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Klimaschützer fordern bei Planung und Bau der neuen Uni-Klinik Nachhaltigkeit

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Von: Thomas Kopietz

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Baufeld am Uni-Klinikum Göttingen: Material steht bereit – aber noch ist der Baubeginn in weiter Ferne. Links das Mehrzweckgebäude, rechts Bettenhaus 1.
Baufeld am Uni-Klinikum Göttingen: Material steht bereit – aber noch ist der Baubeginn in weiter Ferne. Links das Mehrzweckgebäude, rechts Bettenhaus 1. © Thomas Kopietz

Klimaschützer fordern bei Planung und Bau der neuen Uni-Klinik in Göttingen mehr Nachhaltigkeit. So könne auf verschiedene Weise Energie eingespart werden.

Göttingen – „Auf nachhaltige Gesundheit bauen“ – das Motto des Klimastreiks am vergangenen Wochenende (21/22.05.2022) in Hannover war griffig – konkret bezogen sich die Veranstalter vom Bündnis von HealthForFuture und FridaysForFuture auch auf die großen Klinikneubauten von Medizinischer Hochschule Hannover (MHH) und Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Mit der Demo am Steintor in Hannover machten die Kritiker darauf aufmerksam, „dass das Gesundheitssystem einerseits zunehmend die Folgen der Klimakrise spüren wird, andererseits aber durch hohen Ressourcenbedarf zu Treibhausgasemissionen beiträgt“.

Nachhaltigkeit: Klimaschützer fordern beim Bau der neuen Uni-Klinik Göttingen Energie zu sparen

Damit wären wir bei den beiden Milliarden-Projekten der Uni-Klinik-Neubauten. In Göttingen ist man diesbezüglich weiter – trotz enormer Verzögerung und 2021 erneut neu aufgerollter Planung. Ende 2024 soll es losgehen – endlich. Baustufe 1 enthält den Abriss des Bettenhauses 1 samt Neubau mit 624 Betten, Bau des Operationszentrums mit 25 OP-Sälen sowie des Herz-, Neuro- und Notfall-Zentrum.

Das alte Uni-Klinik-Mehrzweck-Gebäude mit OP-Zentrum und Lehreinrichtungen verschlingt jährlich allein 20 Millionen-Euro Energiekosten – trotz ständiger Investitionen in energieeinsparende Lösungen, die aber durch die Substanz aus den 70er-Jahren erschwert werden. Auch der Erhalt der Infrastruktur kostet viel Geld.

An der MHH in Hannover ist der Investitionsstau und Modernisierungsdruck ähnlich groß, man hinkt aber im Planungsablauf hinter Göttingen her. Federführend für beide Projekte ist die von der Landesregierung installierte Dachgesellschaft „Bauvorhaben Hochschulmedizin Niedersachsen mbH“. In Göttingen wurde zudem eine Baugesellschaft geschaffen.

UMG: Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein „Anliegen“

Bei beiden Projekten habe man „von Anfang an den Klimaschutz mitgedacht“, bekräftigt Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Und der Klimaschutz ist auch Leistungsziel im Organisationshandbuch der Dachgesellschaft. „Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind für die UMG keine Modeerscheinung, sondern ein Anliegen“, bekräftigt denn auch UMG-Vorstandssprecher Prof. Wolfgang Brück. Und der Minister sagt: „Die Planer denken das Thema Klimaschutz von Anfang an mit.“

Wir fordern, dass die anstehenden Neubauten die Klimakrise nicht noch mehr befeuern.

Maren Schenke, HealthForFuture

Das sehen die Klimaschützer von HealthForFuture – auch in Göttingen – anders: „Bisher haben bei den ersten Planungen Energieeinsparung und Nachhaltigkeit nur eine untergeordnete Rolle gespielt“, bemängelten sie im Vorfeld der Demo. Die Messlatte für die Uni-Klinik-Bauten legt HealthForFuture hoch.

Die Bauten müssten vereinbar sein mit dem 1,5-Grad-Celsius-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens, und gebaut werden müsse dementsprechend energieeffizient und klimagerecht. Der Betrieb müsse mit einem nachhaltigen Energiekonzept ablaufen. „Wir fordern, dass die anstehenden Neubauten die Klimakrise nicht noch mehr befeuern“, sagt Dr. Maren Schenke von HealthFor Future Hannover.

