Uni-Studie zu Flüchtlingen

Soziale Integration ist positiv für Gastländer

Plakate werben für einen guten Umgang mit Flüchtlingen: In Uganda leben viele hunderttausende Flüchtlinge, teilweise schon jahrelang. Das Land hilft mit Aufbauprogrammen und sozialer Integration. Das hilft auch der Wirtschaft. Foto: nh

Göttingen. In Deutschland und anderen reichen Ländern wird über die Integration von Flüchtlingen gerungen: Diese Länder können von Uganda lernen.

Das Land geht konsequent den Weg der sozialen Einbindung der Flüchtlinge – mit Erfolg.

Das haben Wissenschaftler der Uni Göttingen herausgefunden. Die Integration bringt etwas für die Gastländer, auch für Entwicklungsländer wie Uganda, wo die Flüchtlinge nicht in Zeltstädten, sondern in Siedlungen untergebracht werden und Möglichkeiten für handwerkliche Tätigkeiten bekommen, also frei arbeiten dürfen.

Leiterin der Studie: Dr. Merle Kreibaum. Foto: nh

Auch deshalb und weil Uganda eines der weltweit wichtigsten Aufnahmeländer für Flüchtlinge ist, haben Wissenschaftler der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Göttingen das Land in den Fokus ihrer Studie genommen, den Effekt der Flüchtlingspolitik auf die Bevölkerung untersucht. Sie fanden heraus: Die Menschen, die in an Flüchtlingssiedlungen grenzenden Dörfern leben, haben einen verbesserten Zugang zu Grundschulen, die von Hilfsorganisationen betrieben werden. Außerdem bedeuten mehr Menschen größere Märkte und somit mehr Konsum in den Regionen.

Das Land verfolgt eine weltweit einmalige Flüchtlingspolitik: den Ansatz der lokalen sozialen und ökonomischen Integration. Flüchtlinge leben statt in Zeltstädten in Siedlungen, dort bekommen sie ein Stück Land und eine Art Starterkit mit Saatgut und Werkzeug. Sie dürfen sich frei bewegen und arbeiten. Geflohene und Ugander nutzen auch dieselben Schulen und Krankenstationen. Parallelstrukturen bei den öffentlichen Dienstleistungen werden dadurch abgebaut.

„Unterstützung durch die Regierung und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen erhalten sie aber nur in diesen Siedlungen“, erklärt Dr. Merle Kreibaum, Mitarbeiterin an der Professur für Volkswirtschaftstheorie und Entwicklungsökonomik und Leiterin der Göttinger Studie.

Aber: Die Effekte sind nicht nur positiv. „Der Fokus auf Flüchtlinge kann auch zum Nachteil der Einheimischen sein, die auf Transfers vom Staat angewiesen sind.“ Und oft werden die Verbesserungen von Einheimischen nicht als solche wahrgenommen, vor allem dann, wenn es ihnen nicht gut geht. Fazit: Der fortschrittliche Ansatz Ugandas ist also verbesserbar. Und er ist nicht eins zu eins übertragbar auf Industrieländer: „Der wirtschaftliche Kontext in Deutschland ist nicht mit dem in Uganda vergleichbar. Es werden andere Qualifikationen benötigt, um in den Arbeitsmarkt integriert zu werden“, sagt Kreibaum.

Dennoch könnten die Ergebnisse der Studie auch deutsche Politiker ermutigen, Flüchtlingen hier bessere Möglichkeiten zu schaffen, meint Kreibaum. Das könnte auch der deutschen Wirtschaft nutzen – siehe Ergebnis der Studie. 

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