Uni-Klinik stellt sich nach Organspende-Skandal neu auf 

Eröffnung: Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat das neue Leberzentrum (LZG) gestartet: Von links Dr. Martin Siess (Vorstand Krankenversorgung), Dr. Lars Reinhardt (Ärztlicher Koordinator LZG), Prof. Volker Ellenrieder (Direktor Klinik Gastroenterologie II), Prof. Michael Ghadimi (Direktor Klinik Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie) , Prof. Johannes Lotz (Direktor Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie) und Prof. Philipp Ströbel (Direktor Institut für Pathologie). Foto: umg/nh

Göttingen. Das durch den Organskandal in Misskredit geratene Lebertransplantationsprogramm hat die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) Ende 2014 eingestellt, aber dafür die Versorgung von schwer leberkranken Menschen verbessert und ein interdisziplinäres Leberzentrum eingerichtet.

Vier Kliniken der UMG arbeiten zusammen. Durch die enge Kooperation soll nach Aussage der UMG-Verantwortlichen „die bestmögliche Versorgung der Patienten mit Lebererkrankungen gewährleistet werden“.

Leberkranke gibt es viele: Bundesweit sind 4,5 bis 5 Millionen Menschen betroffen. Heruntergebrochen auf das Einzugsgebiet der UMG und des neuen Leberzentrums sind das etwa 5000 Patienten mit schweren Lebererkrankungen, die es in verschiedenen Ausprägungen gibt: akut und chronisch sowie gutartige und bösartige Tumore.

Im UMG-Leberzentrum sollen auch neue Diagnostik- und Therapieverfahren eingesetzt werden, sie ermöglichen den Patienten aktuelle Behandlungsmöglichkeiten, wie der Leiter der Gastroenterologie, Prof. Dr. Volker Ellenrieder anlässlich der Eröffnung sagte. „Das neue Leberzentrum Göttingen spiegelt als interdisziplinäre Einrichtung diese Entwicklung wider.“

Die Behandlungsansätze aus verschiedenen Fachdisziplinen helfen enorm dabei, akute und chronische Lebererkrankungen zielgerichteter und individueller zu versorgen. „Das gilt vor allem für Tumorpatienten“, berichtete Ellenrieder. So liegt der Schwerpunkt im Leberzentrum auch auf der Behandlung von onkologischen Patienten.

An der Behandlung sind Chirurgen, Radiologen und spezialisierte Internisten aus Gastroenterologie und medizinischer Onkologen beteiligt. Sie alle legen zusammen auch das Therapiekonzept für einen Patienten fest.

Warum das Leberzentrum Göttingen in der Uni-Klinik entstanden ist, beantwortete Dr. Martin Siess, Vorstand Krankenversorgung: „An der UMG haben wir genau diese Einrichtungen unter einem Dach.“ Der Verbund mache am Ende die Qualität einer modernen Patientenversorgung aus.

Wichtig: Auch Patienten, die in Transplantationszentren ein neues Organ bekommen haben, können im Leberzentrum der UMG vor und nach der Transplantation behandelt und versorgt werden.

Das Leberzentrum im Uni-Klinikum

Am Leberzentrum Göttingen (LZG) sind beteiligt: 

• Klinik für Gastroenterologie und Endokrinologie sowie die Klinik für Gastroenterologie II (Leitung beider Kliniken: Direktor Prof. Dr. Volker Ellenrieder),

• Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie (Prof. Dr. Michael Ghadimi),

• Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie (Prof. Dr. Joachim Lotz),

• Institut für Pathologie (Prof. Dr. Philipp Ströbel).

Zudem gibt es bei der Versorgung von Patienten mit Lebertumoren eine enge Kooperation mit dem Krebszentrum G-CCC und weiteren Kliniken unter dem Dach der UMG.

Aufgaben: Das Leberzentrum Göttingen (LZG) hat eine eigene Anlaufstelle mit speziellen interdisziplinären Sprechstunden. Zu den vorhandenen, strukturierten Konferenzen, wie den Tumorboards, bietet das Zentrum ein „Leberboard“ für alle Patien-ten mit anderen Lebererkrankungen an. Dort werden die Ergebnisse der Diagnostik für jeden Patienten vorgestellt und Therapien abgestimmt.

Behandlungsspektrum:

• Behandlung akuter und chronischer Lebererkrankungen und Komplikationen

• Abklärung unklarer Leberrundherde durch hochauflösende Bildgebung

• Endoskopie und durch Kontrastmittel verstärkte High-End-Sonographie

• Evaluation von Lebertransplantationen und Transplantationsnachsorge

• Leberchirurgische Expertise

• Lokale radiologische Verfahren

• Internistische Laparoskopie

• Anlage eines Shunts (Tips). Das ist eine Methode, mit der ein Überdruck in der zur Leber führenden Pfortader durch Anlage einer „Umleitung“ in der Leber abgebaut werden kann.

• Intensivmedizinische Versorgung schwerster Lebererkrankungen

• Leberersatzverfahren bei Leberversagen

• Quantitative Messmethoden der Leberfibrose

Bei der Versorgung lebertransplantierter Patienten arbeitet das neue Leberzentrum Göttingen (LZG) an der UMG eng mit den wohnortnahen Transplantationszentren der Patienten zusammen. Auf Wunsch der Patienten kann am LZG die Nachsorge nach einer Transplantation erfolgen.

Erreichbarkeit: Anmeldung: täglich 08.30 bis 11.30 Uhr; Telefon 0551 / 39-20920; Notfall-Nummer-24- Stunden: 0551/39-20600, Leberambulanz: Montag bis Freitag 8 bis 13 Uhr, Interdisziplinäre Lebersprechstunde: Mittwochs 8 bis 13 Uhr, Interdisziplinäres Leberboard: Mittwochs 14.30 bis 15.30 Uhr, Transplantations-Nachsorgeambulanz: Dienstag bis Freitag 8 bis 13Uhr, Zweitmeinungsambulanz: nach Vereinbarung. (umg/tko)

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