Für Händelfestspiele

Ungewöhnliches Talk-Format in Göttinger Innenstadt: Im Bett mit...

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Im Bett mit...: Im Schaufenster von Betten Heller diskutierten Händelfestspiel-Intendant Tobias Wolff und Dramaturgin Johanna Ziemer in der Göttinger Fußgängerzone über die Jugendopernproduktion Beyond Doubt. 

Göttingen. Im ungewöhnlichen Talk-Format der Internationalen Händelfestspiele können Passanten in der Göttinger Fußgängerzone Künstlern beim Gespräch im Bett lauschen.

Mikrotest, „und dann ab ins Bett“, witzelt eine Zuschauerin auf der Bierbank vor Betten Heller. Das Geschäft hat sein Schaufenster für die Händelfestspiele zur Verfügung gestellt. Auf der Schaufenstermatratze machen es sich Händelfestspiel-Intendant Tobias Wolff und Johanna Ziemer, Dramaturgin der Jugendopernproduktion „Beyond Doubt: Lotario“, in Socken und mit Kissen bequem.

Sie sprechen über das außergewöhnliche Projekt, das Nina de la Chevallerie vom boat people Projekt mit Hans Kaul vom Deutschen Theater und rund 60 jungen Laiendarstellern aus Deutschland und anderen Ländern auf die Beine gestellt haben.

Johanna Ziemer ist Berlinerin und hat die Textfassung zum Stück geschrieben – eine „sehr rigorose Kurzfassung“, wie sie sagt. Im Stück gehe es um Könige und Kriege, wie in der Originalfassung der Oper Lotario. Es sei schwierig bei diesem Zerren von Kräften hinterher zukommen, gerade für die jungen Darsteller. Trotzdem hat Ziemer Originaltexte behalten, manche Stellen wurden paraphrasiert.

Die Jugendlichen singen alle selbst, Darsteller aus Afghanistan singen eingearbeitete Popsongs auf ihrer Muttersprache zwischen Original-Arien von Händel. Auch Schlager kämen darin vor, sagt Wolff. Die Musik ist von „Händel und Kaul“, sagt Ziemer und meint damit den Musikalischen Leiter Hans Kaul, der die unterschiedlichen Stile arrangiert hat.

Das Projekt ist Ziemers erste Arbeit mit Jugendlichen. „Ist das ein großer Unterschied zur Arbeit mit Erwachsenen?“, fragt Tobias Wolff. „Überraschenderweise nicht“, sagt Ziemer. „Musste man streng sein?“ Johanna Ziemer lacht. „Also ja“, resümiert Wolff.

„Eine Aufführung war für viele neu“, sagt die Dramaturgin. Viele der Jugendlichen hätten keine Vorstellung davon gehabt, was es heißt, vor 200 Menschen auf einer Bühne zu stehen.

Mit dem Premierenapplaus habe sie aber gemerkt, dass die Jugendlichen des boat people Projekts, der IGS Bovenden und des Hainberg-Gymnasiums sehr ehrgeizig geworden sind, auch sehr selbstkritisch und dann erleichtert und überrascht, dass so gut geklappt habe.

Zwischen den Fragen von Tobias Wolff bleiben Passanten stehen, schauen fragend in das Schaufenster oder lauschen einer Antwort von Johanna Ziemer.

Info: Die Jugendoper „Beyond Doubt: Lotario“ wird noch gespielt am Samstag, 27. Mai um 16 Uhr und am Sonntag, 28. Mai, um 15 Uhr im Jungen Theater.

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