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Wilde Bienen leiden in Städten: Forschungsteam untersuchte Artenvielfalt

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Von: Thomas Kopietz

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Ein Forschungsteam untersucht Artenvielfalt in ländlichem und städtischem Umfeld. Wilde Bienen leiden in Städten, fanden die Forscher heraus.

Göttingen – Die fortschreitende Urbanisierung bedroht massiv die Artenvielfalt. Soziale Bienen, wie wilde Honigbienen, sind stärker von der Verstädterung betroffen als große Solitärbienen oder solche, die in Höhlen nisten. Das fand ein internationales Forscherteam unter Leitung der Unis Göttingen und Hohenheim heraus.

Sie haben mit der University of Agricultural Sciences of Bangalore (Indien) die Auswirkungen der Urbanisierung auf Bienengemeinschaften in kleinbäuerlichen Betrieben in und um die 13-Millionen-Stadt Bangalore untersucht. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Landwirtschaft in Städten kann Bienengemeinschaften fördern.

Göttinger Forschungsteam untersuchte Artenvielfalt in ländlichem und städtischem Umfeld

Die Ausdehnung der Städte greift zunehmend auf kleinbäuerliche Betriebe in tropischen Megastädten – wie in Indien – über.
Die Ausdehnung der Städte greift zunehmend auf kleinbäuerliche Betriebe in tropischen Megastädten – wie in Indien – über. © Gabriel Marcacci

In der umfassenden Feldstudie über Bienen auf Gemüsefarmen in ländlicher und städtischer Umgebung erfassten die Forschenden mehr als 26.000 einzelne Bienen, die zu 40 Arten gehören. Durch die Kombination der Daten mit der Fernerkundung per Satellit konnten sie feststellen, wie sich der Anteil versiegelter Flächen und Gebäude in Ballungsgebieten auf die Bienengemeinschaften auswirkt.

Sie analysierten auch, wie die Bienenarten auf die Umgebungen reagierten, indem sie Bienen verglichen, die verschiedene Nistplätze nutzen und sich in ihrer Sozialität und Mobilität unterscheiden. „Wir konnten nachweisen, dass die Art und Weise, wie die Bienen auf die Urbanisierung reagierten, von bestimmten Merkmalen abhing“, sagt Erstautor Gabriel Marcacci, Doktorand in der Arbeitsgruppe Funktionale Agrobiodiversität an der Uni Göttingen.

Große, solitär lebende Höhlenbienen – wie die Holzbiene – können von der Verstädterung profitieren, sofern sie genügend Blüten finden.
Große, solitär lebende Höhlenbienen – wie die Holzbiene – können von der Verstädterung profitieren, sofern sie genügend Blüten finden. © Vikas S. Rao

„Zum Beispiel haben Bienen, die in Höhlen nisten, tatsächlich von der Urbanisierung profitiert, da sie in kleinen Rissen und Höhlen an Gebäuden nisten können. Außerdem haben wir herausgefunden, dass bodenbrütende Bienen, die normalerweise als Verlierer der Urbanisierung gelten, in tropischen Megastädten reichlich Nistmöglichkeiten finden, weil noch genügend nackter Boden vorhanden ist, vor allem in den weniger entwickelten Vierteln“ berichtet Marcacci.

Forschungsergebnis aus Göttingen und Hohenheim: Wilde Bienen leiden in Städten

Er sagt auch, dass einheimische blühende Pflanzen in der Nähe von Ackerland und eine Diversifizierung des Anbaus dazu beitragen könnten, soziale Bienenvölker zu erhalten. „Unsere Ergebnisse unterscheiden sich zum Teil von dem, was in Städten in gemäßigten Regionen häufig zu finden ist“, sagt Prof. Ingo Grass von der Uni Hohenheim. „Das zeigt, dass wir aus Feldstudien in Deutschland oder anderen Ländern des globalen Nordens nicht verallgemeinern können.“

Gabriel Marcacci
Gabriel Marcacci © Privat

Der genannte starke Rückgang der sozialen Bienen mit der Verstädterung ist für den Göttinger Agrarökologen Prof. Teja Tscharnke „besonders besorgniserregend“, da in den Tropen soziale Bienen – wilde Honigbienen und stachellose Bienen – große Völker bilden und „für die Bestäubung von Nutzpflanzen unerlässlich sind“, sagt Tscharnke.

Die Studie zeigt auch die positiven Auswirkungen auf Bienengemeinschaften durch landwirtschaftliche Bewirtschaftungspraktiken wie die Diversifizierung der Kulturen oder das Vorhandensein einheimischer Wildpflanzen in und um die Gemüsefelder. (Thomas Kopietz)

Der „Niedersächsische Weg“ gilt als bundesweites Vorbild für Artenschutz. Das Abkommen bleibt jedoch hinter seinen Vorgaben deutlich zurück. Zurzeit sorgen Wespen in Deutschland für eine regelrechte Plage.

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