Planung und Bau von neuer Uni-Klinik Göttingen: Reduzierung des CO2-Fußabdruckes möglich

Minister Thümler nennt am Beispiel Uni-Klinik Göttingen, was möglich sein soll: Die UMG-Baugesellschaft habe im Sommer eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben – die ist Bedingung zur Vorbereitung der Planung.

Die Ergebnisse der Studie zeigten laut Thümler, dass bei der Baukonstruktion eine „erhebliche Reduzierung des CO2-Fußabdruckes, bis zu 24,5 Prozent, durch eine Holzhybridkonstruktion oder den Einsatz von CO2-optimiertem Zement erreicht werden kann“.

Auch beim Betrieb der neuen Uni-Klinik soll viel gespart werden – durch den Einsatz erneuerbarer Energien, wie einer Wärmepumpe mit Speicher. Laut Thümler könnten so Einsparungen von bis zu 90 Prozent der CO2-Emissionen“ möglich werden.

Konkret aber könnten diese „Optimierungspotenziale“ erst in der Vor- und Entwurfsplanung beziffert werden, wenn „die Gebäudekubatur und die Ebenenverortung der Funktionsbereiche“ feststünden. „Erst dann ist eine genaue Berechnung des möglichen Energiestandards und die genaue Definition der Energieverbräuche möglich.“

Bauen mit öffentlichen Mitteln setzt Klimaschutz- und Energieeinsparungsvorhaben Grenzen

Dass den so bekundeten Klimaschutzbestrebungen und Energieeinsparungsvorhaben für den UMG-Neubau Grenzen gesetzt sind, lässt sich aus den Worten von Vorstandssprecher Wolfgang Brück erahnen: „Bauen mit öffentlichen Mitteln macht uns klare Vorgaben, die wir einhalten müssen.“

Die Planungen würden alle Vorgaben und Vorschriften sowie technisch realisierbare Maßnahmen berücksichtigen. „Allerdings gibt es hier auch Grenzen, die wir aber gemeinsam mit der Baugesellschaft der UMG ganz gezielt mit Blick auf das Ziel ökologischer und klimagerechter Bauweisen abklopfen.“

Universitätsmedizin in den 2030er-Jahren nach Neubau: So könnte das Klinikum aussehen. Die 3D-Grafik von der Südseite mit Eltern-Kind-Zentrum mit Kopfzentrum (rechts). In der Mitte das Bildgebende Diagnostikzentrum, links u.a. das neue OP-Zentrum mit Krankenversorgung.
Universitätsmedizin in den 2030er-Jahren nach Neubau: So könnte das Klinikum aussehen. Die 3D-Grafik von der Südseite mit Eltern-Kind-Zentrum mit Kopfzentrum (rechts). In der Mitte das Bildgebende Diagnostikzentrum, links u.a. das neue OP-Zentrum mit Krankenversorgung. © UMG

Knapp könnte auch das Geld werden: 1,12 Milliarden sieht das Sondervermögen des Landes vor. Mehr als zwei Milliarden Euro aber veranschlagt die UMG allein für die Neubauten der Krankenversorgung (ohne Lehre/Forschung). Zudem sind mit Verteuerungen durch Inflation, Materialmangel und hoher Handwerkernachfrage zu rechnen.

Minister Thümler hat derweil Verständnis für die Kritiker von HealthForFuture: Sie setzten, wie auch alle am Bau-Beteiligten, zu Recht große Erwartungen in den Klimaschutz und die Nachhaltigkeit beim Uni-Kliniken-Bau. Thümler verspricht: „Diese sollen mit der Planung auch erfüllt werden.“ Daran wird er sich messen lassen müssen. (Thoma Kopietz)

An der UMG ist es Göttinger Forschern nun gelungen, das Gehör von Hörgeschädigten durch Licht zu stimulieren. Beim Zukunftstag konnten Mädchen und Jungen hinter die Kulissen der Arbeitswelt blicken – auch bei der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

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