Unheilig-Gastspiel: Der Graf rockt die Göttinger Lokhalle

Unheilig-Gastspiel in Göttingen: Das Konzert mit dem Grafen in der Lokhalle war ausverkauft. Foto: Kuhl

Göttingen. Die Luft ist stickig im Eingang der Göttinger Lokhalle. Am Samstag drängeln sich so viele Besucher zum Konzert von Unheilig, dass sich die Menge schon wenige Schritte später in der Halle wieder staut.

Auch nur bis zur Saalmitte vorzudringen, ist ein Kraftakt. Das Konzert ist ausverkauft. Kein Fan will sich einen der letzten Auftritte des Grafen entgehen lassen.

Im Herbst kündigte der Mann aus Aachen, der in den vergangenen Jahren so viele Alben verkauft hat wie sonst niemand in Deutschland, seinen Abschied an. Auf der aktuellen Tour verneigt er sich noch einmal vor seinen Anhängern. Das allerletzte Konzert soll am 10. September in Köln stattfinden.

In Göttingen soll es um 18.30 Uhr losgehen. Zu diesem Zeitpunkt quälen sich noch Hunderte auf der Suche nach Parkplätzen durch verstopfte Straßen. Eine halbe Stunde später haben es auch die letzten in die Halle geschafft. Nach den beiden Vorgruppen Bollmer und A Life betritt der Graf um 20.20 Uhr die Bühne.

Seinen richtigen Namen, sein Alter und andere persönliche Details kennt kaum einer. Sein Privatleben hütet der Musiker, der 1999 mit Grant Stevens Unheilig gründete und ab 2002 als Solokünstler weitermachte, wie ein Geheimnis.

Unheilig-Gastspiel: Der Graf rockt die Lokhalle

Umrahmt von einer bombastischen Licht-Show, dröhnenden Gitarren und donnerndem Schlagzeug legt er los. Der Sound ist trotz der Lautstärke ausgezeichnet. Singend und im Sauseschritt marschiert er von links nach rechts die Bühne ab und wieder zurück. Auf Videoleinwänden sieht man ihn gleichzeitig überlebensgroß.

Wie er durch die Nacht geht, zum Himmel blickt, einsame Landschaften passiert. Die Bilder wirken, sind inszeniert, als ob hier ein Mythos beschwört werden soll. „1000 Sprachen, eine Botschaft. 1000 Worte ein Gefühl“ singt er – eine Zeile, die zum Gefühl der Fans passt.

Der Aufforderung, mit ihm zu singen, kommen sie sofort nach. Bei der Kommunikation beschränkt sich der Graf auf ein Minimum. Außer „Danke“ und „ich will eure Hände sehen“ hat er seinen Fans kaum etwas zu sagen und lässt seine Texte sprechen, in denen er „Held für einen Tag“ ist, auf die „Lichter der Stadt“ blickt, dem „Himmel so nah“ ist, zum „Gipfelstürmer“ wird oder „hoch über den Wolken“ konstatiert: „Alles hat seine Zeit.“

Die Fans singen mit, strecken die Arme in die Höhe, sind glückselig – auch jene, die ganz hinten stehen und ihn nur als Miniatur wahrnehmen. Bald wird ihnen der Graf fehlen.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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