Offener Brief der Bewohner

Umzug läuft an: Flüchtlinge wollen am Nonnenstieg bleiben

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Das ehemalige Gelände des Instituts für den Wissenschaftlichen Film (IWF) am Nonnenstieg: Die hier untergebrachten Flüchtlinge wehren sich gegen die Schließung. 

Göttingen. Die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen IWF am Nonnenstieg in Göttingen wollen sich weigern, die Unterkunft zu verlassen. Das kündigten sie in einem offenen Brief an.

Hintergrund ist die bevorstehende Schließung. Im August läuft der Mietvertrag der Stadt für das Flüchtlingsheim aus und wird nicht verlängert. Die Bewohner sollen in anderen Herbergen untergebracht werden. Das wollen sie nicht hinnehmen.

„Wir haben uns hier im Nonnenstieg etwas Leben aufgebaut, wir haben einige Initiativen und Menschen kennengelernt.“ In dem Brief heißt es weiter, die Unterkunft solle bereits Ende Mai geschlossen werden und am Montag plane die Stadt, mit einem Transportunternehmen zu kommen.

Die Stadt teilte auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass der Umzug schon angelaufen sei. „Die Zahl der Bewohner liegt schon jetzt unter 90“, erklärte Pressesprecher Detlef Johannson, der auch die komplette Schließung bereits Ende Mai dementierte: „Sollte es einen solchen Protest wirklich geben, wird man noch einmal in aller Ruhe vor Ort thematisieren, warum das Haus bis Ende August verlassen werden und warum deshalb umgezogen werden muss.“

Ähnlich äußerte sich auch Dr. Michael Bonder, Geschäftsführer des Träger Bonveno: „Die Schließung erfolgt vertragsgemäß. Das ist vom Rat so beschlossen worden und steht schon seit einem Jahr fest.“

Auf dem ehemaligen IWF-Gelände am Nonnenstieg will der Göttinger Entwickler EBR Wohnungen in Top-Lage bauen. Damit soll nun offenbar so schnell wie möglich begonnen werden, wie Bonder andeutete. Er hält die geplante Aktion der Bewohner auch deshalb für „völlig sinnlos. Es gibt keine Möglichkeit mehr“.

Solidarisch mit den Bewohnern zeigt sich die Ratsfraktion der Göttinger Linken. „Sie gegen ihren Willen nun in die Einrichtung auf den Zieten-Terrassen zu verlagern, zerstört gewachsene Bindungen und erste Integrationserfolge“, heißt es in einer Mitteilung vom Freitag.

Im Unterschied zu der Unterkunft am Nonnenstieg müssen die Bewohner an den Zieten-Terrassen auf Einzelzimmer verzichten. „Die Bedingungen dort sind unerträglich. [...] Wenn wir in der Hannah-Vogt-Straße einziehen würden, dann nur unter der Bedingung, dass jeder ein Zimmer für sich bekommt“, schreiben die Bewohner.

Die Linke kritisiert, dass die materiellen Interessen verschiedener Beteiligter über menschliche Überlegungen gestellt würden: „Die EBR will nun schnellstens den Abriss des IWF realisieren, um endlich ihr lukratives Großbauprojekt zu realisieren. Und der Träger der Einrichtung im IWF und auf den Zietenterrassen sichert sich zumindest mittelfristig den Weiterbetrieb zumindest einer gut belegten Einrichtung.“

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