibt es im Internet. (lni/bsc)

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