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Klimaaktivisten besetzen Hörsaal der Universität Göttingen

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Von: Thomas Kopietz, Stefan Rampfel

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Umweltaktivisten besetzen einen Hörsaal der Uni Göttingen. Sie fordern ein Ende der fossilen Industrie, Klimaneutralität und weltweite soziale Gerechtigkeit.

Göttingen – 70 Aktivistinnen und Aktivisten haben am Montagabend (24.10.2022) den Hörsaal 011 im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) der Universität Göttingen besetzt. Dieser ist mit knapp 900 Plätzen der größte Hörsaal der Uni. Erst am Montagnachmittag waren bei der Immatrikulationsfeier im ZHG die neuen Göttinger Studierenden offiziell begrüßt worden.

Fünf Lehrveranstaltungen im 011-er sind am Dienstag von der Besetzung betroffen. Zwei Veranstaltungen konnten am online angeboten werden, zwei fanden in Präsenz im Foyer statt. Für eine weitere wurde eine Lösung gesucht.

70 Klimaaktivisten besetzen einen Hörsaal der Universität Göttingen

Besetzung Hörsaal 011 im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) der Universität Göttingen: Klimaschützer verschiedener Gruppen protestieren und wollen den Saal länger besetzen. Die Uni-Leitung war gesprächsbereit.
Besetzung Hörsaal 011 im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) der Universität Göttingen: Klimaschützer verschiedener Gruppen protestieren und wollen den Saal länger besetzen. Die Uni-Leitung war gesprächsbereit. © Stefan Ramfpel

Zuvor hatte am Montagabend in dem voll besetzten Hörsaal der aus dem Fernsehen bekannte Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke einen Vortrag über „Strom sparen, Müll trennen, imkern?“ gehalten. Veranstalter waren die Göttinger Gruppen von Fridays for Future und Extinction Rebellion. Darin ging Benecke der Frage nach, was wirklich gegen CO2 und das Artensterben hilft.

Am Ende des etwa zweistündigen Vortrages wurde von Aktivisten ein großes Banner aufgehängt. „Besetzt!“ steht in großen Buchstaben darauf. Hinter der Aktion steht die noch relativ junge internationale Klimagerechtigkeitsbewegung „End Fossil: Occupy“, die in 20 Staaten aktiv ist. Auch in Deutschland gibt es in rund 20 Städten lokale Gruppen. Sie fordern eine lernenswerte Zukunft und eine klimagerechte Welt.

Wir in Göttingen machen die erste von vielen weiteren deutschen Hörsaal- und Schulbesetzungen.

Sprecherin von „End Fossil: Occupy“

„Wir in Göttingen machen die erste von vielen weiteren deutschen Hörsaal- und Schulbesetzungen, die jetzt im Herbst stattfinden werden“, sagt eine Sprecherin von „End Fossil: Occupy“, die nicht namentlich genannt werden möchte. „Unser Bündnis in Göttingen besteht aus vielen Klimagruppen, aus sozialen Gruppen und verschiedensten Akteuren.“

Die Aktivistinnen und Aktivisten wollen den Hörsaal 011 mehrere Tage oder vielleicht sogar Wochen besetzen, kündigte die Sprecherin an. Es werde während dieser Zeit thematische Workshops, Vorträge und kreative Veranstaltungen während der Besetzungszeit geben.

Aktion im Zentralen Hörsaalgebäude soll mehrere Tage dauern

„Unsere Besetzung richtet sich nicht gegen die Uni, es geht vielmehr darum, Druck auf die Politik zu machen, um als Bewegung zusammenzukommen, zu diskutieren und neue Kampagnen zu planen“, sagt ein weiterer Sprecher. Der politische Rahmen hinter den Besetzungen ist der Klimagerechtigkeit.

Man möchte ein Ende der fossilen Industrie, um Klimaneutralität und weltweite soziale Gerechtigkeit zu erreichen. Die Intention von „End Fossil: Occupy“ ist es, Schulen und Hochschulen an verschiedensten Orten zu besetzen und so das öffentliche Leben zu stören, bis die Forderungen umgesetzt sind.

„Wir werden eine riesige Welle sehen“, ist sich der Sprecher sicher. Eine der Hauptforderungen ist es, den Abriss des Dorfes Lützerath bei Köln zu verhindern, das in Kürze dem Kohleabbau weichen soll.

Wir würden uns wünschen, dass die Vorlesungen gerade in der wichtigen ersten Woche des Semesters auch stattfinden können.

Uni-Pressesprecher Thomas Richter

Die Leitung der Universität Göttingen steht seit Montagabend dank der Vermittlung durch den Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) mit den Besetzern in Kontakt. Uni-Präsident Prof. Metin Tolan führte am Dienstagmittag ein Gespräch mit den Besetzern. „Es war ein guter Austausch“, sagte Uni-Pressesprecher Thomas Richter auf Anfrage unserer Zeitung am Dienstagnachmittag.

Leitung der Universität Göttingen versucht zu vermitteln

Demnach würden zunächst und weiterhin die Veranstaltungen im 011-er verlegt. Grundsätzlich suche man eine Lösung, die den Aktivisten die ermöglicht, Vorträge zum Thema Klimawandel zu halten. „Wir würden uns wünschen, dass die Vorlesungen im Hörsaal 011 gerade in der wichtigen ersten Woche des Semesters stattfinden können, die Besetzung dafür aber nicht unterbrochen werden muss“, sagte Richter.

Nach einem Vortrag: Der größte Hörsaal der Uni Göttingen 011 im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) ist von Klimaschützern besetzt.
Nach einem Vortrag: Der größte Hörsaal der Uni Göttingen 011 im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) ist von Klimaschützern besetzt. © Stefan Rampfel

Vorschlag der Göttinger Universitätsleitung ist auch, dass die Protestierenden zu Beginn der Vorlesung Zeit und Raum für ihr Anliegen bekommen. „Die Dozierenden könnten in ihren Vorlesungen das Thema Klima einbauen, auch wenn dies in Einführungsveranstaltungen zum Beginn des Semesters sicher nicht einfach ist“, schilderte Thomas Richter.

„Auf diesem Weg könnten die Besetzer und Besetzerinnen für Ihre Ziele ein größeres Publikum erschließen und die für uns wichtige Präsenzlehre im größten Hörsaal müsste darunter nicht leiden. Präsenzveranstaltungen sind uns nach den Corona-Einschränkungen wichtig.“ (ysr/tko)

Mehr als 2.000 Menschen haben Ende September in Göttingen fürs globale Klima gestreikt. Zahlreiche Klimaschützer fordern bei Planung und Bau der neuen Uni-Klinik in Göttingen mehr Nachhaltigkeit. Mit Sitzblockaden haben Mitglieder der Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion in Göttingen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.

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