Göttinger Forscher untersuchten junge und alte Mäuse

Anregende Umwelt hat positiven Effekt auf Hirnfunktion

Göttingen. Eine anregende Umwelt wirkt sich positiv auf die Funktion des Gehirns aus. Das haben Neurobiologen der Universität Göttingen in einem Forschungsprojekt mit Mäusen herausgefunden.

Gesteigert wird die Hirnfunktion durch körperliche ebenso wie durch soziale und kognitive Umweltreize. Und dies gilt nicht nur für junge Mäuse, sondern passiert sogar bei erwachsenen Tieren, deren Gehirne üblicherweise weniger anpassungsfähig sind. Und damit nicht genug.

In ihrer Studie haben die Forscher erstmals auch gezeigt, dass sich eine jugendliche Anpassungsfähigkeit im Gehirn erwachsener Mäuse durch anregende Umweltreize nicht nur bewahren, sondern auch wiederherstellen lässt. Eine stimulierende Umwelt kann erwachsene Mäuse außerdem vor einer durch einen Schlaganfall beeinträchtigten Anpassungsfähigkeit schützen.

Die untersuchten Mäuse lebten in besonders großen Käfigen mit Laufrädern, verschiedenen Labyrinthen und einer Vielzahl von Möglichkeiten für soziale Interaktionen. Über einen längeren Zeitraum maßen die Forscher die Aktivitätsänderungen in der Sehrinde – das ist einer Hirnregion, die visuelle Informationen verarbeitet. „Mäuse, die in dieser stimulierenden Umwelt lebten, zeigten sogar bis ins späte Erwachsenenalter eine hohe Plastizität – also Anpassungsfähigkeit – in der Sehrinde, und waren zusätzlich vor Beeinträchtigungen der Plastizität nach einem Schlaganfall geschützt“, erklärt Prof. Dr. Siegrid Löwel, Leiterin der Abteilung Systemische Neurobiologie der Universität Göttingen.

Ein längerer Aufenthalt in einer derartigen Umgebung könne sogar die Anpassungsfähigkeit (Plastizität) erwachsener Mäuse wiederherstellen, die sich zuvor in normal großen Käfigen aufhielten und zwar bis zu einem Alter, in dem die Sehrindenplastizität üblicherweise verlorengeht.

Von ihren Erkenntnissen erhoffen sich die Wissenschaftler einen Behandlungsansatz zum Erhalt beziehungsweise zur Wiederherstellung neuronaler Anpassungen im erwachsenen Gehirn. Eine stimulierende Umwelt könnte ein alternatives Therapieverfahren ohne den Einsatz von Medikamenten darstellen, so das Fazit.

Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und ist in der Fachzeitschrift PNAS erschienen. (shx)

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