Uni-Forscher: Raubkatzen reißen Nutztiere wenn wilde Beute fehlt

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Konfliktpunkt: Wenn Raubkatzen nicht genug wilde Beute finden, wächst die Gefahr, dass sie Nutzvieh reißen. Oft kommt es dann zur Tötung der Katzen durch die Bevölkerung, obwohl die Tiere offiziell geschützt sind. Das Foto zeigt eine Löwin mit einem gerissenen Büffel.

Göttingen. Nicht ein Überangebot an Vieh, sondern ein Mangel an Wildtieren bringt Löwen und Tiger in ihren natürlichen Lebensräumen dazu, auch Rinder, Schafe und Ziegen zu reißen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Forschern der Universität Göttingen. Die Experten können sogar vorhersagen, wann Raubtiere beginnen, Nutzvieh statt Wild zu erbeuten.

Für den Erhalt der Artenvielfalt, aber auch für den Lebensunterhalt ländlicher Dorfgemeinschaften sind Konflikte mit Großkatzen eine Herausforderung. Löwen, Tiger und Leoparden reißen oft Nutztiere. Oft komme es dann zu ökonomischen Verlusten und zur Tötung der Katzen, obwohl sie gefährdet und offiziell geschützt sind, schreiben die Forscher.

Sie haben erstmals umfassend untersucht, bei welcher Beutetierdichte und welchem -gesamtgewicht Großkatzen auf Nutztiere wechseln. Die Forscher haben dazu einen globalen Datensatz zu Mensch-Raubkatzen-Konflikten analysiert.

Dabei stießen darauf, dass die Wahrscheinlichkeit von Rissen an Rindern zunahm, wenn das Gesamtgewicht wilder Beute einen Wert von etwa 812 Kilogramm pro Quadratkilometer unterschritt. „Wenn wilde Beute noch stärker zurückgeht und 540 Kilogramm pro Quadratkilometer unterschreitet, beginnen Großkatzen damit, auch Schafe und Ziegen zu reißen“, sagt der Leiter der Studie Dr. Igor Khorozyan vom Johann-Friedrich-Blumenbach Institut für Zoologie und Anthropologie. „Uns verblüffte jedoch, dass diese Regel generalisierbar erscheint, das heißt, auf alle Großkatzen-Arten gleichermaßen zutrifft.“

Das von den Autoren entwickelte Modell erlaubt es, Konflikte anhand existierender Beutetier-Biomasse-Angaben vorherzusagen und zeigt, dass nur einige wenige gut geschützte Gebiete in Indien, dem Tiefland von Nepal und in Südafrika ausreichend wilde Beute besitzen, um Großkatzen von Rissen an Nutztieren weitgehend abzuhalten.

Während andere Studien vorschlagen, Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren zu lösen, indem die Nutztierzahlen reduziert und eine vegetarische Ernährung propagiert werden, fanden die Göttinger Forscher keinen Zusammenhang zwischen Nutztierzahlen und Konflikten mit Großkatzen.

„Das ist so, weil Großkatzen Nutztiere dann reißen, wenn sie leicht zu erbeuten sind, zum Beispiel in dichter Vegetation oder während der Abwesenheit von Schäfern, aber nicht, wenn Nutztier-Herden größer sind“, sagt Privatdozent Dr. Matthias Walter, Koordinator des Forscherteams.

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