1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Uni fordert Ex-Kanzler Schröder zur Rückgabe der Ehrendoktor-Würde auf

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Kopietz

Kommentare

Ein Göttinger Student und Juso: Gerhard Schröder bei einer Veranstaltung 1977 in Göttingen. Daneben von links, Cornelius Schley (später Fraktionsgeschäftsführer der SPD im Landtag), der damalige Juso-Vorsitzende Uwe Benneter und Dieter Stephan, der später Leiter der deutschen Schule in Lissabon wurde.
Ein Göttinger Student und Juso: Gerhard Schröder bei einer Veranstaltung 1977 in Göttingen. Daneben von links, Cornelius Schley (später Fraktionsgeschäftsführer der SPD im Landtag), der damalige Juso-Vorsitzende Uwe Benneter und Dieter Stephan, der später Leiter der deutschen Schule in Lissabon wurde. © Karlheinz Otto

Jetzt ist klar: Die Universität Göttingen fordert den Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, den Ehrendoktor-Titel zurückzugeben.

Göttingen – Es hat gedauert: Nachdem sich die Universität Göttingen einige Wochen schwer getan hatte, auf die Forderungen nach einer Aberkennung der Ehrendoktorwürde von Gerhard Schröder (78) zu reagieren, fordert sie nun den Ex-Bundeskanzler auf, diese niederzulegen. Zu einer Aberkennung konnte sich die Universitätsleitung nicht durchringen. Das Verhalten des Altkanzlers sei mit den Werten der Hochschule unvereinbar, hieß es am Mittwochabend.

Vorausgegangen waren Gespräche Anfang der Woche, als Schröder die Universität besuchte, an der er einst von 1966 bis 1971 Rechtswissenschaften studiert hatte. Ein Festhalten Schröders an Ämtern im Wirtschaftsapparat des Aggressors Russland sei mit dem Leitbild der Georg-August-Universität unvereinbar.

„Gespräche mit ihm, in denen er uns auch seine Bemühungen zur Beendigung des Krieges schilderte, konnten unsere Bedenken nicht ausräumen, auch wenn wir jede Anstrengung zu einer baldmöglichsten Beendigung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges begrüßen.“

Bildergalerie: Schröder war immer wieder in Göttingen zu Gast

„Vor dem Hintergrund des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine, der einen Bruch des Völkerrechts darstellt, folgt die Stiftungsuniversität konsequent der politischen Vorgabe, alle Hochschul- und Forschungskooperationen sowie wirtschaftliche Transaktionen mit Russland auf Eis zu legen, heißt es nun. „Für die Universität Göttingen ist unverständlich, dass mit Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder ein herausragender Alumnus und Ehrendoktor unserer Universität auch nach Wochen erbitterter Kriegshandlungen und einer sich immer weiter zuspitzenden humanitären Katastrophe in der Ukraine den verbrecherischen Angriffskrieg nicht klar als solchen benennt und seine Tätigkeiten in russischen Unternehmen zumindest ruhen lässt“, hieß es weiter.

Die Universität muss Gerhard Schröder aktiv die Ehrendoktorwürde entziehen.

Fritz Güntzler (CDU), Bundestagsabgeordneter

Die naturwissenschaftlichen Fakultäten hatten – dem Juristen – Schröder den Titel 2005 verliehen, weil er sich in seiner Zeit von 1990 bis 1998 als niedersächsischer Ministerpräsident außerordentlich für die Förderung der Naturwissenschaften an der Uni eingesetzt habe. Zudem habe er als Bundeskanzler wichtige Anstöße für eine Debatte über die Biowissenschaften gegeben und damit zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Biotechnologie und Lebenswissenschaften beigetragen.

In den vergangenen Wochen hatten auch in Göttingen hochschulinterne wie – externe Gruppen und Persönlichkeiten die Aberkennung der Ehrendoktorwürde gefordert, so der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni-Göttingen, die Junge Union Göttingen und der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), die Göttinger CDU, die Jungen Liberalen und die Liberale Hochschulgruppe die Aberkennung des Ehrentitels sowie dem CDU-Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler, der die Uni aufgefordert hatte, schnell zu entscheiden.

78 Jahre alt: Gerhard Schröder.
78 Jahre alt: Gerhard Schröder. © dpa

Güntzler ist die Reaktion der Uni nicht strikt genug: Er fordert jetzt die Universität Göttingen auf, Gerhard Schröder die Ehrendoktorwürde „aktiv zu entziehen“: „Darauf zu hoffen, dass Schröder seinen Doktortitel selbstständig zurückgeben wird, ist halbherzig und unzureichend. Die Universität muss hier selbst aktiv werden. Alle Fakten, die zu einer Aberkennung führen würden, liegen auf dem Tisch“, so Güntzler.

Der AStA der Uni Göttingen hingegen begrüßt den Schritt des Senats, Gerhard Schröder zur Niederlegung seiner Ehrendoktorwürde aufzufordern. Wir halten diese Entscheidung allerdings längst für überfällig. Andere Institutionen wie die Stadt Hannover und der DFB haben schon gehandelt“, sagt Felix Schabasian.

Während des Studiums in Göttingen, an das sich Schröder, wie zuvor an den Besuch der Abendschule in der Stadt und seine Lieblingslokale „Just“ und das jüngst geschlossene „Potis“ gerne erinnerte, war er auch Vorsitzender der Göttinger Jungsozialisten (Jusos), was den Startpunkt seiner politischen Karriere in der SPD darstellte.

Selbst einstige Weggenossen nahmen aber angesichts Schröders Haltung zu Putin, Russland und Gazprom mehr und mehr Abstand: So der Ortsverein Göttingen-Ost um den ehemaligen Europa-Abgeordneten Klaus Wettig hatte. Der Ortsverein hatte den alten Fahrensmann Schröder aufgefordert, „unverzüglich seine Mandate bei den russischen Unternehmen Nordstream und Rosneft niederzulegen“. Auch seine Nominierung für den Gazprom-Aufsichtsrat solle er ablehnen.

Übrigens: Auf der Homepage der Universität Georg-August-Universität wird Gerhard Schröder als prominenter Alumni – ein mit der Universität verbundener ehemaliger Absolvent – weiterhin gelistet. Er steht dort in einer Reihe auch mit Margot Käßmann, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Sten Nadolny, Thomas Oppermann, Jobst Plog, Jürgen Trittin, Richard von Weizsäcker und Ursula von der Leyen.  mit dpa

Von Thomas Kopietz

Auch interessant

Kommentare