Auswirkungen der Corona-Krise

Uni Göttingen bastelt am Digi-Campus und internationalen Kooperationen

Prof. Hiltraud Casper-Hehne, Vize-Präsidentin der Universität Göttingen
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Vize-Präsidentin der Universität Göttingen: Prof. Hiltraud Casper-Hehne

Die Corona-Krise hat sich auch auf die internationalen Kontakte und das Studium an der Uni Göttingen ausgewirkt - dennoch bleibt diese weltweit ausgerichtet.

Göttingen - Die traditionsreiche Georg-August-Universität ist international angesehen, der Name Göttingen wird beachtet und gehört, wie Stiftungsratsvorsitzender Prof. Peter Strohschneider kürzlich bei der Verabschiedung von Ex-Uni-Präsident Prof. Reinhard Jahn sagte. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie aber trafen auch die stark international ausgerichtete Universität.

So fanden und finden viele Treffen im Ausland, aber auch Besuche der Partner in Göttingen, nicht statt, gibt es deutlich weniger Austauschstudenten wie Uni-Vizepräsidentin Prof. Hiltraud Casper-Hehne sagt.

Dennoch, hätten die internationalen Beziehungen nicht gelitten. „Mit unseren strategischen Partnern gestalteten sich die Beziehungen intensiver als vorher, weil wir uns sehr bemüht haben, den Kontakt aufrecht zu erhalten.“ Dabei halfen neue technische Möglichkeiten. Man war mehr auf den „digitalen Wegen unterwegs“, schildert Casper-Hehne. „Wir haben uns so schneller und öfter als zuvor getroffen“.

Das ist vor allem für ein europäisches Projekt und Uni-Netzwerk wichtig, in dem die Uni Göttingen ein Tragseil ist: Enlight heißt der Verbund „von neun sehr guten europäischen Hochschulen“, wie Casper-Hehne sagt: Bordeaux, Bratislava, Galway, Gent Groningen, Göttingen, Tartu, Uppsala und die Universität des Baskenlandes zählen dazu. Virtuelle Treffen sparten den laut Casper-Hehne hohe Zeit- und Reiseaufwand für Meetings in Gent, Groningen oder Uppsala.

„Wir haben uns mal eben zwei Stunden zusammengeschaltet und Dinge bearbeitet“, sagt die kontaktfreudige Vize-Präsidentin, der aber die bilateralen, informellen Gespräche bei „realen“ Traffen dennoch fehlten. „Wenn sie ein Netzwerk mit neuen Partnern haben, ist es wichtig und sinnvoll, bestimmte Dinge auch am Rande zu klären und vorzubereiten.“ Grundsätzlich aber seien neue Gewohnheiten der Interaktion mit Partnern entstanden. „Das ist spannend“, zieht sie Bilanz. „Ich fand es prima, dass wir uns häufiger ausgetauscht haben.“ Die bestehenden Kontakte seien so gut aufrecht zu erhalten.

Schwierig seien aber in Corona-Zeiten mit vielen Online- statt Live-Treffen das Anbahnen neuer Beziehungen. „Man kennt sich ja nicht. Da fehlt das Persönliche“, beschreibt Casper-Hehne. So wollte die Uni Göttingen einen Austausch „mit einer sehr guten Hochschule in Italien“ aufbauen. „Das aber fällt im Moment schwer.“ Auch Forschungskooperationen, die gerade beginnen, voranzubringen, sei schwieriger und langsamer geworden.

Weiter vorangetrieben wird, wie schon in der Vor-Corona-Zeit – so im besagten Enlight-Netzwerk – , der Aufbau eines digitalen Campus. „Wir kommen dabei nun schneller vorwärts“, sagt die Vize-Präsidentin, die betont: Ziel sei es generell, die „Studierenden zu engagierten Europäerinnen und Europäern auszubilden, die Verantwortung für Europa und die Welt übernehmen sollen“ Dabei sollen große gesellschaftlich Fragen beantwortet werden: Themenfelder in Forschung und Lehre sind dabei auch Gesundheit, Digitalisierung, soziale Ungleichheit, Energie und Klimawandel. „Wir planen gemeinsame Studiengänge, Workshops und Summerschools, in Präsenz und virtuell“, sagt Casper-Hehne und wirkt dabei durchaus zuversichtlich – in einer schwierigen Zeit wenn es um internationale Beziehungen und Ausrichtungen geht. 

Der Neubau des Kulturwissenschaftlichen Zentrums der Uni Göttingen steht auch für deren internationale Ausrichtung.

Die Uni Göttingen hat als Mitglied des europäischen Hochschulnetzwerks Enlight beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) 750 000 Euro für den weiteren Ausbau europäischer Strukturen eingeworben. Der DAAD fördert drei Jahre lang das Projekt „Enlight Transform“, das zentrale Themen des Hochschulnetzwerks verstärken soll. Enlight ist der Zusammenschluss von neun forschungsstarken europäischen Universitäten. Ziel ist es, die internationalen Aktivitäten der deutschen Hochschulen zu unterstützen, die sich mit ihren europäischen Partnern erfolgreich als „Europäische Universität“ beworben haben.

Eine kommende Generation von Studierenden sollen an europäischen Hochschulen in Lehre und Forschung mit dem Wissen und den Fähigkeiten ausgestattet werden, globale Herausforderungen gemeinschaftlich meistern zu können“, beschreibt Uni-Vizepräsidentin Hiltraud Casper-Hehne, die für den Bereich Internationales verantwortlich ist. „Die zusätzliche Förderung durch den DAAD ist von großer Bedeutung und unterstreicht, dass die ambitionierten Ziele der Europäischen Universitäten langfristig nur erreicht werden können, wenn europäische und nationale Bemühungen Hand in Hand gehen.“

Forschende, Promovierende und Beschäftigte der Uni Göttingen können sich ab sofort auf Förderungen im Rahmen der ersten Göttinger Enlight-Ausschreibung bewerben. Gefördert werden auch gemeinsame Forschungs- und Bildungsvorhaben sowie Veranstaltungs- und Mobilitätsformate. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Februar.

Weitere Informationen zu Enlight, den förderungsfähigen Maßnahmen und zur Bewerbung sind unter zu.hna.de/DAAD012021 zu finden. (Thomas Kopietz)

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