In einem neuen Katalog

Uni besitzt seltene Meteoritensammlung: Kustos Dr. Alexander Gehler erfasst den Bestand

Ein Mann hält einen großen Steinbrocken hoch
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Ging im Jahr 1812 in der Nähe von Erxleben bei Magdeburg nieder: Kustos Dr. Alexander Gehler von der Uni Göttingen mit dem Himmelskörper.

König Ludwig I. von Bayern bis Alexander von Humboldt – Einige berühmte Zeitgenossen haben der Meteoritensammlung Stücke gestiftet. Der Bestand wuchs, nun wird neu katalogisiert.

Göttingen – Eine der ältesten Meteoritensammlungen der Welt erschließt der Göttinger Kustos Dr. Alexander Gehler derzeit. Im kommenden Jahr soll der 300 Seiten starke Katalog über die mehr als 400 vom Himmel gefallenen Gesteine erscheinen, die sich im Geowissenschaftlichen Museum der Universität befinden.

„Der erste Meteorit unserer Sammlung kam 1777 mit anderen Mineralien nach Göttingen“, erzählt der Kustos. Das Stück Eisen aus Sachsen wurde erst später als Meteorit identifiziert.

Seltene Meteoritensammlung der Uni Göttingen: Blumenbach wichtige Rolle beim Aufbau

Eine wichtige Rolle beim Aufbau der Sammlung spielte der vielseitig interessierte Medizinprofessor Johann Friedrich Blumenbach. Er hatte die erste wissenschaftliche Abhandlung gelesen, die den kosmischen Ursprung des Gesteins nachwies.

Autor Ernst Chladni hatte dazu in Göttingen in alte Chroniken nach spektakulären Himmelserscheinungen durchsucht und seine 1794 veröffentlichten Thesen zuvor mit Physiker Georg Friedrich Lichtenberg diskutiert.

Zu Blumenbachs Schülern gehörte unter anderem König Ludwig I. von Bayern. Der Monarch besorgte seinem Professor ein Stück jenes 21,3 Kilogramm schweren Steinmeteoriten, der 1768 beim heute oberösterreichischen Mauerkirchen eingeschlagen war.

Seltene Meteoritensammlung der Uni Göttingen: Viele steuerten Stücke bei

Alexander von Humboldt, ein anderer Blumenbach-Schüler, steuerte ein Stück bei, das er von einem 20 Tonnen schweren Eisenmeteoriten in Mexiko abtrennen ließ. Blumenbach holte auch den Steinmeteoriten nach Göttingen, der 1812 in der Nähe von Erxleben bei Magdeburg vom Himmel gefallen war. Magdeburg gehörte damals, wie Göttingen, zum Königreich Westphalen.

„Um die Sammlung bemühte sich auch Johann Friedrich Hausmann, der 1811 in Göttingen den ersten Lehrstuhl für Mineralogie bekam“, sagt der Kustos. Der Göttinger Chemie-Professor Friedrich Wöhler, ein Pionier der organischen Chemie, steuerte 1860 seine eigene Sammlung bei.

Seltene Meteoritensammlung der Uni Göttingen: Bestand hat sich erweitert

Seit Erscheinen des letzten Katalogs der Göttinger Meteoriten-Sammlung 1962 ist der Bestand noch einmal um 25 Prozent gewachsen.

„Ein großer Teil der Meteoriten stammt aus der Zeit, als das Sonnensystem vor 4,5 Milliarden Jahren entstanden ist“, berichtet Gehler. Zum Teil enthalten sie Aminosäuren, Grundbausteine des Lebens.

Auf der Erde selbst hat sich so altes Gestein nicht erhalten. Andere Meteoriten bestehen aus Mond- oder Marsgestein, die ihrerseits bei einem Meteoritenaufprall ins All geschleudert wurden.

Seltene Meteoritensammlung der Uni Göttingen: Krater von 30 Kilometern

„Kleinere Himmelskörper verglühen beim Eintritt in die Erdatmosphäre als Sternschnuppe“, führt der Kustos aus. Größere Himmelskörper erreichen den Erdboden. Sind sie zu groß, verdampfen sie beim Aufprall.

Das geschah etwa mit dem Meteoriten, der vor 15 Millionen Jahren im Nördlinger Ries niederging. Er riss einen Krater mit einem Durchmesser von 30 Kilometern. Das Gestein schmolz zu Glas auf und flog als Wolke bis nach Böhmen und Sachsen. (Michael Caspar)

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