Erhöhte Gefahr für Senioren

Unfallstatistik der Polizeiinspektion Göttingen: Weniger Tote und Schwerverletzte

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Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik (v. l.): Matthias Rink (Leiter Autobahnpolizei), Nicola Simon (Polizeidirektorin) und Torsten Moschkau (Sachbereich Verkehr) präsentierten die Zahlen für 2017.

Landkreis Göttingen. Weniger Schwerverletzte und weniger Tote, aber mehr Unfälle – das ist die Bilanz der Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion (PI) Göttingen für das Jahr 2017. In Landkreis und Stadt Göttingen kam es zu insgesamt sieben tödlichen Verkehrsunfällen.

Polizeidirektorin Nicola Simon zeigte sich zufrieden: „Das polizeiliche Ziel ist die Reduzierung von Verkehrsunfällen mit Toten und Schwerverletzten.“ Dieses Ziel wurde mit 45 weniger Schwerverletzten als 2016 erreicht. Dass die Zahl der Unfall-Meldungen weiter zunimmt, hat aus Simons Sicht mit versicherungstechnischen Gründen zu tun. Es gab jedoch auch mehr Unfälle mit Leichtverletzten.

Auffällig: Während die Unfall-Beteiligung von Kradfahrern oder Kraftfahrzeug-Insassen jeweils zurückging, waren 2017 mehr Fußgänger und Radfahrer in Verkehrsunfälle verwickelt. Als Risikogruppe machte die Polizeiinspektion (PI) Göttingen Erwachsene im Alter zwischen 18 und 24 Jahren aus. Die Zahl der schwer verletzten Autofahrer in dieser Altersgruppe ging von 32 auf 16 zwar stark zurück, in Relation zum Anteil an der Gesamtbevölkerung, sei die Menge aber zu hoch, sagte Polizeidirektorin Nicola Simon.

Mit einem Projekt an Schulen versucht die PI, den Blick dieser Altersgruppe für Gefahren zu schärfen. Auch für die noch jüngeren Kinder und Jugendlichen macht die Polizei Aktionen zur Verkehrserziehung, wie das Projekt „Neue Wege“. Dort lernen die Kinder, sich allein im Straßenverkehr zurechtzufinden.

In der Verkehrsunfallstatistik taucht dann auch – wie schon 2016 – kein verkehrstotes Kind auf. Die Zahl der schwer verletzten Kinder ging ebenfalls zurück. Als größte Gefahr für die jüngsten Verkehrsteilnehmer machte die PI Göttingen falsche oder nicht vorhandene Kindersitze sowie nicht angelegte Sicherheitsgurte aus. „Wir werden das weiter kontrollieren und an die Vernunft der Eltern appellieren“, sagte Simon, die auch auf die Verantwortung der anderen Verkehrsteilnehmer hinwies. „Man muss immer an die Unberechenbarkeit der Kinder denken.“

Mehr Senioren in Gefahr

Als dritte Risikogruppe im Straßenverkehr benannte die Polizei die Senioren (ab 65). Allein in dieser Altersgruppe gab es 2017 zwei Todesfälle und auch vier Schwerverletzte mehr als 2016. Die Gesamtzahl der verunglückten Senioren im Straßenverkehr ging zwar leicht zurück, Unfälle mit verletzten Senioren stiegen aber erheblich, von 112 auf 146 (ohne Autobahnen).

Laut Simon liegt das auch daran, dass immer mehr Senioren auf den Straßen zu finden sind: „Dadurch, dass die Infrastruktur überall zurückgefahren wird, müssen die Senioren mobiler werden.“ Häufig sei es ein Problem, dass die älteren Menschen zwar moderne Autos fahren, aber gar nicht wissen, was sie mit den ganzen Assistenzsystemen anfangen sollen. Auch neue oder geänderte Verkehrsregeln müsse man den Senioren oft erklären, so Simon.

Die Haupt-Ursache für Verkehrsunfälle ist laut Polizei überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit. Ein zunehmendes Problem ist die Nutzung eines Smartphones während der Fahrt. Vielen Handy-Nutzern sei gar nicht klar, wie viele Meter sie beim Blick aufs Display im Blindflug zurücklegen. Bei 80 km/h sind es schon mehr als 22 Meter in einer Sekunde.

Zu einer deutlichen Entspannung im Raum Hann. Münden kam es durch die Erneuerung des rechten Fahrstreifens auf der A 7. Die bessere Griffigkeit der Fahrbahn hatte deutlich weniger Lastwagen-Unfälle zur Folge, erklärte Matthias Rink, Leiter der Autobahnpolizei. Der Verkehr musste seltener auf Landstraßen oder durch Orte umgeleitet werden. Rink: „Das war insbesondere gut für Hann. Münden.“ 

Auch die Blitzanlage auf der A 7 hat einen positiven Effekt. „Wir haben dort keine Unfälle, weil da die Anlage steht“, sagt Rink. „Wir stellen fest, dass die Fahrer an dieser Stelle entsprechend fahren.“ Insgesamt sei die Lage auf den Autobahnabschnitten im Kreis „eher problemlos“.

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